Streit um Prüfungen für Lehramtsstudenten: Klagen drohen!

Stuttgart - Aufregung an den Hochschulen. Mitten in die Corona-Krise platzt für Lehramtsstudenten die Nachricht, dass ihre Prüfungen angesetzt werden. "Wie soll das gehen?", fragen die Studenten, wo doch Bibliotheken geschlossen sind und weitere Infektionen drohen?

Lehramtsstudenten sollen ab Mitte Mai Prüfungen schreiben. (Symbolbild)
Lehramtsstudenten sollen ab Mitte Mai Prüfungen schreiben. (Symbolbild)  © DPA / Julian Stratenschulte

Nach den Schülervertretern drohen dem Land auch Klagen von Lehramtsstudierenden, die sich durch die jüngsten Änderungen bei den Abschlussprüfungen benachteiligt fühlen. "Ich kenne Studierende, die bereits den Kontakt zu Anwälten gesucht haben", sagte Henrike Arnold von der Landesstudierendenvertretung.

Das Kultusministerium hatte in der vergangenen Woche in einem Schreiben eine Frist für die Anmeldung zu den Abschlussprüfungen der angehenden Lehrkräfte angekündigt und einen zweimonatigen Prüfungszeitraum ab Mitte Mai festgelegt. 

Studierende müssen demnach ihre Meldung zur Prüfung beim Prüfungsamt bis zum 6. Mai bestätigen. Diese kann dann an einem noch nicht genannten Termin zwischen dem 11. Mai und 31. Juli angesetzt werden. Ohne die Bestätigung durch die Studenten würden diese automatisch für die Herbstprüfung umgemeldet, teilte das Kultusministerium mit.

"Über die Meldung entsteht das Angebot, an der Prüfung festzuhalten oder auf den nächsten Prüfungsdurchgang im Herbst zu verschieben", sagte eine Ministeriumssprecherin der dpa. 

"Niemand wird zur Abschlussprüfung gezwungen." Viele Studierende hätten allerdings darum gebeten, ihre Prüfungen wegen Bewerbungsfristen in anderen Ländern rasch ablegen zu dürfen. Man habe verschiedensten Wünschen Rechnung getragen, indem man die Wahl lasse, Prüfungen jetzt oder im Herbst abzulegen. 

Das Kultusministerium betonte zudem: "Lehramtsstudierenden sollen keine Nachteile aus der derzeitigen Situation entstehen."

Geschlossene Bibliotheken und keine Lerngruppen

Ein leerer Hörsaal in Corona-Zeiten.
Ein leerer Hörsaal in Corona-Zeiten.  © picture alliance / dpa

Das sehen die Studenten anders: "Da viele Unwägbarkeiten bezüglich der zur Verfügung stehenden Infrastruktur wie Bibliotheksöffnungen oder Möglichkeiten, sich mit Lerngruppen zu treffen, bis dahin nicht ausgeräumt sein werden, ist eine wohldurchdachte Entscheidung unmöglich", kritisierte die Landesastenkonferenz (LAK) die Frist. 

Der Prüfungszeitraum sei sonst immer weit im Vorhinein bekannt gegeben worden, Studierende hatten sich darauf vorbereiten können. "Nun kann es sein, dass der Prüfungstermin mit anderen Verpflichtungen kollidiert", kritisierte die LAK. 

Viele Studenten müssten Angehörige pflegen oder Kinder betreuen, einige arbeiteten, Lerngruppen fielen aus und die psychische Belastung durch die Corona-Auflagen sei für Prüflinge enorm.

"Es lässt sich kaum mit Worten beschreiben, welche Unsicherheit, Angst bis hin zu Panik diese Mitteilung des Kultusministeriums unter Studierenden verursacht hat", heißt es bei der LAK. 

Die Studierendenvertretung will am 3. Mai einen Forderungskatalog aufstellen und das Gespräch mit dem Ministerium suchen.

In einem weiteren, unabhängig von der LAK aufgesetzten und 56 Seiten langen Schreiben fordern Lehramtsstudenten aus mehreren Hochschulen optional zur Examensnote auch die Möglichkeit, eine Durchschnittsnote aus den bisher erbrachten Leistungen der Ersten Staatsprüfung zu erheben. 

"Wir haben uns in den letzten Wochen von den Entscheidungsträgern im Stich gelassen gefühlt", heißt es unter anderem in dem offenen Brief. Die Frist für die Prüfungen stelle einen extremen Stressfaktor da, es sei nahezu unmöglich, sich vorzubereiten. Auch die Hochschulen hätten zu kurzfristig von den neuen Terminen erfahren, ihnen sei zudem die Verantwortung für die Prüfungstermine und die Umsetzung zugeschoben worden.

Das Kultusministerium hat bereits abgewunken: "Ein solcher Schritt würde dazu führen, dass der Grundsatz der Chancengleichheit nicht vorliegen würde", sagte eine Sprecherin. Vor Beginn der Einschränkungen hätten viele Studierende bereits Prüfungen absolviert, andere wiederum nicht. "Einige würden vielleicht so von einer Durchschnittsnote profitieren, andere aber auch schwere Nachteile haben."

Titelfoto: picture alliance / dpa

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