Wie sicher ist der Maßregelvollzug? SPD übt Kritik nach Flucht aus Psychiatrie

Weinsberg - Nach einer weiteren Flucht aus der psychiatrischen Klinik in Weinsberg im Kreis Heilbronn hat die SPD ihre Kritik an den Sicherheitsvorkehrungen in den Einrichtungen erneuert.

Der Patient flüchtete am Samstag aus der psychiatrischen Klinik in Weinsberg.
Der Patient flüchtete am Samstag aus der psychiatrischen Klinik in Weinsberg.  © Bernd Weissbrod/dpa

"Der erneute Vorfall trägt nicht zum Sicherheitsgefühl der Menschen bei und unterstreicht die Notwendigkeit, die Vorkehrungen in diesen Einrichtungen auf Herz und Nieren zu prüfen", sagte der Strafvollzugsexperte der SPD, Jonas Weber, am Montag. "Die Tage der offenen Tür in Weinsberg müssen beendet werden."

Der flüchtige Patient war auf einer offenen Station untergebracht und wird seit Samstag gesucht. "Offen geführt bedeutet, dass die Station nicht rund um die Uhr verschlossen ist", sagte ein Sprecher des Klinikums.

Zwar sei eine "engmaschige Überwachung" weiterhin Teil des Sicherheitskonzeptes, auch um Regelverstöße schnell festzustellen.

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Grundsätzlich sei aber zwischen einer Flucht oder "Entweichung" von einer offenen Station und einem Ausbruch aus einer geschlossenen Station zu unterscheiden, sagte der Sprecher.

Filmreife Flucht vor wenigen Wochen

Die SPD-Fraktion forderte, die Maßregelvollzugsanstalten zu überprüfen.
Die SPD-Fraktion forderte, die Maßregelvollzugsanstalten zu überprüfen.  © Julian Buchner/Einsatz-Report24/dpa

Bereits vor rund zweieinhalb Wochen waren vier Männer filmreif aus einer geschlossenen Station der Klinik ausgebrochen. Nach dem damaligen Ausbruch hatte die SPD-Fraktion verlangt, die landesweit fünf Maßregelvollzugsanstalten zu überprüfen. Weber hatte argumentiert, die Ausbrecher hätten ihre Flucht mutmaßlich mit einem Mobiltelefon geplant und das Gebäude über ein nicht vergittertes Flurfenster verlassen.

Es sei besorgniserregend, dass Sozialminister Manne Lucha (60, Grüne) keinen Überblick über die Sicherheitsdefizite der Einrichtungen habe. Ein Sprecher Luchas hatte die Behauptungen als haltlos zurückgewiesen.

Einer der vier Männer war einen Tag nach dem Ausbruch festgenommen worden. Die anderen drei sind noch auf der Flucht. In Weinsberg hatte es zuvor laut Ministerium seit 2005 keinen Ausbruch mehr aus dem gesicherten Bereich gegeben. Patienten flüchten allerdings immer wieder aus Psychiatrien. Im vergangenen Jahr gab es in Baden-Württemberg nach früheren Angaben des Gesundheitsministeriums 47 solcher Fälle bei 1252 Patienten landesweit.

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Die Klinik am Weissenhof in Weinsberg ist ein akademisches Lehrkrankenhaus der Universität Heidelberg. Es ist der Aufsicht des Landes Baden-Württemberg unterstellt und bietet psychiatrische, psychotherapeutische und psychosomatische Behandlung und Betreuung psychisch kranker Menschen in der Region Heilbronn an.

Titelfoto: Bernd Weissbrod/dpa

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