Endlich 18! "Call of Duty: Vanguard" bringt realen Spaß am fiktiven Krieg filmreif zurück

Deutschland - Für Freunde der gepflegten Bevölkerungsreduktion hat nun der schönste Gaming-Monat begonnen: Traditionell werden um den November wieder neue Schlachtfelder besiedelt und wir starten unsere Test-Reihe mit "Call of Duty: Vanguard".

Altbau-Charme in Berlin - für Bastler: Die Multiplayer-Maps bieten jedem Spielertyp wieder die Chance, seine Vorlieben und Stärken vielseitig umzusetzen.
Altbau-Charme in Berlin - für Bastler: Die Multiplayer-Maps bieten jedem Spielertyp wieder die Chance, seine Vorlieben und Stärken vielseitig umzusetzen.  © Screenshot/Activision/privat

Seit dem Wochenende ist der neueste Titel der First-Person-Shooter-Serie auf den Verkaufs-Plattformen und in Geschäften zu ergattern.

Nachdem "CoD: Black Ops - Cold War" endlich mal wieder eine brauchbare Kampagne im Gepäck hatte, durfte man natürlich gespannt sein, was die Vorhut (engl.: "Vanguard") zu bieten hat.

Die Inszenierung ist schon sehr Hollywood-angehaucht. Das Intro ist musikalisch auffällig nah an "The Terminator" angelehnt und die Operator werden so übertrieben heldenhaft vorgestellt, dass Michael Bay Freudentränen in den Augen hätte.

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Eines vorweg: Der Story-Modus macht vieles richtig (auch wenn die Geschichte alles andere als tiefgründig ist), die Musik-Kompositionen sind beinahe oscarreif, die Charaktere sind gut geschrieben, die Szenen wirken teilweise wie Blockbuster-Kino und die Schauplätze sorgen für die nötige Abwechslung.

Vor allem die Licht-Schatten-Stimmungen der detailreich inszenierten Schauplätze dürften in Sachen Ästhetik am Rest der CoD-Reihe vorbeiziehen.

An den Agenten-Thriller aus "Black Ops", der stellenweise an den Film "Spy Game" erinnerte, knüpft man hier aber nicht mehr an, sondern orientiert sich wieder an den simplen Kriegsfilm-Szenarien.

Hollywoodreife Kampagne mit verpassten Chancen

Zweite Kasse, bitte! Der Trupp macht sich im Multiplayer bereit, das renovierungsbedürftige "Haus" der gleichnamigen Map mit roter Farbe zu streichen.
Zweite Kasse, bitte! Der Trupp macht sich im Multiplayer bereit, das renovierungsbedürftige "Haus" der gleichnamigen Map mit roter Farbe zu streichen.  © Screenshot/Activision/privat

Wie bereits im Vorgänger-Titel macht man in "Vanguard" - trotz der einfältigen Story - erneut klar, warum einem bei optionalen Single-Player-Kampagnen kein anderes Spiel so leicht das Wasser reichen kann:

Eine solide aufgebaute Handlung, Figuren, deren Entscheidungen man nachvollziehen kann und cineastisch überzeugende Darbietungen machen den Titel vom Bodenkrieg bis zur Luftschlacht zum vielleicht besten Kampagnen-Erlebnis auf dem Markt.

Woran es wieder mal etwas hakt, ist die Synchronisation. Ein Hörbuch-Sprecher, der ein Rezept zur Herstellung von naturbelassenem Kräuter-Shampoo vorliest, scheint an manchen Stellen - vor allem bei den Nebenfiguren - mehr Herzblut in sein Projekt legen zu dürfen. Dürfen die Künstler die Szenen im Handlungskontext überhaupt noch sehen oder sagt man denen nur noch: "Sprich das jetzt mal voll so böse irgendwie"?

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Mal wieder: schade. Dafür, dass Deutschland weltweit als Vorbild für Synchro-Kultur zählt, lässt man hier erneut viel Spielraum ungenutzt. Davon abgesehen wäre es jedoch unfair, der Kampagne nicht einen hohen Spaß-Faktor zu attestieren.

Tatsächlich muss man jedoch an mehreren Stellen künftig nachjustieren. Die Schraubzwinge zeitnah jedoch ansetzen sollte man im Multiplayer.

Unüberwindbarer Tisch verdammt einen zum Campen

Zwischen Chaos und Ordnung bieten die Maps im Multiplayer Abwechslung und jede Menge Chancen, überraschend auf Gegner zu treffen.
Zwischen Chaos und Ordnung bieten die Maps im Multiplayer Abwechslung und jede Menge Chancen, überraschend auf Gegner zu treffen.  © Screenshot/Activision/privat

So klitschte beim ersten Anspielen auf der PlayStation einmal die Handgranate in eine fragwürdige Flugbahn und der eigene Charakter blieb ein anderes Mal in der Ecke an einem unüberwindbaren Holztisch hängen. Zum Campen verdammt. Erfahrungsgemäß wird's aber der nächste Patch wohl richten.

Ansonsten ist der Multiplayer wie gewohnt. Zusätzlich kann man dort absahnen, wenn man zum Sieger-Team-VIP gewählt wird.

Beste Abschuss-Todes-Bilanz, die meisten Kills insgesamt oder als Profi in Sachen Blitz-Lobotomie (also "meiste Kopfschüsse") können da einen beispielsweise ins Ranking bringen.

Auch bietet der neue Spielmodus "Champion Hill" Suchtpotenzial: Acht Teams mit je 2-3 Spielern und zwölf Leben pro Gruppe könnten zum neuen Streamer-Hit und Buddy-Standard werden, bei dem der berühmte Netflix-Effekt greift: "Ach komm, eine Runde geht noch."

Fazit: Bei Call of Duty bekommt man, was man erwartet. Dennoch erfindet sich die Marke immer wieder ein bisschen neu und Sledgehammer Games hat mit diesem Ableger den Aufwärtstrend erfolgreich fortgeführt.

Für das Gesamtpaket vergeben wir an dieser Stelle absolut faire 8/10 Sprengfallen. Erhältlich ist der 18. Teil der CoD-Reihe auf Microsoft Windows, PlayStation 4, PlayStation 5, Xbox One und Xbox Series X/S.

Titelfoto: Screenshot/Activision/privat

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