"Xenoblade Chronicles" im Test: Taucht ein in ein fantastisches Rollenspielerlebnis

Japan - Knapp 10 Jahre ist es her, dass das Rollenspiel "Xenoblade Chronicles" in Japan auf der Nintendo Wii das Licht der Welt erblickt hat. Damals stand eine Veröffentlichung im Westen nicht unbedingt zur Debatte, inzwischen hat sich der Titel aber auch hierzulande ganz schön gemausert: Neben zwei Fortsetzungen plus umfangreicher Zusatzerweiterung veröffentlicht Nintendo nun sogar eine aufgehübschte Version des Erstlings als "Definitive Edition" für die Nintendo Switch. Ob das Japano-Rollenspiel auch heute noch funktioniert und ob Besitzer der Wii- oder 3DS-Version erneut einen Kauf wagen sollten, erfahrt Ihr im Test.

Innerhalb der Geschichte begegnen euch zahlreiche Charaktere, die rollenspieltypisch alle so ihre Geheimnisse haben.
Innerhalb der Geschichte begegnen euch zahlreiche Charaktere, die rollenspieltypisch alle so ihre Geheimnisse haben.  © Nintendo/Monolith Soft

Ein schier endloser Ozean und nur der ferne Horizont unter einem blauen Himmel. Inmitten des Wassers kämpfen zwei gigantische Titanen in einem erbitterten Fight auf Leben und Tod. 

Ein Sieger bleibt aus - beide Riesen erstarren erschöpft nach ihren stärksten Angriffen in einer Kampfposition. Jahre vergehen und es entsteht neues Leben. Auf Bionis erwacht ein Menschenvolk, auf Mechonis buhlen Maschinenwesen um die Herrschaft. 

Und so wird der Krieg der Giganten zwischen den Völkern quasi fortgesetzt. Die Geschichte von "Xenoblade Chronicles" startet mit einer Invasion der Mechon. Die Menschen, Homs genannt, scheinen geschlagen, doch ein Kriegerheld namens Dunban kann die Horde mittels seines mächtigen Monado-Schwerts aufhalten.

Ein Jahr später, als die Mechon erneut einen brutalen Vorstoß wagen, gelangt die Klinge in die Hand des jungen Shulk. Die Ereignisse überschlagen sich und Shulk macht sich zusammen mit seinem Kindheitsfreund Reyn auf den Weg, um Rache zu nehmen und die Welt ein für alle Mal von den Mechon zu befreien.

Die Geschichte ist das Herzstück von "Xenoblade Chronicles" und animiert zusammen mit dem fantastischen Soundtrack stets dazu, tiefer in die riesige Welt einzutauchen. Rollenspieltypisch begegnen Euch auf der langen Reise zahlreiche Charaktere, die eigene, oft tiefgreifende Geschichten erzählen. 

Kein Open-World, aber fast

Die Welt von "Xenoblade Chronicles" wirkt auf den ersten Blick gigantisch. Statt einer offenen Welt ist der Bewegungsradius aber doch stets eingeschränkt.
Die Welt von "Xenoblade Chronicles" wirkt auf den ersten Blick gigantisch. Statt einer offenen Welt ist der Bewegungsradius aber doch stets eingeschränkt.  © Nintendo/Monolith Soft

Bei der Erkundung von Bionis kommt man ein ums andere Mal ins Staunen. Manche Areale erscheinen unglaublich weitläufig, sodass der Spieler den Eindruck bekommt, sich in einem Open-World-Game zu befinden. Dem ist aber nicht so. 

Zwar habt Ihr stets genügend Raum zum Erkunden, letztendlich folgt man aber schlauchartig dennoch einer bestimmten Linie, um immer ans nächste Ziel zu kommen.

Tonnen von Sidequests, die Ihr unterwegs in Lagern oder von herumstreunenden Bewohnern bekommt, erledigt Ihr oftmals mehr oder weniger im Vorbeigehen. Das scheint zwar ganz praktisch, verdeutlicht allerdings die offensichtliche Bedeutungslosigkeit vieler Aufgaben.

Oft geht es lediglich nur darum, eine bestimmte Anzahl an Monstern zu besiegen oder eine bestimmte Menge eines Items zu finden. Anfangs lockt der Tatendrang noch - irgendwann waren die Sidequests aber nur noch langweiliges Beiwerk. 

Bei der Hauptquest geht dagegen viel mehr die Post ab. Wir bekommen neue Mitstreiter für unser Team, erhalten einen Berg an Ausrüstung und entscheiden uns in einem Fähigkeitensystem, mit welchen Techniken wir den kommenden Widersachern auf den Schädel hauen. Zu Beginn des Abenteuers werdet Ihr von Erklärboxen teilweise erschlagen. Die meisten Kniffe des Spiels gehen aber nach kurzer Spielzeit in Fleisch und Blut über. 

Besonders lobenswert: Innerhalb des Abenteuers findet Ihr spezielle Punkte, zu denen jederzeit eine Schnellreise möglich ist. Im Vergleich zu anderen Spielen verdient sich "Xenoblade Chronicles" den Begriff "Schnellreise" auch wirklich: Die Teleportation geht flüssig und ohne Wartezeiten von der Hand.

Schnelles Kampfsystem mit kleinen Macken

Die Endbosse des Japano-Rollenspiels stellen immer wieder ein Highlight da. Für manche Widersacher braucht es aber spezielle Strategien.
Die Endbosse des Japano-Rollenspiels stellen immer wieder ein Highlight da. Für manche Widersacher braucht es aber spezielle Strategien.  © Nintendo/Monolith Soft

Das Kampfsystem überzeugt heute wie damals: Ihr visiert einen Gegner auf der Karte an und ohne große Umwege beginnt das Szenario. Eure Truppe schlägt automatisch auf Gegnerhorden ein. Mit Eurem aktuellen Anführer bewegt Ihr Euch um die Schergen und feuert Spezialangriff um Spezialangriff los.

Eure Begleiter könnt Ihr nur minimal beeinflussen, ihnen zum Beispiel vorgeben, das gleiche Ziel wie Euer Anführer anzugreifen. Letztendlich agieren sie aber in den meisten Fällen intelligent. 

Held Shulk hat im Kampf selbst immer wieder Visionen von bevorstehenden Attacken der Kontrahenten. Dadurch hat der Spieler die Möglichkeit, entsprechend darauf zu reagieren. 

Nicht immer zeigt sich das Spiel aber von einer liebevollen Seite: Nimmt Euch auf einer weitläufigen Steppe beispielsweise ein Monster ins Visier, das etliche Level über Euch liegt, kann es passieren, dass Eure Partie ganz schnell Geschichte ist.

Zudem sind einige Bosskämpfe, wie soll ich sagen, unnötig krampfhaft. Der erste Kampf gegen Xord lässt grüßen. Auch kann es manchmal an der Motivation nagen, wenn ein normaler Kampf gegen Kleinvieh gefühlt zwei Minuten dauert. 

Änderungen zum Original eher marginal

Held Shulk hat mit seinem Monado-Schwert die Möglichkeit, die Zukunft zu beeinflussen. Doch um die wahre Stärke der Klinge zu entfesseln, bedarf es etwas Hilfe.
Held Shulk hat mit seinem Monado-Schwert die Möglichkeit, die Zukunft zu beeinflussen. Doch um die wahre Stärke der Klinge zu entfesseln, bedarf es etwas Hilfe.  © Nintendo/Monolith Soft

Vergleicht man nun das Original mit der neu veröffentlichten "Definitive Edition", wird man feststellen, dass die Veränderungen eher geringfügig sind. 

Hier und da wurde grafisch etwas aufgerüstet, besonders die Gesichtsanimationen standen dabei im Fokus der Entwickler. Dennoch ist es so, dass man gerade im TV-Modus an die ein oder andere Stelle lieber nicht allzu genau hinschaut.

Die Musik könnt Ihr wahlweise im Original oder mit neu arrangierter Vertonung genießen - bei der Sprachausgabe habt Ihr die Wahl zwischen japanisch und englisch. 

Am spannendsten für Kenner der älteren Fassung ist sicherlich der neue spielbare Epilog, der an das Ende des Hauptspiels anknüpft. Neben Arealen, die es damals nicht ins Spiel geschafft haben, wurde auch das Kampfsystem leicht verändert. Ob das allerdings reicht, um einen erneuten Kauf zu rechtfertigen, muss jeder selbst entscheiden.

Fazit: "Xenoblade Chronicles" ist damals wie heute ein teils herausragendes Rollenspiel, das in die Sammlung jedes Japano-Liebhabers gehört. Klar, auch der "Definitive Edition" merkt man das Alter an einigen Stellen deutlich an. Teil Zwei, der ebenfalls für die Nintendo Switch erschien, macht da besonders grafisch eine deutlich bessere Figur.

Lässt man sich jedoch einmal auf die umfangreiche Story und das rasante Kampfsystem ein, dann wird man die Switch so schnell nicht wieder aus der Hand legen, auch wenn einige Designentscheidungen wie die schier unendliche Anzahl an Nebenquests oder die "Strategie" in manchen Bosskämpfen nicht jedermanns Sache sind.

Wer darüber allerdings hinwegsehen kann, darf sich für 50 Euro auf eine spannende Reise begeben, die er, besonders dank des fulminanten Endes, so schnell nicht wieder vergisst.

Titelfoto: Nintendo/Monolith Soft

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