Weihnachten in Corona-Zeiten: Das rät ein Arzt für die Feier

Esslingen - Weihnachten ist dieses Jahr ganz anders. Wir feiern im engsten Familienkreis und dennoch schwingt die Sorge um das Virus mit. Wie verhalten wir uns am besten, damit das Virus sich nicht weiter ausbreitet und beispielsweise Oma und Opa nicht gefährdet werden? TAG24 hat bei Prof. Dr. Henning Wege, Chefarzt der Klinik für Allgemeine Innere Medizin vom Klinikum Esslingen, nachgefragt.

Prof. Dr. Henning Wege, Chefarzt der Klinik für Allgemeine Innere Medizin vom Klinikum Esslingen.
Prof. Dr. Henning Wege, Chefarzt der Klinik für Allgemeine Innere Medizin vom Klinikum Esslingen.  © Klinikum Esslingen

TAG24: Wie sollten wir uns an Weihnachten verhalten?

Dr. Henning Wege: Um die weitere Ausbreitung von SARS-CoV-2-Infektionen zu verhindern, sollten wir auch an den Feiertagen unsere Kontakte möglichst weit reduzieren. Wichtig ist dabei, dass wir nicht jeden Tag andere Familienmitglieder oder Freunde treffen, sondern unsere Kontakte für den gesamten Zeitraum auf nur wenige Menschen beschränken.

TAG24: Dürfen wir uns umarmen oder Kinder auf Großelterns Schoß sitzen? Spielt es eine Rolle, ob wir nur gemeinsam in einem Raum sind oder auch nahen Körperkontakt haben?

Dr. Henning Wege: Das Übertragungsrisiko ist bei engem Körperkontakt deutlich höher. Hier geht es aber um den Individualschutz und nicht um die Pandemie als Ganzes. Sollen zum Beispiel ältere Familienmitglieder besonders geschützt werden, müssen die AHA-Regeln (Abstand halten, Hygiene beachten und Alltagsmaske) eingehalten werden und auch regelmäßiges Lüften ist sehr wichtig. Zusätzlich können sich besonders gefährdete Familienmitglieder durch eine FFP-2 oder KN-95 Maske schützen. Das sieht zwar nicht gut aus, ist aber wirksam. Alternativ besteht die Möglichkeit, vor dem Kontakt zumindest einen Schnelltest durchzuführen. Verschiedene Anbieter haben dazu kostenpflichtige Teststationen eingerichtet.

TAG24: Wie verbreitet sich das Coronavirus? Was kann man tun, um das zu verhindern?

Dr. Henning Wege: Die hauptsächlichen Verbreitungswege sind die Tröpfcheninfektion und Aerosole (kleine Tröpfchenkerne in der Ausatemluft). Ein besonderes Verbreitungsrisiko besteht daher beim Husten, Niesen, Singen und lautem Sprechen. Hier sind die AHA-Regeln und das Lüften zur Vermeidung von Infektionen wichtig.

Wie werden sich die Fallzahlen nach Weihnachten entwickeln?

Das Fest der Liebe findet dieses Jahr unter besonderen Bedingungen statt.
Das Fest der Liebe findet dieses Jahr unter besonderen Bedingungen statt.  © Dmitrii Simakov/123rf

TAG24: Immer wieder gibt es Berichte, dass manche Menschen sich bei einer Feier nicht angesteckt haben, obwohl sie in direktem Kontakt mit einem Infizierten waren. Woran liegt das? Gibt es eine Art Immunität?

Dr. Henning Wege: Abhängig zum Beispiel von der Blutgruppe sind nicht alle Menschen gleich anfällig für eine Infektion. Des Weiteren ist eine Infektion ein statistisches Ereignis und es kommt auch bei engen Haushaltskontakten nicht immer zu einer Übertragung. Somit muss es rein statistisch gesehen Menschen geben, die sich bei einer Feier mit Erkrankten nicht anstecken. Das sind Ausnahmefälle und keine Basis für eine Strategie, Infektionen zu reduzieren.

TAG24: Wie schätzen Sie die Fallzahlen nach Weihnachten ein?

Dr. Henning Wege: Ein Anstieg nach den Feiertagen ist zu erwarten. Die Fallzahlen werden aber aufgrund des Lockdowns hoffentlich nur gering ansteigen.

Was raten Sie Risikopatienten?

Henning Wege: Vermeiden Sie häufige Kontakte mit unterschiedlichen Menschen, denn das potenziert das Ansteckungsrisiko, und schützen Sie sich durch die Einhaltung der AHA-Regeln.

Titelfoto: Klinikum Esslingen/ Dmitrii Simakov/123rf (Fotomontage)

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