"Demon's Souls" im Test: Sterben war noch nie so schön!

Boletaria - Elf Jahre ist es her, seit ein kleiner, bis dato nischiger Titel in Japan auf sich aufmerksam machte: "Demon's Souls" von From Software verzichtete auf einfache Kämpfe und langweilige Spieldurchgänge ohne Herausforderung und schickte die Zockergemeinde in eine Welt voller bösartiger Kreaturen, die Euch im Handumdrehen die Lichter auspusten können. Geboren war das Soulslike-Genre, dessen Siegeszug bis heute andauert. Zum Launch der Playstation 5 verpassen die Remake-Experten von Bluepoint dem angestaubten Klassiker ein Remake. Und eines ist sicher: Sterben war noch nie so schön!

Diese nette Spinne ist einer der ersten größeren Bosse des Spiels. Neben lähmenden Spinnenfäden beschießt sie Euch auch gern mit Feuer.
Diese nette Spinne ist einer der ersten größeren Bosse des Spiels. Neben lähmenden Spinnenfäden beschießt sie Euch auch gern mit Feuer.  © Jochen Faerber/Sony

Was haben Genichiro Ashina aus "Sekiro", der Waisenknabe von Kos aus "Bloodborne" und Lady Okasabe aus "Nioh 2" gemeinsam? Sie alle haben mir über die Jahre kräftig den Hintern versohlt und ich habe es geliebt!

Bevor Ihr jetzt allerdings kopfschüttelnd den Artikel schließt, lasst mich kurz erklären, dass es vielen Gamern so geht, die dem Soulslike-Genre mehr oder weniger verfallen sind.

Das Prinzip der meist von Entwicklerschmiede From Software ins Leben gerufenen Spiele ist immer gleich. Als eigentlich vollkommen unterlegener Held wird man in eine Welt geworfen, die alles daran setzen wird, Euch umzubringen.

Tiefe Abgründe ohne Wiederkehr, turmhohe Bosse, die Euch einfach zerquetschen oder auch einfach mal ein eigentlich leichter Kontrahent, der Euch auf dem falschen Fuß erwischt und mit zwei gezielten Schlägen ins Jenseits schickt. Das ist die Formel für Soulslike-Spiele.

Unfair ist das jedoch nie. Erfahrungspunkte oder Seelen lassen Euch stärker werden, Ausrüstung ist aufrüstbar und die teils gigantischen Bosse haben alle Schwachpunkte, die man mit etwas Übung ausmachen kann. Jedes der Spiele ist also schaffbar und jeder Erfolg fühlt sich auch tatsächlich so an, weil man eben nicht einfach jeden Gegner im Vorbeigehen umnieten kann.

Genau dieser Faktor löst irgendwann eine gewisse Faszination aus, der auch ich seit "Dark Souls" verfallen bin. Da ich aber genau mit eben genanntem Titel in das Genre eingestiegen bin, zählt "Demon's Souls" von 2009 noch nicht zu meinem Spielerepertoire. Mit dem Remake der Experten von Bluepoint ändert sich das nun endlich.

Das fühlt sich alles sehr vertraut an

Grafisch geht der feuchte Traum der Soulsborne-Gemeinde endlich in Erfüllung. Eines der From-Software-Meisterwerke sah noch nie so schön aus.
Grafisch geht der feuchte Traum der Soulsborne-Gemeinde endlich in Erfüllung. Eines der From-Software-Meisterwerke sah noch nie so schön aus.  © Jochen Faerber/Sony

Ein paar Minuten Spielzeit reichen schon, um live mitzuerleben, was die vielen Trailer zum Spiel bereits im Vorfeld zeigten. "Demon's Souls" sieht einfach wahnsinnig gut aus. Das alte, verfluchte Königreich Boletaria ist an allen Ecken und Enden gespickt mit Details. Ehrfürchtig steht man vor den großen Mauern eines Schlosses, während ein bedrohlicher roter Drache Reihen von Gegnern mit einem großen Flammenstrahl den Garaus macht.

Stehenbleiben sollte man nicht, denn das Biest macht keinen Unterschied zwischen Euch und Euren Feinden. Generell ist genretypisch Vorsicht geboten, denn der Tod lauert hinter jeder Ecke.

Spielerisch fühlen sich Veteranen sofort heimisch. Es gibt einen "sicheren Ort", an dem man von Feinden gewonnene Seelen gegen Levelaufstiege oder Ausrüstung tauschen kann.

Ein Schmied macht Eure Waffen zurecht, ein Magier lehrt Euch das Zaubern und mehrere Pfeiler weisen den Weg in fünf verschiedene Welten.

Das unterscheidet "Demon's Souls" zum Beispiel von "Dark Souls" oder "Sekiro": Die Welt ist nicht zusammenhängend, sondern eben in einzelne Gebiete ähnlich wie bei "Nioh" aufgeteilt, die Ihr frei nach Wahl besuchen könnt. Die Stärke der Feinde ist dabei so gewählt, dass es nicht ratsam ist, erst eine Welt komplett abzuschließen und dann zur nächsten zu wandern. Eher sollte man in jedes Level erst einmal reinschnuppern.

Sonst ist sehr vieles gleich: Sterbt Ihr, was sehr oft passieren wird, liegen Eure gesammelten Seelen am Ort Eures Todes. Ihr habt die einmalige Gelegenheit, Euer Gut wiederzuerlangen - stirbt man allerdings bis dahin, sind die Seelen weg. Im Kampf selbst stehen starke und schwache Schläge zur Auswahl. Zum Ausweichen ermöglicht das Spiel nun eine Rolle in acht statt wie im Original in vier verschiedene Richtungen.

Blocken mit einem Schild und eine darauffolgende Konterattacke erweisen sich auch in "Demon's Souls" als effektives Mittel. Dennoch: Die Vielzahl an unterschiedlichen Feinden verlangt fast bei jedem Gegnertyp eine andere Taktik. Geschenkt wird Euch in jedem Fall nichts.

Ein atmosphärisches Meisterwerk

Der Nexus ist der einzige wirklich sichere Platz im Spiel. Hier könnt Ihr zum Beispiel aufleveln und beim Schmied Waffen aufrüsten.
Der Nexus ist der einzige wirklich sichere Platz im Spiel. Hier könnt Ihr zum Beispiel aufleveln und beim Schmied Waffen aufrüsten.  © Jochen Faerber/Sony

Was mich allerdings gestört hat, waren die teils viel zu weit entfernten Rücksetzpunkte.

Wenn mich zum Beispiel der Turmritter-Boss mit einem gezielten Schildtreffer zum Ableben gezwungen hat, ist es nicht so toll, immer wieder circa sieben Minuten lang eine endlos lange Brücke mit Feinden, einem feuerspeienden Ungetüm und bösen Fallen entlang zu laufen, um noch einmal gegen ihn anzutreten. Das wirkt dann weniger schwierig, sondern mehr nervig.

Auch die Kamera machte gerade in engen Räumen mit fokussierten dicken Bossen manchmal Probleme. Durch ein Kameraproblem sterben, obwohl der eigentliche Kontrahent machbar ist? Auf derlei Frust-Momente hätte ich gern verzichten können.

Abseits dieser beiden Faktoren ist mir allerdings nichts wirklich Großes aufgefallen, was man am "Demon's Souls"-Remake aussetzen kann.

Egal in welchem Level man sich befindet, was atmosphärisch dargeboten wird, ist absolute Spitzenklasse in diesem Genre. Das Gefühl des einsamen Kämpfers in einer düsteren, vom Verfall bedrohten Welt geht so dermaßen elegant in Mark und Knochen des Spielers über, dass man im echten Leben beim Spazierengehen im Park bei jedem vorbeilaufenden Hund gern die Ausweichrolle imitieren möchte.

Man könnte tatsächlich noch so viel über dieses Meisterwerk schreiben, doch letztendlich sollte jeder glückliche Besitzer einer Playstation 5 ernsthaft darüber nachdenken, auch ohne Vorerfahrung mit diesem Genre diesem Spiel eine Chance zu geben. Wirft man nicht gleich beim ersten Boss das Handtuch und lässt sich darauf ein, wird es sich auf jeden Fall lohnen!

Das alte Königreich Boletaria strotzt nur vor Detailreichtum. Oft ist man gezwungen ehrfürchtig stehenzubleiben, auch aus Angst natürlich, dass einer der gefürchteten Drachen direkt hinter der nächsten Ecke Feuer nach Euch speit.
Das alte Königreich Boletaria strotzt nur vor Detailreichtum. Oft ist man gezwungen ehrfürchtig stehenzubleiben, auch aus Angst natürlich, dass einer der gefürchteten Drachen direkt hinter der nächsten Ecke Feuer nach Euch speit.  © Jochen Faerber/Sony

Fazit:

Chapeau, Bluepoint Games! Die Meister der Remakes haben es wieder einmal geschafft, einem Klassiker ein neues feinpoliertes Gewand zu verpassen. "Demon's Souls" sieht wahnsinnig gut aus, ist atmosphärisch eine absolute Bombe und fesselt über die gesamte Spielzeit von 50 bis 80 Stunden mindestens genau so sehr an den Controller, wie seine berühmten Schwestern und Brüder des gleichen Genres. Immer wieder taucht ein größerer Boss auf, der Euch mit einem Hieb zurück in den Nexus schicken kann und trotzdem packt einen immer wieder der Wille, den Giganten erneut anzugehen.

Gestört haben leider etwas die Rücksetzpunkte, die teils recht weit von Bossen gesetzt sind. "Bluepoint" wollte sich aber wohl sehr genau an die Vorlage halten, was in diesem Fall vielleicht keine so gute Idee war. Sieht man ansonsten von den gelegentlichen Kameraproblemen ab, ist "Demon's Souls" nicht weniger als ein Meisterwerk, das selbst für Nichtkenner des Genres eine Überlegung wert sein sollte. So fängt die Next-Gen-Ära direkt mit einem Feuerwerk an.

Titelfoto: Jochen Faerber/Sony

Mehr zum Thema Gaming:


WhatsApp Wir bei WhatsApp: 0160 - 24 24 24 0