Randale in Stuttgart: Wohl Schaden in Millionenhöhe, Özdemir besorgt um Ruf der Stadt

Stuttgart - Der Stuttgarter Polizeivizepräsident Thomas Berger beziffert den Schaden durch marodierende Gruppen in Stuttgart auf einen sechs- bis siebenstelligen Betrag.

Der frühere Grünen-Chef Cem Ödzemir (54) sorgt sich nach der Randale in Stuttgart um den Ruf der Stadt. (Archivbild)
Der frühere Grünen-Chef Cem Ödzemir (54) sorgt sich nach der Randale in Stuttgart um den Ruf der Stadt. (Archivbild)  © Marijan Murat/dpa

Das sagte der Leiter des Polizeieinsatzes während der nächtlichen Randale in einem Interview mit dem Journalisten Gabor Steingart. Mehrere Hundert junge Männer hatten in der Nacht zum Sonntag in Kleingruppen 40 Läden beschädigt und zum Teil geplündert. Zwölf Streifenwagen wurden demoliert.

19 Polizisten wurden infolge "total enthemmter Gewalt" verletzt, einer davon brach sich das Handgelenk, wie Berger erläuterte. Auslöser war die Drogenkontrolle eines 17-Jährigen, mit dem sich gleich mehrere Hundert Menschen solidarisierten.

Zu den möglichen Hintergründen gab Berger mehrere Hinweise: Die Täter hätten sich in sozialen Medien in Pose setzen wollen und skandiert: "Endlich ist in Stuttgart was los."

Zudem hätten die Corona-Einschränkungen dazu geführt, dass junge Menschen sich zunehmend im öffentlichen Raum träfen. Diese Gruppe reagiere auf normale polizeiliche Ansprache sehr aggressiv.

Schließlich hätten die Rassismusvorwürfe gegen die US-Polizei auch zu Unmut hierzulande geführt. Zur Stimmung in der Polizei sagte Berger: "Es gibt großes Unverständnis in der Belegschaft, warum es Teile der Gesellschaft gibt, die uns das antun."

Cem Özdemir: "Da hat sich offensichtlich etwas zusammengebraut"

Risse sind in einer beschädigten Scheibe eines Einzelhandelsgeschäfts in der Stuttgarter Königstraße zu sehen.
Risse sind in einer beschädigten Scheibe eines Einzelhandelsgeschäfts in der Stuttgarter Königstraße zu sehen.  © Marijan Murat/dpa

Auch der frühere Grünen-Chef Cem Özdemir (54) hat sich zu der Randale geäußert und sorgt sich um den Ruf der Stadt. 

Man müsse aufpassen, dass Stuttgart keine Anziehungskraft für Randalierer dieser Art entwickele, sagte der aus dem schwäbischen Bad Urach stammende Özdemir am Montag in einem SWR-Interview.

Bei politischen Extremisten gebe es Strukturen und Netzwerke, die zerschlagen werden könnten. "Was machen Sie bei Leuten, die alkoholisiert sind, möglicherweise Drogen zu sich genommen haben, und möglichst viel Schaden anrichten wollen?", fragte Özdemir. "Da ist das mit Netzwerk zerschlagen nicht so einfach getan."

Club- und Ladenbesitzer hätten ihm zudem berichtet, es habe bereits am Wochenende vereinzelt Proteste und Unruhen gegeben: "Da hat sich offensichtlich etwas zusammengebraut", sagte der Grünen-Politiker. 

Er brachte stärkere verdeckte Ermittlungen ins Spiel: "Wenn die Polizei mit dem Martinshorn kommt, ist es oft schon zu spät. Dann sind die Rädelsführer weg und verstecken sich im Schutz der Passanten", sagte Özdemir. 

Nach seiner Einschätzung ist das Argument, die Jugendlichen seien durch die coronabedingten Clubschließungen gelangweilt, zu "unterkomplex". Auch Clubgänger fühlten sich "von diesen Leuten bedroht."

Titelfoto: Marijan Murat/dpa

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