Volkswagen mit Ergebnissprung: Verkäufe liegen trotzdem im Keller

Wolfsburg - Um die Konzerngewinne muss sich Volkswagen keine Sorgen machen. Die Verkaufszahlen sind aber noch immer nicht da, wo sie sein sollen - vor allem auf dem wichtigen chinesischen Markt. Und der Ukraine-Krieg lässt die Unsicherheiten noch wachsen.

In der Bilanz vom ersten Quartal kann VW noch hohe Gewinne verzeichnen.
In der Bilanz vom ersten Quartal kann VW noch hohe Gewinne verzeichnen.  © Hendrik Schmidt/dpa

Der Automobilkonzern Volkswagen kann trotz Chipflaute und der Unsicherheiten rund um den Krieg in der Ukraine weiter hohe Gewinne einfahren.

Im ersten Quartal half die Bilanzierung von Rohstoffsicherungsgeschäften, mit denen sich die Wolfsburger gegen hohe Preisschwankungen wappnen, den Ergebnissen deutlich auf die Sprünge.

Problematisch bleibt nach wie vor der Verkauf von Fahrzeugen, der wegen fehlender Halbleiter stockt - auch wenn der Konzern bei den vollelektrischen Autos weiter kräftig wächst.

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Gleichzeitig macht Unsicherheit um die Lieferketten, auch wegen des russischen Kriegs in der Ukraine, den Wolfsburgern zunehmend Sorgen.

Der andauernde Krieg habe erhebliche Auswirkungen auf Wechselkurse und die Preisentwicklung an den Rohstoffmärkten, hieß es vorsichtig von VW. Außerdem seien erste Effekte auf die Lieferketten zu erkennen.

Verkaufszahlen in China besonders schlecht

Aufgrund der kritischen Corona-Situation standen drei chinesische VW-Werke wochenlang still.
Aufgrund der kritischen Corona-Situation standen drei chinesische VW-Werke wochenlang still.  © Ole Spata/dpa

Dabei belastet die Situation bei den fehlenden Halbleiterbauteilen die Produktion weiter deutlich. Im ersten Quartal lieferte VW weltweit nur 1,9 Millionen Fahrzeuge aus - gut ein Fünftel weniger als im Vorjahreszeitraum.

Im Heimatmarkt Westeuropa gingen die Auslieferungen um knapp 15 Prozent zurück. In China stand ein Minus von 23,9 Prozent zu Buche. Im weltgrößten Automarkt ist VW Marktführer, rund 40 Prozent der gesamten Konzernauslieferungen macht die Gruppe dort.

Als einen der Gründe für die schlechten Ergebnisse in China nannte Volkswagen die Pandemie-Beschränkungen durch Chinas Null-Covid-Strategie.

Der Konzern musste wegen der Lockdowns auch den Betrieb in Werken in Shanghai und in Changchun in Nordostchina aussetzen.

Die Corona-Welle wirke sich gerade in Regionen wie der Nordostprovinz Jilin, dem Jangtse-Delta oder Provinzen wie Shandong und Hebei aus, wo Volkswagen gewöhnlich viel verkaufe, hieß es in der Mitteilung.

Chips gehen primär an lukrativere Wagen

Aufgrund der Chipkrise kommt es bei der Lieferung von Neuwagen zu Verzögerungen.
Aufgrund der Chipkrise kommt es bei der Lieferung von Neuwagen zu Verzögerungen.  © Peter Kneffel/dpa

Weltweit sorgt die knappe Versorgung mit Neuwagen infolge der Chipkrise bei starker Nachfrage seit geraumer Zeit für lange Lieferzeiten am Markt für Privat- und Gewerbekunden. Das lässt die Preise steigen, sowohl bei neuen Pkw als auch bei Gebrauchtwagen. VW profitiert davon nicht nur mit dem Verkauf neuer Autos, sondern auch bei der Wiedervermarktung von Leasing-Rückläufern.

Außerdem versucht VW, die lukrativeren Autos von Porsche und Audi bevorzugt mit den verfügbaren Chips zu bestücken, um die Gewinne zu stützen. Bei Porsche lag der Rückgang bei den Auslieferungen im ersten Quartal dementsprechend nur bei knapp 5 Prozent, bei Audi waren es knapp 17 Prozent weniger Verkäufe. Die Auslieferungen der Kernmarke VW Pkw sackten dagegen um mehr als ein Viertel ab.

Auch die Elektroautos, auf die Konzernchef Herbert Diess VW für die Zukunft ausrichtet, werden bevorzugt mit den knappen Halbleitern ausgerüstet. Deren Verkäufe kletterten in den Monaten Januar bis März um 65 Prozent auf 99.100 vollelektrische Autos. In China, wo der Hochlauf der Batterieautos lange holprig verlief, lieferte VW mit 28 800 Elektroautos viermal so viel aus wie vor einem Jahr.

Den detaillierten Zwischenbericht zum ersten Quartal will VW am 4. Mai veröffentlichen.

Titelfoto: Bildmontage: Peter Kneffel/dpa, Hendrik Schmidt/dpa

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