Drohnen-Taxis könnten bereits Leben retten: Doch es gibt ein politisches Problem

München - Wenn in Ingolstadt bei Audi Schichtwechsel ist, ist auf den Straßen kaum noch ein Durchkommen. Das nervt nicht nur, sondern kann sogar Leben kosten. Denn die Apotheke des Klinikums Ingolstadt beliefert 14 weitere Krankenhäuser in der Region unter anderem mit dringend benötigten Spezialmedikamenten.

Ein Mitarbeiter des bayerischen Pilotprojektes "MEDinTime" hockt neben einer Drohne, die eilige Medikamente vom Krankenhaus Ingolstadt zu angeschlossenen Kliniken bringen soll.
Ein Mitarbeiter des bayerischen Pilotprojektes "MEDinTime" hockt neben einer Drohne, die eilige Medikamente vom Krankenhaus Ingolstadt zu angeschlossenen Kliniken bringen soll.  © Frederik Watzka/ Quantum-Systems/dpa

Der Leiter der Krankenhausapotheke, Peter Linhardt, setzt deshalb große Erwartungen in ein laufendes Pilotprojekt: Bis Ende 2022 sollen Drohnen die eiligen Medikamente ohne jegliche Staugefahr durch den Luftraum befördern.

Die Beteiligten liegen gut in der Zeit - doch es gibt Hürden, die sie selbst nicht aus dem Weg räumen können.

"Das Ziel ist eine bessere Patientenversorgung im Notfall ohne Verfall von teuren Arzneimitteln - und dadurch auch die Einsparung von Kosten", erläutert Linhardt. "Wenn etwa die Pfaffenhofener einen Unfallpatienten bekämen, und stellten fest, sie bräuchten innerhalb einer halben Stunde ein bestimmtes Medikament, könnten wir die Anfangsdosis per Flugdrohne sofort hinliefern."

Die Lösung soll das gut 1,5 Millionen Euro kostende Projekt "MEDinTime" bringen. Dessen Kernstück ist eine leistungsfähige Drohne und eine hoch komplexe Flugplanungssoftware.

"Unsere Drohnen sehen aus wie ein Segelflugzeug und fliegen auch so aerodynamisch und effizient, können aber zudem senkrecht starten und landen", schildert Claudia Steinhoff vom Hersteller Quantum-Systems. Im Bauch der Drohne ist eine spezielle, klimatisierte und vor unberechtigten Zugriffen geschützte Transportbox, die bis zu einem Kilo Ladung verträgt.

Wie sollen sich bemannte und unbemannte Luftfahrzeuge den Luftraum teilen?

Eine Drohne schwebt in Hamburg in der Nähe der Elbphilharmonie am Himmel. Auch in der Hansestadt gibt es Modellprojekte.
Eine Drohne schwebt in Hamburg in der Nähe der Elbphilharmonie am Himmel. Auch in der Hansestadt gibt es Modellprojekte.  © picture alliance / Axel Heimken/dpa

Bis zu 100 Kilometer kann die Drohne am Stück zurücklegen. Die genaue Strecke wird vorab am Computer bis ins Detail geplant: Wo sind Start und Ziel, wann geht die Drohne in den Reiseflug über, wo soll sie bewohntes Gebiet umfliegen?

"Wenn diese Flugroute einmal geplant ist, kann sie vollautomatisch gestartet werden. Der Pilot am Boden kann die Drohne aber nachverfolgen, bekommt jederzeit Informationen wie Energieverbrauch und Windgeschwindigkeit zurückgeliefert und kann auch sofort eingreifen, wenn es erforderlich ist", schildert Steinhoff.

Technisch sei das Projekt weit fortgeschritten, die anvisierten Probeflüge zwischen den Krankenhäusern Ingolstadt und Pfaffenhofen realistisch. Und doch dürfte es noch eine ganze Zeit dauern, bis aus dem Pilotprojekt ein flächendeckendes Versorgungsmodell wird.

Und das liegt an der Politik: "Es gibt aktuell noch keine finale technische, regulatorische oder kommunikative Lösung, wie sich bemannte und unbemannte Luftfahrzeuge den Luftraum teilen sollen", erläutert Steinhoff.

Im Klartext: Es besteht die Gefahr von Kollisionen. Nicht auszudenken, dass etwa eine Medikamenten-Drohne auf dem Klinikgelände mit einem landenden Rettungshubschrauber zusammenstößt. Die EU arbeitet zwar an Vorgaben, aber bis unbemannnte Flugobjekte in die Luftfahrt integriert sind, kann es noch dauern.

Derweil hat ein kalifornisches Start-up in den afrikanischen Ländern Ruanda und Ghana bereits ein funktionierendes Drohnen-System aufgebaut, mit dem die dortigen Kliniken mit Medikamenten, Impfstoffen und vor allem Blutkonserven beliefert werden.

Auch in Deutschland gab und gibt es schon ähnliche Projekte. Etwa in der Modellregion Hamburg, wo ebenfalls Drohnen Gewebeproben und Medikamente zwischen Krankenhäusern hin- und herbefördern.

Titelfoto: Frederik Watzka/ Quantum-Systems/dpa

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