"Final Fantasy VII Remake" im Test: Darauf haben Rollenspiel-Fans lange gewartet

Japan - Es ist 1997: Etliche Videospieler auf der ganzen Welt starren gebannt auf ihren TV-Bildschirm. Während aus den Boxen die treibende, furchteinflößende Melodie zu "One Winged Angel" ertönt, erblickt einer der wohl bekanntesten Antagonisten der Gaming-Geschichte das Licht der Welt: Sephiroth. Ein Moment, den viele Fans von "Final Fantasy VII" wohl nie vergessen haben. Square Enix hat sich nun aufgemacht, die Magie von damals gut 23 Jahre später erneut auf die Heimkonsole zu zaubern. Ob das Remake des Klassikers gelungen ist, erfahrt ihr im Test.

Anders als im Original taucht Sephiroth in der Neuauflage von Final Fantasy VII schon deutlich früher im Spiel auf.
Anders als im Original taucht Sephiroth in der Neuauflage von Final Fantasy VII schon deutlich früher im Spiel auf.  © Square Enix

In der jüngeren Vergangenheit erlebten bereits einige angestaubte Perlen der Videospielhistorie einen zweiten Frühling. "Resident Evil 2" und der kürzlich erschienene dritte Teil konnten bereits eindrucksvoll zeigen, wie aus klobigen Pixelfiguren ein zeitgemäßes Videospiel wird.

Square Enix wagte sich nun in ein nicht weniger ambitioniertes Projekt und veröffentlicht Fanliebling "Final Fantasy VII" im ganz neuen Remake-Gewand.

Die Erwartungen waren logischerweise groß - und konnten nicht unbedingt vollends erfüllt werden. 

Aber der Reihe nach: Storytechnisch übernehmt ihr die Rolle von Söldner und Ex-Shinra-SOLDAT Cloud Strife. Der Blondschopf mit dem markanten Riesenschwert hat sich kurzerhand einer Rebellentruppe namens Avalanche angeschlossen, die es sich zum klischeebeladenen Ziel gemacht hat, die Welt zu retten. 

Energiekonzern Shinra raubt dem Planeten mittels riesiger Anlagen seine Lebenskraft - ein Vorgang, der laut Avalanche nicht mehr lange gut gehen kann und unbedingt gestoppt werden sollte. Und da man mit der Rebellion irgendwie anfangen muss, beschließen die Widerstandskämpfer direkt mal mit einer Bombe in einer der Hauptreaktoren loszulegen. Dass Cloud, der offenkundig zunächst nur aufs Geld aus zu sein scheint, allerdings schon viel tiefer in der Materie drinsteckt, ist kein wohlbehütetes Geheimnis. Spätestens nachdem der Kämpfer erste heftige Flashbacks erlebt, die seine düstere Vergangenheit beleuchten, entwickelt sich diese Handlung zu einer der Hauptstorystränge, die der Spieler gern erfahren möchte.

Trotz, dass Nichtkenner des Originals zu Beginn wohl mit vielen Fragezeichen überschüttet werden, schafft die Geschichte extrem zu fesseln, gibt sie doch nur nach und nach pointiert mehr der umfangreichen Haupthandlung preis. Stetig lernt der Spieler neue Charaktere kennen, die mit der Zeit sympathisch ins Spiel integriert werden. 

Und ohne irgendetwas vorwegzunehmen: Gerade die Inszenierung des letzten Drittels ist schlicht und ergreifend herausragend gelungen.

Das Kampfsystem von "Final Fantasy VII Remake": Mehr schlecht als recht?

In den Kämpfen geht es teilweise ordentlich zur Sache. Manchmal verliert man dabei aber schnell den Überblick.
In den Kämpfen geht es teilweise ordentlich zur Sache. Manchmal verliert man dabei aber schnell den Überblick.  © Square Enix

Neben der Story ist der zweite Hauptaspekt des Spiels natürlich das Kampfsystem. Direkt zu Beginn werdet ihr mit den Grundlagen vertraut gemacht. 

In Echtzeit vermöbelt ihr mittels einfachem Tastendruck vorwiegend feindliche Soldaten. Dabei stehen euch grob zwei Varianten zur Verfügung: Die einfachen, weniger schmerzhaften Schläge inklusive Zugriff auf Verteidigungshaltung oder die rein offensive Variante, die mit heftigen Spezialangriffen gespickt werden kann und ordentlich weh tun. 

In der Regel werdet ihr zwischen beiden Auswahlmöglichkeiten stetig wechseln. Lustig wird es, wenn die ATB-Leiste des jeweiligen Charakters gefüllt ist. Neben dem Einsatz von Magie und Gegenständen hat man dann Zugriff auf noch mächtigere Attacken, die für das Erlegen bestimmter Gegner teilweise unabdingbar sind. 

Jeder Charakter verfügt dabei über sein eigenes Kampfrepertoire. Habt ihr lieber Bock, mit Barret's Maschinenpistole rumzuballern oder mit Tifa's Füßen den Feinden kräftig ins Gesicht zu treten, dann wechselt per Tastendruck einfach auf den jeweiligen Charakter und führt dessen Aktionen aus. 

Spielt ihr nicht gerade im klassischen Modus (einer von drei Schwierigkeitsgraden, bei dem eure Charaktere größtenteils selbst agieren), werdet ihr um das ständige Wechseln der Charaktere auch kaum herumkommen, da die Handlungen eurer Mitstreiter oftmals nicht nur fraglich, sondern sogar dämlich sind. 

Ich weiß nicht, ob es sinnvoll ist, als Magier aus einer wirkungsvollen Deckung zu gehen und direkt frontal auf einen übermächtigen Gegner zuzusprinten. Ohne selbstständiges Zutun kam das beim Test mit unseren Computer-Kumpanen nicht nur einmal vor.

"Final Fantasy VII Remake": Nicht ganz das erhoffte Meisterwerk

Ist die ATB-Leiste voll, lassen sich mächtige Spezialattacken ausführen. Held Cloud wird mit seinem Schwert gleich ordentlich austeilen.
Ist die ATB-Leiste voll, lassen sich mächtige Spezialattacken ausführen. Held Cloud wird mit seinem Schwert gleich ordentlich austeilen.  © Square Enix

"Final Fantasy VII Remake" ist kein Spiel mit offener Spielwelt, sondern ein geradliniges Abenteuer, das euch gezielt von Ort zu Ort bringt. Das war schon im Original so, jedoch bietet die Neufassung etliche spielerische Freiheiten. 

Wer Lust hat, seinen Nachmittag mit Dart spielen in der Bar "7. Himmel" zu verbringen, kann das völlig entspannt tun. In den Wohngebieten warten etliche Nebenhandlungen darauf, angenommen zu werden. Ob Monster in einer Lagerhalle verkloppen oder Katzen für ein kleines Mädchen suchen: Genretypisch gibt es ziemlich viel zu tun, auch abseits der Geschichte.

Im Menü könnt ihr mit der Zeit eure Ausrüstung ordentlich auf Vordermann bringen. Sogenannte Materia mit Effekten wie zusätzlichen Angriffsboni lassen sich frei in Waffen oder Accessoires einsetzen. 

Eure Klingen selbst lassen sich durch Punkte aufwerten, die ihr durch Kämpfe und Level-Ups erhaltet. Hier kann man sich strategisch ordentlich austoben, gerade wenn man vor einer schwierig zu knackenden Endgegner-Nuss steht, für die eine spezielle Taktik erforderlich ist.

Zum Glück sind die automatischen Speicherpunkte fair gesetzt. Ihr habt jedoch die Möglichkeit, auch jederzeit selbst euren Spielstand zu sichern. Schön: Solltet ihr in einem Kampf doch mal den Kürzeren ziehen, kann dieser direkt im Anschluss wiederholt werden.

Ist das "Final Fantasy VII Remake" also ein Pflichtkauf? Für Kenner und Liebhaber des Originals in jedem Fall schon. Besonders wenn einer der musikalisch stark in Szene gesetzten Zwischensequenzen den Bildschirm erhellen, werden wohl kaum einem Fan nicht die Bilder von vor 23 Jahren vor dem geistigen Auge erscheinen. Hinzu kommt die immer noch spannende, gut erzählte Geschichte, die sinnvoll erweitert wurde und mit teils spektakulären Kapitelabschlüssen aufwarten kann. Besonders das letzte Drittel konnte dabei überzeugen und macht Lust darauf, wie es mit "Final Fantasy VII" in Zukunft weitergehen wird. Denn das Spiel deckt bislang nur ungefähr 15 Prozent des Originals ab, Episode zwei soll laut den Machern bereits in Entwicklung sein. Wie viele Teile dann letztendlich zusammenkommen, steht noch in den Sternen.

Genrefans, die das Original nicht kennen, sollten sich aber eventuell erstmal die kostenlos verfügbare Demo im Playstation-Store herunterladen, um zu sehen, ob das teils hektische Kampfsystem und das geradlinige Gameplay etwas für sie ist. Das Spiel ist gespickt mit Levelschläuchen, in denen man kaum interagieren kann und die bis auf ein paar Schatzkisten kaum zum Erkunden einladen. Gerade im Rollenspiel-Bereich gibt es da andere Vertreter, die es deutlich besser machen.

Grafisch wurde die Welt von Final Fantasy 7 teils spektakulär umgesetzt. Trotz der teils tristen Stadtmetropole möchte man oftmals nur still stehen bleiben und staunen.
Grafisch wurde die Welt von Final Fantasy 7 teils spektakulär umgesetzt. Trotz der teils tristen Stadtmetropole möchte man oftmals nur still stehen bleiben und staunen.  © Square Enix

Am Ende wollte sich Square Enix wohl aber so gut wie möglich am Original bedienen und das ist ihnen durchaus gelungen. Wer sich nicht von den genannten Spieleigenheiten abschrecken lässt, darf sich für knapp 70 Euro auf ein packendes 40 bis 50-stündiges Rollenspiel-Abenteuer freuen.

Titelfoto: Square Enix

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