"Disaster Report 4" im Test: Ein Spiel wird seinem Namen gerecht. Leider!

Deutschland - Was spielt man am besten, wenn die Welt von einer Pandemie befallen wird? Richtig. Spiele über Naturkatastrophen.

Das Spiel sollte 2011 auf den Markt kommen. Grafisch erkennt man das auch noch.
Das Spiel sollte 2011 auf den Markt kommen. Grafisch erkennt man das auch noch.  © Screenshot/Granzella Inc., Irem Software Engineering, Inc.

Eine davon ist "Disaster Report 4", was jetzt digital und haptisch zu erwerben ist. Und ja, der Satz war genau so beabsichtigt, auch wenn "Erdbeben" inhaltlich korrekter gewesen wäre. Denn darum geht es in diesem Spiel. Jedoch muss man fair bleiben: Das Game scheint ohnehin verflucht zu sein.

Eigentlich sollte es 2011 auf den Markt kommen. Logischerweise zu diesem Zeitpunkt für die PlayStation 3 und sagen wir es mal so: An der Grafik lässt sich diese Ära auch noch gut zuordnen. Denn das Spiel sieht nicht so aus, als wäre es für die aktuelle Generation gedacht gewesen. 

Doch der belesene Gaming-Fan erkennt hier schon die ersten Zusammenhänge. 2011? Japan? Da war doch was. Korrekt. Ein Erdbeben, ein daraus resultierender Tsunami und eine Kettenreaktion, mit der Nuklearkatastrophe von Fukushima an der Spitze, waren keine guten Voraussetzungen für das japanische Entwicklerstudio Granzella, ein Spiel aus der Reihe "Disaster Report" auf den Markt zu bringen.

Okay, in Asien kennt man das Spiel eher unter dem Namen "Zettai Zetsumei Toshi", aber die Begebenheiten sind eben doch zu sehr an der Realität gewesen. Sieben Jahre später sollte es erst auf den Markt kommen dürfen - in Japan. Zwei weitere Jahre später auch in den westlichen Ländern. Und damit steigen wir ein in die Welt der Katastrophen.

Vollpreis für veraltete Grafik und Technik

Häuser und Straßenabschnitte stürzen ein, um dein Bewegungsfeld einzugrenzen.
Häuser und Straßenabschnitte stürzen ein, um dein Bewegungsfeld einzugrenzen.  © Screenshot/Granzella Inc., Irem Software Engineering, Inc.

Kleiner Minuspunkt vorweg: Eine Synchronisation gibt es nicht. Die Tonspuren sind im Original, lediglich die Untertitel und Optionsauswahlen wurden übersetzt. Auf Englisch. Wer also damit nicht so fit ist (es gibt seeeehr viel zu lesen), der kann sich den 60-Euro-Vollpreistitel sparen. Ihr Glücklichen.

Generell ist zu befürchten, dass dieser Titel ohnehin nur bei Genrefans auf Akzeptanz stoßen wird. Man muss im Endeffekt nur rumlaufen und lesen, auf eine halbwegs tiefer gehende Story wurde völlig verzichtet, und man macht gefühlt permanent nur das gleiche: Man fragt jemanden, was er für ein Problem hat, hört es sich an, wählt dann aus seinen Antwortoptionen, was man erwidert - und schließlich hilft man der Person. Oftmals darin, andere Leute zu finden und dann mit denen zu sprechen. Jetzt ratet mal, wie lange so etwas spannend bleibt...

Vielleicht muss man einfach mit den entsprechenden Erwartungen an die Sache rangehen. Man lehnt sich entspannt zurück und läuft nach und nach seine Passanten ab, fragt, ob man ihnen helfen kann und sammelt dadurch seine Moralpunkte. Wären Technik und Grafik nicht so veraltet, könnte man vielleicht tatsächlich gefallen daran finden. Es ist wie ein Landwirtschafts- oder Flugsimulator: Man macht permanent das gleiche, aber es kann beruhigend sein.

Gut, ob das in ein Erdbeben-Szenario passt, das ja bei "Disaster Report 4 - Summer Memories" da ist, sei jetzt mal dahin gestellt. 

Nomen est omen: Ein Desaster

Kettenreaktion: Nach dem Erdbeben ist vor den Aufgaben.
Kettenreaktion: Nach dem Erdbeben ist vor den Aufgaben.  © Screenshot/Granzella Inc., Irem Software Engineering, Inc.

Die Aufgaben - und damit die Passanten, die meist wie inaktive Sims rumstehen und sich nicht vom Fleck bewegen - erscheinen manchmal auch extrem dumm.

Beispielsweise kann man einer verzweifelten Lehrerin helfen, ihre drei Studentinnen zu finden. Diese Lehrerin steht direkt neben dem Gebäude, in dem sich bereits zwei befinden. Dennoch steht sie erstmal stundenlang aus dem Bordstein und hält sich jammernd die Hände vors Gesicht. Auch die Soundeffekte sind in manchen Bereich so schlecht durchdacht, dass man besser den Ton ganz ausmacht und nebenbei einfach mal ein paar Podcasts laufen lässt. Man verpasst - versprochen - nichts.

Wenn man beispielsweise durch die eingekrachten U-Bahn-Stationen rennt, macht jeder - ich wiederhole: jeder - Schritt ein blechernes hallendes und im Verhältnis viel zu lautes Geräusch. Dieses monotone Krachen ist dem, des bis dahin entstandenen Pochens, im eigenen Schädel schrecklich identisch.

Fazit: Zusammenfassend betrachtet werden Fans der Serie vermutlich mit den Abstrichen leben können und dennoch ihren Spaß daran haben. Doch darüber hinaus gewinnt "Disaster Report 4 - Summer Memories" weder auf PC, Switch oder PS4 kaum neue Fans. In diesem Fall trifft das Motto "Nomen est omen" katastrophal passend zu.

Titelfoto: Screenshot/Granzella Inc., Irem Software Engineering, Inc.

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