"Harvest Moon: Eine Welt" im Test: Dann doch lieber in den eigenen Garten gehen

Eine Welt - Auch 2021 erfreuen sich Bauernhofsimulationen weltweit größter Beliebtheit. Auch wenn das Genre inhaltlich mehr oder weniger stagniert, schaffen es Spiele wie "Stardew Valley" immer wieder, eine große virtuelle Ackerbaugemeinschaft in den Bann zu ziehen. "Harvest Moon: Eine Welt" möchte in die gleiche Kerbe einschlagen, scheitert aber leider im Test kläglich.

Im Laufe der Zeit könnt Ihr eine ganze Reihe an Tieren in Eurem Stall begrüßen. Vorausgesetzt natürlich, Ihr haltet so lange durch.
Im Laufe der Zeit könnt Ihr eine ganze Reihe an Tieren in Eurem Stall begrüßen. Vorausgesetzt natürlich, Ihr haltet so lange durch.  © Nintendo

Beim Namen "Harvest Moon" werde ich gedanklich unweigerlich in mein neunjähriges Ich zurückbefördert.

Während es draußen wie wild schneite, bediente ich auf meinem Gameboy ein blühendes Land, fütterte Tiere, um Milch und Eier abzugreifen, und angelte am hiesigen Fluss bis zum Erbrechen, um mit genügend gefangenem Fisch endlich einen neuen Stall finanzieren zu können.

Ja, das Leben als Gameboy-Bauer war hart und steinig, dennoch habe ich es geliebt! Inzwischen hat sich die Sucht nach der Pflege virtueller Bauernhöfe etwas gelegt, dennoch habe ich mich gefreut, mit dem neuesten Ableger "Harvest Moon: Eine Welt" mal wieder in diese Zeit eintauchen zu können.

Nichts für schwache Nerven: Dieses Spiel treibt Euch an Eure Grenzen!
Gaming Nichts für schwache Nerven: Dieses Spiel treibt Euch an Eure Grenzen!

Doch es gab gleich mehrere Gründe, die mir im Vorfeld schon sagten, dass dieser Ausflug unter Umständen meinen Kindheitserinnerungen schaden könnten. Die Entwickler, die das ursprüngliche "Harvest Moon" herausgebracht haben, werkeln heutzutage an den "Story of Seasons"-Titeln, einer anderen Bauernhofsimulation. Natsume, die Macher hinter den aktuellen "Harvest Moon"-Teilen, haben damit relativ wenig zu tun.

Das macht sich auch bei den Rezensionen vergangener Titel der vergangenen Jahre bemerkbar. Dort gingen die Natsume-Titel mit unterirdischen Wertungen teils brachial unter. Aber dennoch: Ich wollte herausfinden, ob diese Verrisse gerechtfertigt sind.

Verrisse sind gerechtfertigt!

Das Anpflanzen von Paprika, Rüben oder auch Zierpflanzen geschieht immer über die gleiche stupide Art und Weise: A-Drücken und den Vorgang wiederholen.
Das Anpflanzen von Paprika, Rüben oder auch Zierpflanzen geschieht immer über die gleiche stupide Art und Weise: A-Drücken und den Vorgang wiederholen.  © Nintendo

Der Ansatz von "Eine Welt" ist eigentlich ganz spannend. Der weibliche oder männliche Protagonist hat jederzeit die Möglichkeit, die erstellte Farm mitsamt aller Tiere und Felder in die Tasche zu packen und an anderer Stelle in sekundenschnelle zu platzieren.

Dadurch soll besonders die Erkundung der Welt angetrieben werden. Die karge Grafik des Spiels macht dieser Idee aber schon von vornherein einen Strich durch die Rechnung. Egal ob Wüste, Strand oder öde Dorfgemeinde: Alles sieht furchtbar leblos und eintönig aus.

Das passt zu den völlig austauschbaren Charakteren, die ihr im Spiel trefft. Wenn Euer Gesprächspartner "plumper Mann" heißt, wisst Ihr eigentlich direkt, was Sache ist.

Du glaubst nicht, wonach dieses Parfüm riecht
Auto Du glaubst nicht, wonach dieses Parfüm riecht

Da es im Spiel grundsätzlich darum geht, kulinarische Köstlichkeiten zu entdecken und anzubauen, verstecken sich überall kleine Erntewichtel, die Euch mit neuem Saatgut belohnen.

Das eigentliche Bepflanzen beschränkt sich aber nahezu nur auf das Drücken des A-Knopfes Eurer Switch - da kommt richtiges Smartphone-Flair auf. Was als neunjähriges Kind mit Pixelgrafik auf dem Gameboy noch ok war, ist heutzutage ein absolutes Unding. So animiert man sicherlich keinen Jugendlichen dazu, später einmal Landwirt zu werden.

Fazit zu Harvest Moon: Eine Welt

Dass man beim Blick in die Vergangenheit oftmals die rosarote Brille aufhat und ein Spiel feiert, das unter heutigen Standards für Unverständnis sorgen würde, kommt allein bei mir oft vor. "Harvest Moon: Eine Welt" wäre aber vermutlich schon damals eine Zumutung gewesen. Trotz der schnöden Grafik ruckelte der Titel im Test ständig, die nervige Dudelmusik ging mir bereits nach kurzer Zeit auf die Nerven und das simple A-Gedrücke mag in einem Rail-Shooter vielleicht noch eine Existenzberechtigung finden, doch aber nicht in einer Bauernhofsimulation.

Ich konnte tatsächlich nichts finden, was mich wirklich motivierte, die Reise fortzusetzen. Die Nebenfiguren sind alle so belanglos, dass man lieber auf dem transportablen Bauernhof mit seinen Tieren allein sterben möchte, als einen passenden Partner zu finden.

Ich hatte mich tatsächlich darauf gefreut, die Magie harter, virtueller Arbeit mit "Harvest Moon: Eine Welt" wieder einmal spüren zu können. Ich glaube, nach dieser Erfahrung versuche ich es dann im Sommer aber doch besser im eigenen Garten.

Titelfoto: Nintendo

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