Endlich wieder richtig gruseln: Tormented Souls lässt Silent Hill und Resident Evil wieder aufleben!

Leipzig - Bock auf einen nostalgischen Gruseltrip in die Vergangenheit? "Tormented Souls", das Werk des chilenischen Studios Dual Effect Games, bedient sich ganz klar an den Anfängen der "Resident Evil"-Reihe und übernimmt Komponenten der früheren "Silent Hill"-Vertreter gleich gänzlich mit. Ob gut abgekupfert auch gleichzeitig ein gutes Spiel bedeutet, erfahrt Ihr im Test.

In den Gängen des Wildberger Hospitals wartet so manch ehemaliger Patient darauf, Euch mehr oder weniger liebevoll in den Arm zu nehmen.
In den Gängen des Wildberger Hospitals wartet so manch ehemaliger Patient darauf, Euch mehr oder weniger liebevoll in den Arm zu nehmen.  © Dual Effect Games/PQube

Protagonistin Caroline Walker hat wirklich keinen guten Tag erwischt. Nachdem sie per Post ein mysteriöses Foto eines verschwundenen Zwillingspaars bekommen hat, begibt sie sich im vermeintlich verlassenen Wildberger-Hospital auf Spurensuche.

Noch keine zwei Minuten im Gebäude wird sie von hinten niedergeschlagen und findet sich später nackt und an diverse Geräte geheftet in einer verdreckten Badewanne wieder. Zu allem Übel wurde ihr auch noch ein Auge entfernt. Dumm gelaufen!

Ab hier startet Euer beschauliches Abenteuer. Wer Fan klassischer Genrevertreter wie "Resident Evil 1" oder "Silent Hill" ist, wird sich im alten Gemäuer wie zu Hause fühlen. Das Klinikum erinnert sehr an das alte Herrenhaus und die feste Kameraperspektive gibt Veteranen sofort das Gefühl, aus der Zeit gefallen zu sein.

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Ziel ist es natürlich, den seltsamen Ereignissen auf die Spur zu kommen. Dafür findet Ihr in den verschmutzten Räumen allerlei Akten, die auf eine tragische Vergangenheit hinweisen.

Immer wieder füttert Euch das Spiel mit kleinen Story-Schnipseln. Spätestens wenn der erste, leicht modifizierte Patient Euch nach dem Leben trachtet, wird das allerdings zur Nebensache.

Tormented Souls: Altbekannte Stärken, altbekannte Schwächen

Dieser nette Freund wurde an ein Krankenbett gekettet. Wahrscheinlich frustriert, lässt er Euch nicht vorbei und schlägt mit seinen Klingen zu, wenn Ihr ihm nahekommt.
Dieser nette Freund wurde an ein Krankenbett gekettet. Wahrscheinlich frustriert, lässt er Euch nicht vorbei und schlägt mit seinen Klingen zu, wenn Ihr ihm nahekommt.  © Dual Effect Games/PQube

Irgendjemand scheint sich einen Spaß daraus gemacht zu haben, die verbliebenen Kranken zu verstümmeln und in monströse, nach Blut dürstende Monster zu verwandeln. Zum Glück drückt Euch der örtliche Pfarrer, der verdächtig viel Freude in der dunklen Heilanstalt zu haben scheint, eine Nagelpistole in die Hand, mit der Ihr Euch zumindest verteidigen könnt.

Wer jetzt allerdings ein Actionfeuerwerk wie "Resident Evil 8" erwartet, ist an der falschen Adresse. Munition ist rar gesät, Feinde stehen selbst nach etlichen Treffern gerne noch einmal auf und Euer Ausweichrepertoire beschränkt sich auf einen kurzen Rückwärtsschritt, der ziemlich sperrig daherkommt.

Im Grunde genommen zeigt Euch das Spiel mit all seinen Facetten auf, dass Ihr nicht zum Kämpfen geboren seid. Da Ihr, ebenfalls ganz klassisch, nur speichern könnt, wenn Euch ein Tonband in die Hände fällt, wird jeder Kampf zum klaustrophobischen Nervenkitzel.

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In Kombination mit teils recht knackigen Rätseln, bei denen Ihr mehrmals auch erneut von einem Raum zum nächsten rennen müsst, kann das ganz schnell in Frust überschwappen. Das betrifft vielleicht gerade die jüngere Generation, die mit den alten Horrorschinken nicht groß geworden ist.

Wer sich allerdings nach all der neumodischen Action etwas alte Schule zurückwünscht, bekommt mit "Tormented Souls" genau das atmosphärische und ausladende Survival-Horror-Spiel, das er erwartet hat.

Die Rätsel von "Tormented Souls" sind oftmals recht knackig. Dieses kommt allerdings in die Riege "makaber". Verpasst dem Kollegen einen Elektroschock, damit er das wichtige Item aus seiner Hand freigibt.
Die Rätsel von "Tormented Souls" sind oftmals recht knackig. Dieses kommt allerdings in die Riege "makaber". Verpasst dem Kollegen einen Elektroschock, damit er das wichtige Item aus seiner Hand freigibt.  © Dual Effect Games/PQube

Fazit zu Tormented Souls

Wirklich Angst haben mir die teils seltsamen Gestalten aus "Tormented Souls" nie gemacht. Aber das haben die Zombies aus "Resident Evil 1" oder die grotesken Monster aus "Silent Hill" auch nicht. Es geht eher um das Gefühl, diesen widerlichen Kreaturen in einer beengten, mit zweifelhafter Kameraführung begleiteten Umgebung fast hilflos ausgeliefert zu sein.

Das bisschen Munition, das hier und da rumliegt, reicht kaum, um jeden irren Rollstuhlfahrer oder beinlosen Schnitter aus dem Verkehr zu ziehen. Aber genau darin liegt eben auch die Stärke. Mit nur noch drei Schuss im Gepäck wird jeder neue Raum des düsteren Klinikums zur Herausforderung. Steckt man dann auch noch in einem der teils verwirrenden Rätsel fest, wird einem schnell Angst und Bange.

Auch wenn sich das Werk des chilenischen Studios grafisch kein Bein ausreißt, das Speichersystem mindestens 20 Jahre veraltet ist und die Bewegungen teils so sperrig sind, als hätte man Caroline neben der Augenoperation auch noch einen Stock in den Hintern verpasst, liefert "Tormented Souls" trotzdem genau das, was sich viele alteingesessene Gruselfans lange gewünscht haben: Kompromissloses Überleben wie in längst vergangenen Tagen.

Titelfoto: Dual Effect Games/PQube

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