Radiologen wollen Langzeitfolgen von Covid-19 erforschen

Stuttgart - Mit Hunderten von Lungen-Aufnahmen erkrankter Covid-19-Patienten wollen Stuttgarter Radiologen bessere Behandlungsmethoden für Infizierte entwickeln und Krankheitsverläufe abschätzen.

Götz Martin Richter, Ärztlicher Direktor der Klinik für Diagnostische Interventionelle Radiologie.
Götz Martin Richter, Ärztlicher Direktor der Klinik für Diagnostische Interventionelle Radiologie.  © Sebastian Gollnow/dpa

Die Bilddatenbank könnte nach Angaben des Klinikums Stuttgart auch hilfreich dabei sein, mehr über die Langzeitfolgen des Virus zu erfahren. 

Dazu lägen bislang noch keine Daten zum Beispiel von den ersten chinesischen Patienten vor, sagte Professor Götz Martin Richter, Ärztlicher Leiter des Zentrums für Radiologie im Klinikum Stuttgart.

Eine Studie auf Grundlage der Computertomographie-Aufnahmen von mindestens 250 Patienten aller Altersklassen hat Richter bei der Ethikkommission der Ärztekammer beantragt. 

Derzeit lägen Daten von Patienten im Alter zwischen 21 und 89 Jahren vor. "Dem Virus ist das Alter egal", betonte der Mediziner. Das werde leider vor allem von jüngeren Menschen nach wie vor unterschätzt.

Eine gesunde Lunge im CT ist tiefschwarz, weil sie mit Luft gefüllt ist. Bei Covid-19-Patienten zerstört das Virus die Lungenzwischenräume und greift auf die Lungenbläschen über. Wasser und Eiter füllen die Flächen auf beiden Seiten der Lunge, und es zeigen sich wolkige weiße Schlieren - im Fachjargon auch Milchglas genannt. 

Innerhalb weniger Tage kann diese Milchglaswolke um ein Vielfaches größer und dichter werden. In den betroffenen Lungenbereichen wird kein Sauerstoff mehr ausgetauscht, Patienten fällt das Atmen schwer, im schlimmsten Fall ersticken sie.

"Wir wollen den Verlauf einer Infektion bei den Patienten erfassen und aus der Summe der Bilddaten und der Laborwerte ermitteln, wie sich eine Infektion entwickeln und wie man sie behandeln könnte", erklärte Richter. 

Je umfassender die Datenbank der auf mindestens eineinhalb Jahre angelegten Studie sei, desto einfacher werde es für die Mediziner und Wissenschaftler, Ableitungen für eine Medikation zu finden. Deshalb könnte die Studie auch ausgeweitet werden auf die Hochschulstandorte Freiburg, Tübingen und Ulm.

Titelfoto: Sebastian Gollnow/dpa

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