"Ghost of Tsushima" im Test: Ein würdiger Abschluss der großen PS4-Ära?

Leipzig - Mit "Ghost of Tsushima" liefern Sony und Entwickler Sucker Punch das letzte große Exklusivspiel für die PS4. Das Ende einer Ära, wenn man so will. Fragt sich nur: Wird der Titel dieser Rolle auch gerecht?

In "Ghost of Tsushima" sollt Ihr als junger Samurai Jin Sakai (r.) Eure Heimat, die Insel Tsushima, von den Mongolen befreien. Dabei werdet Ihr nicht nur mit einer feindlichen Übermacht, sondern auch den Folgen Eures Handelns konfrontiert.
In "Ghost of Tsushima" sollt Ihr als junger Samurai Jin Sakai (r.) Eure Heimat, die Insel Tsushima, von den Mongolen befreien. Dabei werdet Ihr nicht nur mit einer feindlichen Übermacht, sondern auch den Folgen Eures Handelns konfrontiert.  © Sony Interactive Entertainment/Sucker Punch

Dabei ist die Frage zumindest für mich als langjähriger PlayStation-Fan durchaus ernst gemeint. Immerhin wurde das Ende der PS3-Ära 2013 mit "The Last of Us" eingeleitet - einem Spiel, das heute weithin als Meisterwerk gilt und welches bis zum Release seines Nachfolgers Mitte Juni für viele als DER Standard in Sachen Storytelling galt.

Dies hier soll jedoch keineswegs zu einem Vergleich zwischen "The Last of Us" und "Ghost of Tsushima" werden. Denn auch wenn beide Titel ihre Rolle verbindet, die sie für ihre Konsole gespielt haben, hört es damit auch auf mit den Gemeinsamkeiten.

"Ghost of Tsushima" ist ein Open-World-Action-Adventure, das in Japan zur Zeit der ersten Mongolen-Invasion (etwa 1274) spielt. Als junger Samurai Jin Sakai erlebt Ihr die Erstürmung und Besetzung Eurer Heimat, der Insel Tsushima. 

Nachdem die verteidigenden Samurai bereits in der ersten Schlacht eine vernichtende Niederlage erlitten haben, ist es an Euch, Eure Heimat zu verteidigen und den Bewohnern zu helfen. 

Allein einer Übermacht gegenüber gestellt, muss Jin dabei immer mehr vom Weg des Samurai abweichen und zum namengebenden Geist von Tsushima werden.

Review zu "Ghost of Tsushima": Die Spielwelt ist eine Augenweide

Das Action-Adventure ist der letzte große Exklusivtitel, der für Sonys PS4 erscheint. Zum Abschluss dürft Ihr noch durch eine der schönsten Open Worlds streifen, die es je auf der Konsole zu sehen gab.
Das Action-Adventure ist der letzte große Exklusivtitel, der für Sonys PS4 erscheint. Zum Abschluss dürft Ihr noch durch eine der schönsten Open Worlds streifen, die es je auf der Konsole zu sehen gab.  © Sony Interactive Entertainment/Sucker Punch

Open-World-typisch überlässt Euch das Spiel zu großen Teilen, wie Ihr den entsprechenden Kampf gegen die Mongolen beschreitet. 

Ihr könnt strikt der Hauptstory folgen oder Euch erst einmal auf die Nebenquests stürzen, die Tsushima zu bieten hat. Vom Rekrutieren neuer Mitstreiter über das Erlernen mächtiger Techniken oder das Finden legendärer Ausrüstung bis hin zum Geschicklichkeits-Übungen mit Eurem Katana ist so ziemlich alles dabei, was man von einem Spiel in diesem Setting erwartet. Ihr könnt sogar die heißen Quellen der Insel entdecken, um in ihnen zu baden.

Im Gegensatz zu anderen Genrevertretern wie beispielsweise Assassin's Creed erscheint die Karte dabei nicht mit Icons überladen. Gleichzeitig geben Euch die Nebenmissionen und -Aufgaben immer wieder das Gefühl, einen wirklichen (mehr oder weniger großen) Einfluss auf das Spiel oder die Entwicklung Eures Charakters zu haben. 

Sogar die Bäder erhöhen Eure maximale Energie und Ihr erfahrt nebenbei noch, was gerade so im Inneren Eures jungen Kämpfers vor sich geht.

Die Story und ihre Figuren sind ohnehin eine der großen Stärken von "Ghost of Tsushima". Das Ganze mag vielleicht nicht an einen "The Witcher" rankommen. Das soll jedoch nicht heißen, dass die Geschichte von Jin und seinen Mitstreitern nicht ebenso ihre Wirkung hat.

Im Gegenteil, allein weil man auch in "Ghost of Tsushima" in eine Welt geworfen wird, in der die Menschen vom Krieg heimgesucht wurden und nun ums Überleben kämpfen, wird man immer wieder an das Meisterwerk von CD Project Red erinnert. Und auch die Entwicklung unseres Samurais hin zum Geist von Tsushima sowie seinen Kampf damit, seinem Weg des Samurai zu entsagen, wirkt überzeugend und glaubwürdig.

Hinzu kommt die großartige Grafik, die eine der schönsten Open-Worlds erschafft, die es je auf der PS4 zu sehen gab. Allein das Spiel mit Licht und Schatten ist bereits eine Augenweide, die mich immer wieder ins Staunen brachte. Bugs oder Glitches sind mir während meines Tests tatsächlich nur an einer Stelle unter die Augen gekommen, an der das Spiel kurz nachladen musste. Auch hier kann ich also nur Gutes berichten.

Kritik an "Ghost of Tsushima": Ach, die Komfortelemente!

Doch nicht nur die Grafik weiß zu überzeugen. Das Kampfsystem lockt mit jeder Menge Tiefe und gehört ohne Frage zu den Interessantesten, die das Genre in den letzten Jahren hervorgebracht hat.
Doch nicht nur die Grafik weiß zu überzeugen. Das Kampfsystem lockt mit jeder Menge Tiefe und gehört ohne Frage zu den Interessantesten, die das Genre in den letzten Jahren hervorgebracht hat.  © Sony Interactive Entertainment/Sucker Punch

Letztendlich gab es für mich nur einen wirklichen Kritikpunkt, der mir während meines Tests auffiel: Zwar wirkt jedes Element in "Ghost of Tsushima" gekonnt umgesetzt, man hat jedoch auch immer wieder das Gefühl, das alles schon irgendwo einmal gesehen zu haben. 

Das Klettern kennt man aus "Assassin's Creed", das Suchen nach Schreinen und legendären Rüstungen aus "Tomb Raider" und sogar der Lausch-Modus erinnert an das eingangs erwähnte "The Last of Us".

Das Ganze ist jedoch Meckern auf hohem Niveau, einerseits werden immer wieder Erinnerungen geweckt (was will man mehr, um eine Ära gebührend abzuschließen), gleichzeitig handelt es sich in den meisten Fällen um Komfortelemente, die ohnehin aus keinem Spiel mehr wegzudenken sind.

Eine wichtige Ausnahme ist dabei noch zu erwähnen: Das Kampfsystem, das nicht nur gut umgesetzt ist (und bereits auf dem mittleren Schwierigkeitsgrad Euer Können erfordert), sondern auch zu den Interessantesten gehört, die das Genre in den letzten Jahren hervorgebracht hat. 

Es wäre zu viel, dies gleich als Revolution zu bezeichnen, aber es ist definitiv eine Entwicklung in die richtige Richtung, von der ich in Zukunft gern mehr sehen möchte.

Keine Frage: "Ghost of Tsushima" hat mich überzeugt. Das liegt zum einen an seinem Setting und all den Verbeugungen vor der japanischen Kultur und Popkultur, die mich als Anime-Fan bereits schon vor Release angesprochen haben (wer steht nicht auf Schwertkämpfe in Samurai-Filmen?). 

Auf der anderen Seite ist das Spiel aber auch einfach gut umgesetzt. Es sieht unheimlich gut aus, es macht Spaß, und es ist definitiv spannend genug, um auch nach 20 Stunden Spielzeit noch am Ball zu bleiben. Ob das Spiel ein Meisterwerk ist, muss sich noch zeigen. Aber es ist definitiv ein würdiger Abschluss für die PS4-Ära.

Titelfoto: Sony Interactive Entertainment/Sucker Punch

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