Streit um Holztransporte eskaliert: Wer darf nun eigentlich fahren?

Stuttgart - Der Forstminister kümmert sich ums Wohl der Wälder, sein Kollege im Verkehrsressort muss dafür sorgen, dass Straßen und Brücken genutzt werden können. Bisweilen kommen sich diese Interessen in die Quere. So auch im Streit um schwere Holztransporte, der nun eskaliert.

Ein Holztransporter fährt aus dem Wald. (Symbolbild)
Ein Holztransporter fährt aus dem Wald. (Symbolbild)  © Jan Woitas/dpa-Zentralbild/dpa

Der Streit um die Ausnahmegenehmigungen für schwere Holztransporte zwischen Verkehrsminister Winfried Hermann (Grüne) und Forstminister Peter Hauk (CDU) ist nach einem neuen Erlass eskaliert. 

Ohne Absprache habe Hermanns Ministerium eine umfassende Liste von Straßen im Land veröffentlicht, die wegen maroder Brücken von den Schwertransportern bis 44 Tonnen nicht mehr genutzt werden dürften, kritisiert Hauk.

Es würden außerdem für die kommunalen Straßen in und zwischen den Gemeinden keine Ausnahmen für derartige Lkw mehr gemacht. 

Gerade diese Straßen müssten aber oft genutzt werden, um die größeren Verbindungen zu erreichen. "Der Erlass ist das Papier nicht wert, auf dem er steht", sagte Hauk.

Über die Sonderregelungen streiten die beiden Ministerien schon seit Jahren. Das Verkehrsministerium hatte zunächst eine Sonderregelung für Langholztransporte bis 44 Tonnen über den 31. Mai hinaus nicht verlängert. In den vergangenen Monaten galten daher für Holztransporter bis 40 Tonnen wieder dieselben Regeln wie für alle Lastwagen. 

Streit könnte weiter andauern

Verkehrsminister Hermann (links) und Agrarminister Hauk (rechts).
Verkehrsminister Hermann (links) und Agrarminister Hauk (rechts).  © Marijan Murat/dpa/Philipp von Ditfurth/dpa (Fotomontage)

Pauschale Ausnahmegenehmigungen für Holztransporte bis 44 Tonnen gab es zuletzt nicht mehr, um die Straßen und Brücken zu schonen. Mit dem neuen Erlass sollten eigentlich erneut die Ausnahmen geregelt werden.

Hermanns Ministerium argumentiert, die Landesregierung sei nicht nur für die Wälder verantwortlich, sondern auch für die Straßeninfrastruktur. Außerdem würden von 11.735 Brücken im klassifizierten Straßennetz wegen der Beschaffenheit 515 Brücken ausgenommen. "Dies sind lediglich 4,4 Prozent", teilte das Ministerium mit. Die Kritik habe das Haus "sehr erstaunt", sie sei "nicht angemessen".

Der seit Jahren zunehmende Lkw-Verkehr gilt als einer der Hauptverursacher für marode Straßen. Ein Fünftel der Bundesstraßen im Südwesten gilt laut Bundesregierung als marode. Außerdem ist laut Verkehrsministerium jede vierte Autobahnbrücke im Land und jede zehnte Bundesstraßenbrücke sanierungsbedürftig.

Allerdings stehen auch die Forstleute vor immensen Problemen: Nach Angaben der Forstkammer sind im dritten extremen Jahr hintereinander bereits rund 43 Prozent der Bäume schwer geschädigt durch Dürre, Trockenheit, Unwetter und den Borkenkäfer. Laut Kammer liegen mehrere Millionen Festmeter Schadholz im Wald.

Titelfoto: Marijan Murat/dpa/Philipp von Ditfurth/dpa (Fotomontage)

Mehr zum Thema Stuttgart Politik:


WhatsApp Wir bei WhatsApp: 0160 - 24 24 24 0