Schiffskorso-Protest gegen Fischzucht am Bodensee geplant

Konstanz - Bodensee-Felchen sind mittlerweile eine seltene Delikatesse. Die Fischerträge sind in den vergangenen Jahren eingebrochen. Einige Fischer wollen sie deshalb in Aquakulturen züchten. Doch mit ihrem Vorhaben stoßen sie auf viel Gegenwehr.

Fischer fahren in ihrem Fischerboot vor Friedrichshafen auf dem Bodensee.
Fischer fahren in ihrem Fischerboot vor Friedrichshafen auf dem Bodensee.  © Felix Kästle/dpa

Gegen die Fischzucht in großen Netzgehegen am Bodensee wollen am Samstag (10. Oktober) Berufsfischer mit einem Schiffskorso in Konstanz demonstrieren. Rund 60 Boote hätten sich schon für die Aktion angemeldet, sagte die Vorsitzende des Verbands Badischer Berufsfischer, Elke Dilger. 

Der Protest richtet sich gegen eine Genossenschaft, die Felchen in Aquakultur-Anlagen züchten möchte, weil die Erträge seit Jahren massiv sinken.

Die Mehrheit der Berufsfischer ist aber gegen Netzgehege am Bodensee, die etwa auch bei der Lachszucht in Norwegen und anderen Ländern eingesetzt werden. 

Auch Umwelt- und Naturschutzverbände lehnen das Vorhaben ab. Sie befürchten die Übertragung von Krankheiten auf Wildtiere und Verunreinigungen durch Kot und Fischfutter. 

Der See liefert für Millionen Menschen Trinkwasser. "Die negativen Begleiterscheinungen von Netzgehegen sind weltweit bekannt", sagte Dilger.

Eine Genossenschaft will Anlage ausprobieren, das stößt auf Gegenwehr

In Konstanz soll gegen die Aquakulturen demonstriert werden. Ein Schiffskorso mit rund 60 Booten will auf das Thema aufmerksam machen.
In Konstanz soll gegen die Aquakulturen demonstriert werden. Ein Schiffskorso mit rund 60 Booten will auf das Thema aufmerksam machen.  © Oliver Hanser/ dpa

Die Genossenschaft "Regio Bodensee Fisch" will es trotzdem mit einer "modernen und ökologisch gut geführten" Anlagen ausprobieren. In einem Pilotprojekt sollen bis zu vier Netzgehege installiert werden. Rückenwind gibt es von Landwirtschaftsminister Peter Hauk (CDU), der sich für Aquakulturen ausgesprochen hatte. An einem Elterntierstamm aus Sandfelchen, das als Grundlage für die Zucht dienen könnte, wird an der Fischbrutanstalt in Langenargen bereits gearbeitet.

Der Felchenertrag nimmt seit Jahren ab. Während 2009 die baden-württembergischen Fischer noch rund 273 Tonnen gefangen haben, waren es 2019 mit nur noch knapp 21 Tonnen mehr als 90 Prozent weniger. Nährstoffmangel im immer sauberer werdenden Bodensee, gefräßige Kormorane und Konkurrenz durch Stichlinge sowie der Klimawandel machen den Wildfischen zu schaffen. 

Weil aber der Appetit auf Felchen in Deutschland nach wie vor groß ist, werden immer mehr aus dem Ausland importiert.

"Es ist traurig, dass die Bodensee-Fischer die Region nicht mehr mit Wildfisch versorgen können", sagte Dilger. Sinnvoller als Netzgehege seien aber Bemühungen, die Lebensbedingungen für Wildfische im See zu verbessern. Hier sei die Wissenschaft gefragt.

Dilger und ihre Fischer-Kollegen aus Bayern, Österreich und der Schweiz wollen die Fischerei am Bodensee erhalten. "Es ist ein traditioneller Beruf mit ganz viel Liebe", sagte sie. Netzgehege seien eine ganz andere Berufssparte und würden von der internationalen Gewässerschutzkommission für den Bodensee (IGKB) explizit ausgeschlossen. Für mehr Sicherheit fordern die Berufsfischer ein gesetzliches Verbot.

Titelfoto: Felix Kästle/dpa

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