Airbag und Gurt nicht für alle ideal? Erhöhtes Risiko für große und schwere Insassen

München - Der ADAC wollte herausfinden, ob die Sicherheitssysteme in einem Auto für alle Menschen gleich gut helfen - oder gar zum Risiko werden können.

Statt des Standard-Dummys mit 77 Kilo wurden unterschiedliche Modelle für die aktuelle Testreihe verwendet.
Statt des Standard-Dummys mit 77 Kilo wurden unterschiedliche Modelle für die aktuelle Testreihe verwendet.  © Ralph Wagner / ADAC

Zwar haben sich die Todesfälle bei Verkehrsunfällen innerhalb von 35 Jahren von 12.000 auf 3000 reduziert, dennoch gibt es bei den Messungen der Tests einen wichtigen Kritikpunkt.

Der Standard-Dummy, der als Grundlage für die Unfallfolgen im Einsatz ist, repräsentiert lediglich einen 77 kg schweren Mann.

"Ob sie bei allen Menschen gleich gut funktionieren können, wollte der ADAC herausfinden und hat hierfür erstmals vergleichbare Crashtests mit Dummys unterschiedlicher Größe und Gewicht durchgeführt", gab der ADAC in einer Pressemitteilung bekannt. "Unklar war bislang, wie gut die Rückhaltesysteme auf Menschen außerhalb von durchschnittlichen Normen wirken."

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Die Unfallforscher konnten feststellen, dass es - bei vergleichbaren Voraussetzungen - zumindest keine Unterschiede zwischen weiblichen und männlichen Insassen gäbe.

"Allerdings kann das Alter eine Rolle spielen: Aufgrund abnehmender Knochendichte mit zunehmendem Alter erleiden Menschen jenseits der 60 häufiger schwere Verletzungen. Besonders betroffen sind dabei Kopf, Brustkorb und der Bauchraum", heißt es.

Große und schwere Insassen sind bei neuen Modellen im Nachteil

Nun wurden weitere Untersuchungen mit unterschiedlichen Dummys gemacht. Die Test-Puppen, die 48 bis 125 Kilogramm Gewicht und eine Körpergröße von 1,51 bis 1,91 Metern mitbrachten, durften einmal auf dem Beifahrersitz und einmal auf der Fahrerseite Platz nehmen.

In zwölf sogenannten Schlittenversuchen wurde festgestellt, dass vor allem adaptive Rückhaltesysteme hier einen großen Unterschied machen. Die Sensortechnik reagiere auf Kollisionsschwere sowie Größe und das Gewicht der Insassen.

"Im Test zeigte sich, dass adaptive Systeme die Belastung eines Unfalls auf den durchschnittlichen Mann, die kleine Frau und auch die ältere Dame reduzieren. Den großen und schweren Insassen konnten hingegen nur die konventionellen Gurte und Airbags ausreichend schützen", heißt es.

Zusätzlich könnten laut ADAC alternative Rückhaltesysteme wie Knieairbags oder mehrfache Gurtstraffungen in dieser Personengruppe für eine Verbesserung der Sicherheit sorgen.

Titelfoto: Ralph Wagner / ADAC

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