25 Jahre nach dem Elchtest: Mercedes verfolgt Luxusstrategie

Stuttgart - Es ist schon ein Vierteljahrhundert her, bleibt aber unvergessen: Mercedes wollte mit der A-Klasse auf den Markt für Kompaktwagen, dann kippte das Auto beim berühmten Elchtest um. Heute steht der Verkaufsschlager wegen der Luxusstrategie auf der Kippe.

Die A-Klasse hatte den Elchtest vor 25 Jahren nicht bestanden.
Die A-Klasse hatte den Elchtest vor 25 Jahren nicht bestanden.  © Mercedes-Benz Ag/dpa

Vor 25 Jahren brachte die Sache mit dem Elch Mercedes gewaltig ins Schlingern. Bei einem Fahrtest in Schweden am 21. Oktober 1997 kippte die damals ganz neue A-Klasse um.

Schnell war in Deutschland vom Elchtest die Rede - obwohl der Begriff so in Schweden gar nicht verwendet wurde. Bei dem Fahrmanöver wird ungebremst und abrupt hin und her gelenkt. Eben so, als müsste man plötzlich einem Elch auf der Straße ausweichen. Der Vorfall blamierte den Stuttgarter Autobauer und stürzte ihn in eine PR-Krise.

Ein Vierteljahrhundert nach dem Elchtest macht Mercedes strategisch eine Rolle rückwärts. War der "Baby-Benz" damals der Einstieg in die Kompaktklasse und damit der Türöffner für größere Stückzahlen, verfolgt Firmenchef Ola Källenius (53) heute eine Luxusstrategie, die er im Mai an der Côte d'Azur näher erläuterte. Das Einstiegssegment soll von sieben auf vier Karosserievarianten ausgedünnt werden.

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Auf die Frage, ob das auf Dauer das Aus für Kompaktautos der A- und B-Klasse bedeute, gab er keine explizite Antwort. "Ich überlasse den Rest Ihrer Vorstellungskraft", sagte er vor Journalisten. Fest steht: In Zukunft steht die Marge im Vordergrund, nicht die Masse.

Die A-Klasse wurde nach dem Rumpelstart ein Erfolg: Über vier Millionen Autos wurden seit der Markteinführung weltweit ausgeliefert, heißt es von Mercedes-Benz.

Experte kritisiert Luxusstrategie

Mercedes verfolgt neue Strategien.
Mercedes verfolgt neue Strategien.  © Mercedes-Benz Ag/dpa

Die Luxusstrategie, die Mercedes-Benz heute verfolgt, sieht Autoexperte Ferdinand Dudenhöffer (71) kritisch. "Das ist ein neuer Elchtest", sagt er. Die Risiken seien groß. Das Autogeschäft der Zukunft sei stark durch Größenvorteile getrieben.

Bei der Software lohne es sich, diese für eine große Anzahl an Autos zu entwickeln, da so die umgelegten Kosten auf die einzelnen Autos geringer seien. Das Erfolgsgeheimnis der Autos seien Technologie und Software, glaubt Dudenhöffer. "Die Technologie ist deutlich wichtiger als diese Luxus-Schickimicki-Geschichte."

"Bei den Stückzahlen der A- und B-Klassen wird es einfach schwierig, Geld zu verdienen", sagt hingegen Reindl. Dennoch werde Mercedes-Benz die unteren Fahrzeugklassen nicht komplett aufgeben, glaubt er. "Es gibt zum Beispiel den EQA, das ist sozusagen die elektrische A-Klasse als SUV."

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Mercedes-Benz habe sich dazu entschieden, sein Produktangebot "signifikant aufzuwerten", teilt der Unternehmenssprecher mit. Das Unternehmen werde sich fokussieren und Komplexität verringern.

Damit schließt sich nach 25 Jahren ein Kreis: Am Ende wird es wahrscheinlich kein Elch, aber mit Firmenchef Källenius immerhin ein Schwede gewesen sein, der die A-Klasse kippt.

Titelfoto: Mercedes-Benz Ag/dpa

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