Kalter Krieg im Wohnzimmer: Call of Duty sprengt die Erwartungen ... zum Teil

Deutschland - November. Traditionell der Monat, in dem die Gaming-Community kollektiv im Flecktarn-Schlüpper vor dem Monitor sitzt. 

Neue Maps, neue Modi. Die Karten-Auswahl könnte größer sein, doch die neuen Varianten sind ein willkommener Schritt.
Neue Maps, neue Modi. Die Karten-Auswahl könnte größer sein, doch die neuen Varianten sind ein willkommener Schritt.  © Treyarch/Raven Software/Activision

Das hat weniger mit den "Salut to service"-Aktionen in den USA - beispielsweise der NFL - zu tun, nein, in diesem Monat erscheint in der Regel ein neuer "Call of Duty"-Titel.

Und weil bekanntlich 2020 bisher so dufte lief, hat man sich heuer gleich für den Freitag, den 13. entschieden. Ein Vorzeichen? Um im popkulturellen Jargon zu bleiben: "Keine Panik!"

Mit "Call of Duty: Black Ops - Cold War" erscheint nicht nur der Titel mit dem längsten Namen des Gaming-Franchises, man darf sich auch über die wohl beste Kampagne seit vielen Jahren freuen. Erscheinen wird der Ego-Shooter von Treyarch und Raven Software für PC, PS4, PS5, Xbox Series X/S und Xbox One.

Die Kampagne ist das heimliche Highlight und befördert den bei vielen in den letzten Jahren eher belächelten Modus zum Kaufargument. Während man viel zu lange das Gefühl hatte, einfach nur neue Mehrspieler-Maps für den Vollpreis zu bekommen, wird man dieses Mal in "Cold War" endlich wieder in eine filmreife Erzählung geworfen. Und damit sind wir auch gleich beim Setting der Geschichte: dem Kalten Krieg.

Dieser diente in dem Story-Mode zwar als historische Vorlage, die Geschehnisse sind jedoch größtenteils frei erfunden. 

Ein sowjetischer Terrorist bedroht die westliche Welt

Der Einsatz-Fädenzieher von der CIA, Russel Adler (l.), will dem sowjetischen Agenten "Perseus" das Handwerk legen.
Der Einsatz-Fädenzieher von der CIA, Russel Adler (l.), will dem sowjetischen Agenten "Perseus" das Handwerk legen.  © Treyarch/Raven Software/Activision

Als wichtige Figur der Handlung lenkt der CIA-Mann Russel Adler - der optisch stark an die Figur "Nathan D. Muir" (Robert Redford in "Spy Game") erinnert - die Entwicklung der Erzählung.

Er möchte dem gefährlichen sowjetischen Terroristen mit dem Codenamen "Perseus" das Handwerk legen und wird so zum wichtigen Strippenzieher am Beratungstisch von US-Präsident Ronald Reagan und als Einsatzleiter an der Front. 

Ein Team von echten Kampf-Profis muss also her. Und Du bist einer davon. Aber nicht allein, denn hier sorgen die Entwickler bereits für einen schönen "Ui, ui, ui"-Effekt. Denn neben der britischen Agentin Helen Park gesellen sich noch die "Black Ops"-Charaktere (der in dieser Welt mutmaßliche Kennedy-Attentäter) Alex Mason, Frank Woods und Jason Hudson hinzu. Die Kampagne ist eine klare Fortsetzung des ersten Black-Ops-Teils.

Diesen Modus zu spielen ist schon fast ein Pflichtprogramm. Denn mit dem, was im vergangenen Jahr "Modern Warfare" im Story-Telling vorgelegt hat, kann die Geschichte in "Cold War" locker mithalten. Um nicht zu sagen, noch eine Schippe drauflegen.

Aber ja, ist schon klar. Ihr wollt doch eigentlich wissen, ob der Multiplayer kickt, oder? Nun, das Rad kann man nicht neu erfinden, soviel ist klar. Dennoch liefert auch dieser Titel wieder richtig nette Features, die ein taktisches Umdenken und neue Vorgehensweisen mit sich bringen (können).

Vom VIP zum Zombie - Hauptsache es knallt

Was eine Pandemie oft mit den Leuten anstellen kann, ist schon manchmal bemerkenswert.
Was eine Pandemie oft mit den Leuten anstellen kann, ist schon manchmal bemerkenswert.  © Treyarch/Raven Software/Activision

Neben den bereits bekannten und beliebten Hau-drauf-Abschnitten wie "Team-Deathmatch", "Herrschaft" oder "Frei für alle" haben sich die Entwickler etwas Neues einfallen lassen.

Die beiden Modi "Rückkehr von Kontrolle" und "VIP-Eskorte" werden vermutlich viele Neugierige auf die Server locken.

Vor allem Letzteres ist als CoD-Variante eines Schachspiels eine zu begrüßende Abwandlung. Einer aus dem Team wird zum VIP - alle anderen müssen ihn beschützen. Oh, und natürlich darf auch ein Zombie-Modus nicht fehlen. Der große Nachteil: Die Anzahl der Multiplayer-Maps könnte - auch wenn sie stellenweise schon wirklich verdammt gut aussehen - deutlich größer sein. Die Operator aus den "Cold War"-Seasons werden übrigens auch künftig im Battle-Royale-Game "Warzone" ihren Platz finden.

Fassen wir also zusammen: Wer einfach nur gerne auf Mehrspieler-Karten rumrennt und Gegner mit einem gezielten Liebesgruß aus der Sniper in die Respawn-Hölle (oder den Gulag) verdammen möchte, der muss nicht panisch zum nächsten Händler eilen. Der aktuelle Franchise-Soft-Reboot "Modern Warfare" reicht weiterhin aus und ist auch (noch?) eine Spur besser. Zumal auch die Steuerung im Vorgänger-CoD angenehmer wirkt.

Was jedoch die Kampagne betrifft, so muss man ganz klar sagen, dass sowohl Setting, Pacing als auch Story ein absolutes Kaufargument sind. Wer es damit eher nicht so hat, sollte dieses Mal dem Ganzen durchaus mal eine Chance geben. Verdient hätte es "Call of Duty: Black Ops - Cold War" auf jeden Fall.

Titelfoto: Treyarch/Raven Software/Activision

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