Erste Städte verbieten Handys beim Gehen

Yamato (Japan) - Handys am Steuer sind in Japan schon lange tabu. Jetzt soll das Verbot auch auf Fußgänger in einer Stadt nahe Tokio ausgeweitet werden.

Auf japanischen Kreuzungen stoßen Personen verhältnismäßig oft aneinander. (Symbolbild)
Auf japanischen Kreuzungen stoßen Personen verhältnismäßig oft aneinander. (Symbolbild)  © Unsplash/Ratapan Anantawat

Laut japanischen Medien wurde bereits am 1. Juni im Stadtrat von Yamato ein Beschluss eingereicht, nachdem es bald verboten sein soll, während des Gehens auf das Smartphone zu schauen.

Die japanischen "Sputniknews" berichteten, dass sich in einem Zeitraum von fünf Jahren die Anzahl an Unfällen, die durch die Nutzung eines Handys verschuldet waren, um 40 Prozent erhöhten. 2790 derartige Unfälle gab es 2018.

Das Ziel der noch zu beschließenden Verordnung sei es daher, "der Gesellschaft das Bewusstsein zu vermitteln, dass Smartphones nur beim Stehen betrieben werden dürfen", soll es aus dem Rathaus heißen.

Gelten könnte die neue Verordnung bereits ab 1. Juli. Strafen soll es aber nicht geben. Die Japaner seien so diszipliniert, dass sie sich auch so an Gesetze halten, hieß es auf "Sputniknews".

Gespaltene Meinung über Gefahren von Handynutzung beim Gehen

Blick in eine U-Bahn in Tokio. Viele Japaner schauen auf ihre Handys.
Blick in eine U-Bahn in Tokio. Viele Japaner schauen auf ihre Handys.  © Unsplash/Liam Burnett-Blue

In Japen geht die Meinung über Handys im Straßenverkehr weit aueinander: "Sputniknews" führt zwei Umfragen an, wonach in der einen über 96 Prozent der Befragten Smartphones beim Gehen für gefährlich halten. In der anderen Umfrage sagten jedoch 40 Prozent, dass kein großes Risiko für Unfälle bestehe, wenn sie aufpassen würden.

Professor Masaki Kato von der Waseda-Universität sagte dem japanischen Medium, es brauche eine starke Gesellschaft für den Wandel. Das Problem bei der Handynutzung liege nicht am Einzelnen, sondern an der großen Menge, die momentan zu abgelenkt davon sei. 

Sein Kollege Emeritus Haga verglich die anstehende Verordnung mit dem Gesetz, dass es verbiete, beim Gehen zu rauchen. 

An diese Regel hielten sich fast alle Japaner, seit sie eingeführt wurde. Haga vermutet ähnliche Erfolge beim Laufen mit Handys.

Falls der Beschluss angenommen wird und sich in Yamato eine positive Entwicklung abzeichnet, könnten andere Städte in dem ostasiatischen Land nachziehen.

Teils saftige Strafen drohen auch in den USA und China

Beim Blick auf das Smartphone soll man nur noch 5 Prozent seiner Umgebung wahrnehmen können. Besonders kritisch wird das beim Gehen. (Symbolbild)
Beim Blick auf das Smartphone soll man nur noch 5 Prozent seiner Umgebung wahrnehmen können. Besonders kritisch wird das beim Gehen. (Symbolbild)  © Unsplash/Falaq Lazuardi

Yamato ist dabei nicht die erste Stadt, die etwas derartiges unternimmt.

"Sputniknews" berichtete weiter, dass es bereits auf der US-amerikanischen Insel Hawaii in der Stadt Honolulu verboten sei, auf das Smartphone zu schauen, während man läuft.

Dort gibt es jedoch Strafen und die haben es in sich: 35 US-Dollar (umgerechnet rund 31 Euro) werden beim ersten Vergehen fällig, 75 US-Dollar (etwa 67 Euro), wenn man ein zweites Mal mit Handy in der Hand erwischt wird und satte 99 US-Dollar (etwas mehr als 88 Euro) drohen beim dritten Verstoß.

Kurz darauf zog Montclair City im Bundesstaat Kalifornien nach. Dort ist es zudem verboten, Over-Ear-Kopfhörer zu tragen, wenn man sich im öffentlichen Raum bewegt.

In der chinesischen Stadt Jingxing werden für das Laufen mit Mobiltelefon in den Händen 5 bis 50 chinesische Yuan (umgerechnet 0,63 bis 6,30 Euro) fällig.

Titelfoto: Unsplash/Ratapan Anantawat, Unsplash/Falaq Lazuardi

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