Ghostrunner im Test: Dieses Spiel legt Ihr erst weg, wenn es vorbei ist!

Leipzig - Mit "Ghostrunner" liefern die polnischen Entwickler von "One More Level" ihre Version des Indie-Platformers: High-End-Grafik und Ego-Perspektive treffen hier auf treibende Beats und ultraharte Jump'n'Run-Passagen. Das ist so gut umgesetzt, dass wir den Controller am liebsten gar nicht mehr weggelegt hätten.

In "Ghostrunner" schlüpft Ihr in die Rolle eines namenlosen Killers, der sich - nur mit seinem Katana bewaffnet - durch eine dystopische Stadt kämpft. Das Spiel spart nicht an Gewaltdarstellungen, weiß diese jedoch auch gekonnt in das raue Setting einzubauen.
In "Ghostrunner" schlüpft Ihr in die Rolle eines namenlosen Killers, der sich - nur mit seinem Katana bewaffnet - durch eine dystopische Stadt kämpft. Das Spiel spart nicht an Gewaltdarstellungen, weiß diese jedoch auch gekonnt in das raue Setting einzubauen.  © One More Level

Wir rutschen eine Rampe runter, springen über einen Abgrund, kurz in die Zeitlupe, ausweichen und der erste Gegner ist ausgeschaltet. Weiter geht's die Wand entlang, wieder Zeitlupe, Angriff von oben und der zweite Gegner fällt. Eine Kugel pfeift an uns vorbei, wir erblicken Gegner Nummer drei, ausweichen, vorwärts, nochmal und... Er hat uns. Verdammt! Nochmal.

Einen Augenblick später stehen wir bereits wieder am oberen Ende der Rampe. Es ist diese Mischung aus Tempo und kurzen, aber bockschweren Passagen, die bereits Indie-Hits wie "Hotline Miami" oder "Katana Zero" zum Erfolg verholfen hat - und die nun auch in "Ghostrunner" wieder ihre Wirkung entfaltet, dem neuesten Spiel des polnischen Entwicklerstudios "One more Level".

Der Name ist dabei Programm, denn genau wie in den bereits genannten Titeln möchte man auch in "Ghostrunner" nach jedem Bildschirm-Tod gleich noch einen Versuch starten und nach jedem gemeisterten Level gleich ins nächste ziehen, um sich der nächsten Herausforderung zu stellen.

Aber fangen wir von vorn an: "Ghostrunner" ist ein Platformer, den Ihr aus der Ego-Perspektive spielt. Ihr schlüpft dabei in die Rolle eines namenlosen Killers, der sich - nur mit seinem Samurai-Schwert bewaffnet - durch eine dystopische Zukunftsstadt kämpft, um sein Gedächtnis zurückzuerlangen.

Im Grunde befindet Ihr Euch permanent in Bewegung

Wandpaneele werden in der futuristischen Umgebung schnell zu Euren besten Freunden. An ihnen kann Euer Kämpfer entlang laufen, um so nahe an den nächsten Gegner heranzukommen - oder einfach nur Abgründe zu überqueren.
Wandpaneele werden in der futuristischen Umgebung schnell zu Euren besten Freunden. An ihnen kann Euer Kämpfer entlang laufen, um so nahe an den nächsten Gegner heranzukommen - oder einfach nur Abgründe zu überqueren.  © One More Level

So simpel die Geschichte, so genial das Gameplay: Wie bereits seine Vorbilder setzt "Ghostrunner" auf Timing und packt dabei in puncto Geschwindigkeit sogar noch eine Schippe drauf. 

Im Grunde befindet Ihr Euch permanent in Bewegung, springt von einer Plattform zur anderen, hangelt Euch an Wänden entlang, weicht Kugeln in Zeitlupe aus und schließt so zu Euren Gegnern auf, um mit Eurem Katana verheerende Hiebe auszuteilen.

Die Ego-Perspektive wirkt dabei zu Beginn etwas unübersichtlich, trägt gleichzeitig jedoch zum Tempo-Gefühl bei. Gerade die Zeitlupe ist in diesem Fall unglaublich wichtig, denn: Wie in "Hotline Miami" hält auch Euer Held in "Ghostrunner" nur einen einzigen Treffer aus.

Dasselbe trifft jedoch auch auf Eure Kontrahenten zu, denn wo auch immer Euer Katana landet, wächst danach kein Gras mehr. An der Gewaltdarstellung haben die Entwickler definitiv nicht gespart. Da fliegen Köpfe, Extremitäten oder Körper werden gleich in Hälften geteilt.

"Ghostrunner" setzt im Gegensatz zu den meisten anderen Indie-Platformern dabei nicht auf Pixel-, sondern auf High-End-Grafik, die für einen Indie-Titel durchaus beeindruckend daherkommt. Wer allerdings glaubt, dass die Gewalt wie in "Hotline Miami" in einem Haufen Pixel verborgen bleibt und eher der Fantasie überlassen wird, ist hier an der falschen Stelle - und sollte definitiv keinen schwachen Magen haben.

Ein Suchtpotenzial wie es auch "Doom" hatte

Zwischen den Kämpfen verschlägt es Euch immer wieder in eine japanisch anmutende virtuelle Realität. "Ghostrunner" wird aus der Ego-Perspektive gesteuert, wie Ihr hier sehen könnt. Dabei setzt das Spiel auf High-End-Grafik, die wirklich Eindruck macht!
Zwischen den Kämpfen verschlägt es Euch immer wieder in eine japanisch anmutende virtuelle Realität. "Ghostrunner" wird aus der Ego-Perspektive gesteuert, wie Ihr hier sehen könnt. Dabei setzt das Spiel auf High-End-Grafik, die wirklich Eindruck macht!  © One More Level

Die Gewalt trägt am Ende jedoch auch in "Ghostrunner" zum ohnehin schon rauen Ton des Spiels bei und tritt bei all den Moves und Manövern fast schon in den Hintergrund.

Es geht nicht darum, Köpfe abzuhauen, sondern darum, den perfekten Run hinzulegen. Jede Bewegung genau zu timen, damit ihr den nächsten Vorsprung erreicht und den nächsten Treffer landet. 

Gepaart mit dem treibenden Elektro-Soundtrack entsteht somit ein Sog, wie man ihn bisher ausschließlich aus Urgestein "Hotline Miami" oder den neuen "Doom"-Teilen kennt. Speedrunner, da bin ich mir sicher, werden mit "Ghostrunner" auf jeden Fall ihren Spaß haben. 

Das Suchtpotenzial seiner Vorgänger hat der Titel allemal - und er geht dabei auch genug eigene Wege, um nicht als einfacher Ideenklau dazustehen. Im Gegenteil.

Fazit:

"Ghostrunner" ist ein erfrischender neuer Ansatz für das Genre der Indie-Plattformer, der dank Highend-Grafik, allglatter Steuerung und ultraschnellem Gameplay fast schon perfekt wirkt. 

So manche Passage mag beim ersten Versuch vielleicht nicht perfekt wirken, aber das sollten Genre-Liebhaber mittlerweile fast schon gewöhnt sein. Wer auf "Hotline Miami" und "Katana Zero" steht, sich das Ganze in einem Mix mit "Doom" vorstellen kann und mal wieder ein Spiel mit gleich hohem Suchtfaktor wie die genannten Titel zocken möchte, ist hier definitiv an der richtigen Stelle.

Titelfoto: One More Level

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