Aktionäre von Daimler entscheiden über Aufspaltung

Stuttgart - Getrennte Wege für Mercedes-Autos und -Lkw: Aktionärinnen und Aktionäre von Daimler sind am heutigen Freitag (10 Uhr) aufgerufen, die geplante Aufspaltung des Stuttgarter Konzerns zu billigen.

Daimler Trucks soll sich durch die Aufspaltung besser entfalten können.
Daimler Trucks soll sich durch die Aufspaltung besser entfalten können.  © Marijan Murat/dpa

Es geht darum, das große Lkw- und Busgeschäft von Daimler Truck aus dem Konzern herauszulösen und vor Weihnachten als eigenständiges Unternehmen an die Börse zu bringen.

Die außerordentliche Hauptversammlung wird wegen der Corona-Beschränkungen online stattfinden. Die Anteilseigner dürften dem von Daimler als historisch eingestuften Schritt mehrheitlich zustimmen, hieß es vor dem Treffen.

Schon länger wurde darüber debattiert, das Lkw-Geschäft in die unternehmerische Selbstständigkeit zu entlassen. Damit soll sich Daimler Truck als der nach eigenen Angaben weltgrößte Nutzfahrzeughersteller mit über 100.000 Mitarbeitern besser entfalten können. Experten erhoffen sich auch mehr Gewinne.

Angesichts des tiefgreifenden Umbruchs in der gesamten Branche und milliardenschwerer Investitionen in E-Fahrzeuge geht Daimler nun den Weg der Teilung.

Die Neuaufstellung mit neuen Firmen wird dem Vernehmen nach mit einem dreistelligen Millionenbetrag zu Buche schlagen. Angesichts von Wertsteigerungen der Unternehmen sei dies jedoch vertretbar, hieß es in Stuttgart.

Teile sollen an der Börse mehr wert sein

Der Daimler-Vorstandschef Ola Källenius (52) will die Aktionäre von seiner Idee überzeugen.
Der Daimler-Vorstandschef Ola Källenius (52) will die Aktionäre von seiner Idee überzeugen.  © Silas Stein/dpa

Daimler-Vorstandschef Ola Källenius (52) will den Anteilseignern das Trennungsvorhaben mit dem Codenamen "Fokus" erläutern. Die Inhaber von Daimler sollen über neue Aktien von Daimler Truck profitieren - schließlich rechnen sich Profi-Investoren aus, dass die beiden Teile an der Börse getrennt mehr wert sein werden als gemeinsam.

Fragen dürfte es bei dem Sondertreffen zur Zukunft der Autosparte geben. Sie ist zwar größer und ertragreicher als das Lkw- und Busgeschäft. Es gibt aber Befürchtungen, wonach das künftig einzeln geführte Pkw-Geschäft anfälliger für Übernahmeversuche werden könnte.

Die Sparte für Autos und Vans soll künftig als Mercedes-Benz Group AG geführt werden. Der Name Daimler AG für die bisherige Dachgesellschaft wird Anfang kommenden Jahres ganz verschwinden.

"Trucks standen im Konzern immer in der zweiten Reihe", sagte Autoexperte Ferdinand Dudenhöffer der dpa. Der Gewinner der Aufspaltung sei also die bisherige Nutzfahrzeugsparte. Die Dynamik von Daimler Truck sei seit einigen Monaten beeindruckend, resümierte der Experte.

Die Herausforderungen in der Branche seien groß - so sei das Zukunftsthema Autonomes Fahren für den Nutzfahrzeugsektor sogar noch wichtiger als für Personenwagen.

Update 11.56 Uhr: Knappheit von elektronischen Bauteilen spiele auch eine Rolle

Daimler-Vorstandschef Ola Källenius hat vor Aktionären für die geplante Aufspaltung des Autokonzerns geworben. Die Trennung des Auto- und Vangeschäfts von der Nutzfahrzeugsparte schaffe "Mehrwert für alle Seiten", sagte der Topmanager am Freitag bei der außerordentlichen Hauptversammlung. Das Treffen wurde wegen der Corona-Beschränkungen online veranstaltet.

Die künftig getrennten Unternehmen könnten Technologie- und Wachstumschancen besser nutzen. "Wir sichern bestehende Arbeitsplätze - und schaffen neue", versicherte Källenius. Das Autogeschäft unterscheide sich grundlegend von der Lkw-Sparte. Mit Blick auf den Übergang vom Verbrennermotor zu neuen Antrieben fügte er hinzu: "Bei Pkw steht die Batterie im Mittelpunkt. Bei Trucks spielt auch die Brennstoffzelle eine wichtige Rolle."

Die Nachfrage nach Fahrzeugen sei hervorragend. Wegen der Knappheit bei elektronischen Bauteilen könnten aber nicht alle Kunden pünktlich bedient werden. Der Mangel treffe die gesamte Industrie. «Wir arbeiten mit unseren Partnern daran, die Lage zu normalisieren. Aber auch nächstes Jahr wird der Halbleitermangel noch spürbar sein», sagte Källenius.

Es wird damit gerechnet, dass die Aktionärinnen und Aktionäre bei dem Treffen die Aufspaltung von Daimler mehrheitlich billigen werden. Anteilseigner von Daimler sollen durch neue Aktien von Daimler Truck profitieren - das Lkw-Geschäft wird den Plänen zufolge bis Weihnachten an die Börse gebracht.

Titelfoto: Marijan Murat/dpa

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