Von RAF-Terroristen erschossen: Darum soll die Hanns-Martin-Schleyer-Halle nicht mehr so heißen

Stuttgart - Ob Reitturniere, Musik oder Box-Kämpfe: In der Hanns-Martin-Schleyer-Halle war schon alles zu sehen. Jetzt sorgen linke Gemeinderäte für Wirbel: Sie wollen, dass der Name von Baden-Württembergs größter Mehrzweckhalle geändert wird!

Hanns-Martin Schleyer während seiner Entführung durch die RAF.
Hanns-Martin Schleyer während seiner Entführung durch die RAF.  © UPI/upi/dpa

Doch der Reihe nach: Am 5. September 1977 wurde der damalige Arbeitgeberpräsident Hanns-Martin Schleyer (†62) in Köln entführt, sein Fahrer und drei Leibwächter erschossen. Hinter der Tat steckte das RAF-Kommando "Siegfried Hausner".

Die Terroristen wollten so elf RAF-Mitglieder freipressen (u.a.  Andreas Baader und Gudrun Ensslin). Die Regierung von SPD-Kanzler Helmut Schmidt (†96) weigerte sich, auf die Forderungen der Entführer einzugehen.

Schleyer wurde schließlich erschossen, seine Leiche am 19. Oktober 1977 im französischen Mühlhausen im Kofferraum eines Autos entdeckt.

Im Jahr 1983 wurde die Mehrzweckhalle in Stuttgart eröffnet, die seinen Namen trägt.

Und eben jene Namensgebung ist nun Gemeinderäten von der Partie "Die Linke", Piratenpartei, SÖS und Tierschutzpartei ein Dorn im Auge. In einem Antrag (hier nachzulesen) fordern sie, die Halle umzubenennen.

"Gerade angesichts aktueller neonazistischer, antisemitischer und rassistischer Aktivitäten bis hin zu Morden (...) ist es an der Zeit, sich umfassend damit zu beschäftigen, welche Personen in Stuttgart mit der Benennung von Straßen, Wegen, Gebäuden und Einrichtungen geehrt wurden", heißt es in dem Schreiben.

Schleyers Rolle im Dritten Reich

Die Schleyer-Halle in Stuttgart.
Die Schleyer-Halle in Stuttgart.  © Imago Images / Sportfoto Rudel

Stein des Anstoßes ist Schleyers Rolle im Dritten Reich. Er war SS-Hauptsturmführer. 

In dem Antrag heißt es: "Schleyers Gesinnung während des Nationalsozialismus wird an folgendem Zitat aus dem Jahr 1935 deutlich: 'Ich muss es allerdings ablehnen, daß man den Begriff der Treue, der uns Deutschen heilig ist, in irgendeiner Weise mit Juden in Verbindung bringt, und ich werde es nie verstehen können, da ein Corps aus der Auflage, zwei Juden aus der Gemeinschaft (der Corps) zu entfernen, eine Existenzfrage macht.'"

Weiter fordern die Antragsteller: "Seine Rolle gilt es genauer zu untersuchen und entsprechende Konsequenzen zu ziehen."

Zudem ist der Fraktion etwa auch das Ferdinand-Porsche-Gymnasium oder der Hindenburgbau ein Dorn im Auge, sie fordert das Einsetzen einer Kommission, die sich mit damit beschäftigt.

Schleyers Sohn: "Das ist schändlich!"

Jörg Schleyer, Sohn des ermordeten Hanns-Martin Schleyer.
Jörg Schleyer, Sohn des ermordeten Hanns-Martin Schleyer.  © Franziska Kraufmann/dpa

Gegenüber der Bild-Zeitung zeigte sich Schleyers Sohn Jörg (66) empört. 

"Ausgerechnet die Erben des SED-Unrechtsstaates beschädigen das Andenken meines Vaters", so der 66-Jährige. 

"Die, die den Terroristen in der DDR Zuflucht gegeben und sie auch noch unterstützt haben. Es ist eine Schande, dass ausgerechnet die einen solchen Antrag stellen."

Auch habe der ermordete Arbeitgeberpräsident nach Angaben seines Sohnes ein gutes Verhältnis zu Israel gehabt: "Mein Vater war auch Ehrensenator der Universität von Tel Aviv. Es ist unsäglich, ihn jetzt mit Nazi-Verbrechen in Verbindung zu bringen."

Er mutmaßt gegenüber der Zeitung: "Sie wollen das Andenken von jemandem vernichten, der für diesen Staat gelitten und gestorben ist. Das ist schändlich!"

Titelfoto: Montage: imago images / Sportfoto Rudel, UPI/upi/dpa

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