Zum Abschuss frei: Waschbären, Nutrias, Nilgänse und Co. sollen verstärkt gejagt werden

Stuttgart - Das baden-württembergische Agrarministerium will schärfer gegen nicht-heimische Tierarten vorgehen.

Heinz Kaltschmidt, Kreisjägermeister, steht mit seinem Gewehr und Labrador Lemmi in seinem Jagdrevier am Neckar. Nilgänse beschmutzen Liegewiesen und verscheuchen Schwäne, vertilgen Wintergetreide und verkoten Schwimmbäder.
Heinz Kaltschmidt, Kreisjägermeister, steht mit seinem Gewehr und Labrador Lemmi in seinem Jagdrevier am Neckar. Nilgänse beschmutzen Liegewiesen und verscheuchen Schwäne, vertilgen Wintergetreide und verkoten Schwimmbäder.  © Uwe Anspach/dpa

Der Ausbreitung von Nil- und Kanadagänsen, Waschbären, Marderhunden, Minks und Nutrias soll per neuer Durchführungsverordnung (DVO) des Jagd- und Wildtiermanagementgesetzes Baden-Württemberg ein Riegel vorgeschoben werden.

Die Anhörung der Verbände zu den Neuerungen ist abgeschlossen, ihre Statements werden ausgewertet und - wo es sinnvoll erscheint - eingearbeitet, wie ein Sprecher von Ressort-Chef Peter Hauk (CDU) erläutert.

In der vorgesehenen Novelle der DVO, die der dpa vorliegt, werden die Jagdzeiten für invasive Arten deutlich verlängert; für die Nilgans etwa um zwei Monate.

Stuttgart: Farbanschlag in Stuttgart: Politische Parole an Amtsgericht-Fassade
Stuttgart Farbanschlag in Stuttgart: Politische Parole an Amtsgericht-Fassade

Sie soll vom 1. August bis zum 15. Februar gejagt werden dürfen. Das gilt auch für die weit verbreitete, aber weniger angriffslustige Kanadagans.

Nilgänse breiten sich rasant aus

Nilgänse stehen am Ufer eines Flusses. Sie wurden 1980 ausgesetzt und haben sich seitdem rasant verbreitet.
Nilgänse stehen am Ufer eines Flusses. Sie wurden 1980 ausgesetzt und haben sich seitdem rasant verbreitet.  © Lennart Stock/dpa

Die aus Afrika stammende Nilgans ist bereits auf einer EU-Liste der Arten, deren Ausbreitung eingedämmt werden soll. In den 1980er Jahren waren in den Niederlanden Nilgänse ausgesetzt worden und entflogen - seither breiten sie sich rasant aus.

Sie fühlen sich am nördlichen Oberrhein zwischen Karlsruhe und Mannheim besonders wohl. Nilgänse sind vielerorts zur Plage für Mensch und Tier geworden: Sie beschmutzen Liegewiesen, verscheuchen Schwäne und vertilgen Wintergetreide.

Nach Angaben des Landesjagdverbandes wurden im Jagdjahr 2018/19 (Beginn März) rund 1300 Nilgänse oder ein Drittel mehr als im Jahr zuvor erlegt. "Und die Zahl wird noch mal stärker ansteigen", sagt Geschäftsführer Erhard Jauch, dessen Organisation 33 500 Jäger lm Südwesten vertritt.

Stuttgart: 24-Jähriger von Stadtbahn erfasst und schwer verletzt
Stuttgart 24-Jähriger von Stadtbahn erfasst und schwer verletzt

Überdies dürfen laut geplanter DVO anders als bisher Jungtiere unter anderem der Nilgans, der Nutria, des Marderhunds und des Waschbärs ganzjährig außerhalb der allgemeinen Schonzeit vom 16. Februar bis 15. April gejagt werden. Die Jäger befürworten das, finden aber eine andere Regelung nicht ausreichend: Grau- und Kanadagans sollen auch in der Schonzeit in bestimmten Vogelschutzgebieten gejagt werden dürfen.

Dazu zählt auch der Zugriff auf ihre Eier, Nester und Lebensräume. Jägervertreter Jauch: "Unter diese Regel müssten auch die Nilgänse fallen. Merkwürdig, dass die aggressivste Art verschont bleiben soll."

Titelfoto: Lennart Stock/dpa

Mehr zum Thema Stuttgart: