Daddeln statt Däumchen drehen: Immer mehr Gamer sind Generation 60plus

Deutschland - Jeder, der schon einmal online gegen andere Gamer angetreten ist, kennt es: Egal, wie gut Du Dich einschätzt, irgendwo läuft immer ein 12-Jähriger rum, der Dich virtuell in den Boden stampft.

Altersübergreifend ist auch bei den Senioren die Geschlechterverteilung etwa 50/50. (Symbolbild)
Altersübergreifend ist auch bei den Senioren die Geschlechterverteilung etwa 50/50. (Symbolbild)  © 123RF/stylephotographs

Die Kids haben einen riesen Vorteil gegenüber der Konkurrenz, die dummerweise so nervigen Dingen nachgehen muss wie Geld verdienen: Sie haben furchtbar viel Zeit.

Die Welt des Gamings - sie gehört der Jugend. Noch. Denn nahezu unbemerkt erheben sie sich aus dem Schatten der digitalen Bedeutungslosigkeit und ziehen sich das Headset über die grauen Schläfen.

Und sie haben Zeit. Viel Zeit. Keine Arbeit, keine Schule, keinen Verein - oder zumindest deutlich weniger als einst. Und selbst den Evolutionsauftrag haben sie längst ad acta legen können: Senioren. Und ihre Zahl steigt.

Zugegeben, was die Reflexe betrifft, können sie nicht mit den mit fragwürdig schmeckenden Energiedrinks vollgepumpten jungen Hardcore-Daddlern mithalten, die sich über die Maps bewegen wie aufgeschreckte ADHS-Kaninchen auf Speed.

Aber das hält sie nicht auf. Wie der Verband der deutschen Games-Branche ("game") auf Basis von Daten der Marktforschungsunternehmen GfK ermittelt hat, sind allein in Deutschland mehr als 5 Millionen Gamer mindestens 60 Jahre alt. 

Im Vergleich zum Vorjahr ein Anstieg um 700.000 Nutzer. Sie machen damit 15 Prozent der Gamer in Deutschland aus. Tendenz steigend. Zum Vergleich: Die Altersklasse der 10 bis 19-Jährigen machte 2019 noch 16 Prozent aus. Das sind 2 Prozent weniger als noch vor 5 Jahren.

Die Gaming-Fans von früher werden älter

Statt altem Eisen werden die Gamer eher zu alten Hasen. (Symbolbild)
Statt altem Eisen werden die Gamer eher zu alten Hasen. (Symbolbild)  © 123rf/Viacheslav Iakobchuk

Damit steigt auch das Durchschnittsalter der Gamer weiter an. Dieses liegt - entgegen der empfundenen Wahrheit - nicht etwa im Teenageralter oder irgendwo zwischen 20 und 25 Jahren, nein. In Deutschland steht der durchschnittliche Zocker bei 37,5 Jahren.

Doch für die Fortnite-Kids und Warzone-Krieger gibt es gute Nachrichten. Auch künftig wird es vorerst wohl nicht ein Clan aus einem Seniorenstift sein, der Euch im Battle Royal Modus aus dem Pixel-Leben schießt. Die Senioren lassen es ruhiger angehen.

"Für viele Menschen ab 60 Jahren gehört eine virtuelle Runde Skat, eine Aufbausimulation oder ein Kreuzwort-Rätsel heute ebenso zum Alltag wie das Lesen der Tageszeitung oder das Schauen der Nachrichten", sagt "game"-Geschäftsführer Felix Falk. 

"Games sind dabei für ältere Menschen häufig der Türöffner zur digitalen Welt. Sie unterhalten nicht nur, sondern ermöglichen auch digitale Teilhabe. Nicht zuletzt in der aktuellen Corona-Krise zeigt sich, wie wichtig auch für ältere Menschen ein Zugang zur digitalen Welt ist."

Es hält sich dabei übrigens - wie in allen Altersschichten der rund 34 Millionen Gamern in Deutschland - die Waage, ob Männlein oder Weiblein das Game starten. Der Grund dafür, warum die Senioren auf dem Vormarsch sind, dürfte wenig überraschen: Videospiele starteten ihren kommerziellen Siegeszug Mitte der 80er. 

Das dafür symbolisch stehende NES (Nintendo Entertainment System) beispielsweise hatte seinen Release in Europa 1986. Also vor 34 Jahren. Damals waren ein heute 60-Jähriger gerade einmal 26. Die Daddler werden älter - die Lust am Zocken bleibt oft erhalten. 

Titelfoto: 123RF/stylephotographs

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