Assassin's Creed Valhalla im Test: Grandiose Wikinger-Action, wenn man sich darauf einlässt

Stuttgart - Die Wikinger sind los! Mit dem Release der neuen Konsolengeneration erschien mit "Assassin's Creed Valhalla" auch einer der ersten namhaften Spiele-Blockbuster auf dem Markt. Doch das Game spaltet die Kritiker stark. Während einige fast ausschließlich begeistert sind, trauern andere verpassten Möglichkeiten hinterher. TAG24 hat sich für Euch ebenfalls nach Norwegen und England begeben.

Als Hauptcharakter Eivor (auf dem Bild in der weiblichen Variante) versuchen wir, für unseren Rabenclan in Englaland eine neue Heimat zu finden und diese notfalls zu erobern.
Als Hauptcharakter Eivor (auf dem Bild in der weiblichen Variante) versuchen wir, für unseren Rabenclan in Englaland eine neue Heimat zu finden und diese notfalls zu erobern.  © Ubisoft

Eivor ist ein Wikinger, der vermutlich bei vielen typische Klischees erfüllen dürfte: groß, muskulös, bärtig und mit Tattoos - eine personifizierte Kampfmaschine, immer für die nächste Rauferei zu haben. Auch seine Kumpanen, ob Männlein oder Weiblein, wirken imposant.

Doch so gut Eivors Charakter (der auch in der weiblichen Variante gespielt werden kann) gezeichnet ist, so "plump" ist der Einstieg ins Spiel. Als kleiner Junge erleben wir mit, wie unser Rabenclan überfallen wird und sich unsere Eltern für das größere Wohl opfern. Das kennen wir doch nur zu gut aus früheren Spielen, ein wenig mehr Kreativität wäre wünschenswert gewesen.

Nach einem Zeitsprung sind wir erwachsen und sinnen natürlich auf Rache gegen die früheren Widersacher. Unser Wunsch wird letztlich auch erfüllt; das Ganze entpuppt sich aber nur als Stein, der die eigentliche Story ins Rollen bringt.

Denn die, nennen wir es, politischen Entwicklungen in Nordvege (Norwegen) behagen Eivor und seinem Bruder Sigurd nicht, weshalb die beiden zusammen mit zahlreichen Clan-Anhängern aufbrechen, um eine neue Heimat zu finden - und vor allem zu erobern.

Das Ziel: Englaland (England und ja, die zusätzliche Silbe -la verstört und verzückt gleichermaßen) mit seinen vier nördlicheren Königreichen Wessex, Northumbrien, Mercia und Ostanglien. Und so viel sei verraten: Die Abenteuer, die wir dort erleben werden, dürfen definitiv besungen werden.

Bombastische Grafik, toller Soundtrack: Die Atmosphäre stimmt

Die grafische Inszenierung des Spiels kommt auf der neuen Konsolengeneration wunderbar zur Geltung.
Die grafische Inszenierung des Spiels kommt auf der neuen Konsolengeneration wunderbar zur Geltung.  © Ubisoft

Im heutigen Vereinigten Königreich angekommen geht einem regelrecht das Herz auf bei dem schönen Anblick: Das alte England mit seinen weiten Ländereien, großen Festungen und Klöstern sowie verwinkelten Seepassagen sorgt für Freudentränen bei jedem, der auf Erkundung steht. Doch egal ob auf der britischen Insel oder in Skandinavien: Die Grafik haut einen fast aus dem Gaming-Stuhl.

Auf der Xbox Series X und einem 4K HDR-Monitor getestet, genießen wir satte Farben, hochauflösende Details aller Charaktere und einen Blick in die Weite des Landes, der sich wirklich sehen lassen kann. Hier hat Ubisoft wie auch schon bei den Vorgängern ganze Arbeit geleistet.

Ebenfalls richtig stark gelungen: Der Soundtrack und die Atmosphäre des Spiels! Angefangen bei der mystischen Menümusik, über das Treiben im Langhaus bis hin zu Liedern bei Bootsfahrten fühlt man sich regelrecht in das Spiel "hineingesaugt" und kann schon einmal vergessen, dass man selbst keine Axt im Gurt stecken hat - was zumindest bei Otto-Normal-Zockern unter Wohnzimmer-Bedingungen der Fall sein dürfte.

Außerdem haben sich die Entwickler die Kritik der Community zu Herzen genommen und Attentate, die aus dem Verborgenen heraus vollzogen werden, bei den meisten Gegnern wieder tödlich gemacht. Damit wird gut geplantes lautloses Stealth-Vorgehen belohnt und ergibt Sinn.

Assassin's Creed Valhalla kämpft der riesigen Erwartungshaltung

Wikinger sind für ihren furchtlosen und brachialen Kampfstil bekannt.
Wikinger sind für ihren furchtlosen und brachialen Kampfstil bekannt.  © Ubisoft

Doch es gibt leider auch ein paar Dinge, die den Spielspaß etwas trüben. So bedarf es noch den ein oder anderen Patch, um die Bugs zu beheben, die ab und an ziemlich nervig sein können.

Wikinger-Kollegen, die bei Plünderungen an Computergegnern vorbeirennen, als wären diese nicht da und diese wiederum selbst meinen, sie müssten sich nicht vom Fleck bewegen - unschön. Plötzliche Spielabstürze beim Reiten oder ein Feind, der nicht besiegt werden kann, weil er in einem Stein steckt - muss nicht sein.

Aber auch abseits der technischen Probleme kann man sich zum Beispiel über manche Aktivitäten in der offenen Spielwelt aufregen, die sowohl im Design sehr unmotiviert wirken als auch oft keine nennenswerte Belohnung mit sich bringen. Darüber hinaus hätten einige Charaktere schöner und vor allem tiefgründiger gezeichnet werden können.

Fazit: Während es von der Gamestar einiges an Haue für den neuesten "Assassin's Creed"-Ableger gab, freute sich der Spiegel über eine gute Story, die am Anfang etwas Zeit zur Entwicklung braucht und mit typischen Wikinger-Klischees aufräumt. Ich habe mir für den Test von "Valhalla" bewusst Zeit gelassen, um mich vom anfänglichen Hype und ersten Bugs nicht zu einer voreiligen Meinung verleiten zu lassen.

Mir persönlich gefällt das Spiel wirklich gut, wenn ich über die erwähnten Probleme hinwegsehe, von welchen zumindest die technischen bald der Vergangenheit angehören dürften. Ich finde, der Schlüssel zum wahrhaftigen Genuss von "Assassin's Creed Valhalla" liegt darin, es als Einzelwerk zu betrachten und nicht ständig gegen seine Vorgänger aufzuwiegen, vor allem gegen die beiden jüngsten "Origins" und "Odyssey" - so schwer das für einen Liebhaber der Serie auch ist.

Gelingt dies, spielt man ein tolles Spiel, das dem Start der neuen Konsolengeneration definitiv würdig ist.

Titelfoto: Ubisoft

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