"Final Fantasy Crystal Chronicles Remastered" im Test: Lohnt sich der Trip in die Vergangenheit?

Japan - Nachdem Square Enix 2020 dem Fanliebling "Final Fantasy VII" eine aufwendige Remake-Version spendiert hat, folgt nun mit "Final Fantasy Crystal Chronicles" die nächste Neuauflage des Franchises. Allerdings bekam der Ableger, der kein direkter Teil der Reihe ist und 2003 lediglich für Nintendos Gamecube erschien, nur eine aufgehübschte Remastered-Version spendiert. Ob sich der Kauf trotzdem lohnt, erfahrt Ihr im Test.

Ein Bosskampf erwartet euch am Ende eines jeden Dungeons. Wirkliche Gefahr kommt dabei jedoch nicht auf.
Ein Bosskampf erwartet euch am Ende eines jeden Dungeons. Wirkliche Gefahr kommt dabei jedoch nicht auf.  © Square Enix

Endlich hatte der Händler aus dem Nachbardorf das klobige Kabel vorrätig, das meinen Nintendo Gamecube mit dem Game Boy Advance verbinden konnte. 

Der Weg, mit meinen Freunden zusammen "Final Fantasy Crystal Chronicles" zu spielen, war endlich frei. 

Natürlich kam damals schon die Frage auf, warum sich Square Enix eine solch umständliche Variante hat einfallen lassen, um ihr neustes Werk im Koop mit Zockerkumpels genießen zu können. 

Im Vordergrund stand dann aber letztendlich doch wieder nur das Spiel selbst, das in meiner rosaroten Erinnerung bis vor ein paar Tagen mächtig Spaß gemacht hatte und für einige glückliche Kindheitsstunden sorgte.

Diese Erinnerung wurde inzwischen mit einem deftigen Schlag in die Magengrube wieder in eine aufgeklärte Realität verwandelt. 

Denn auch wenn mir der gewisse Charme des "Final Fantasy"-Ablegers gut im Gedächtnis erhalten blieb, so muss ich doch eingestehen, dass es bei genauerer Betrachtung schon damals kein wirklich gutes Spiel war und die Portierung in die heutige Zeit in dieser Form fast schon inakzeptabel ist. 

Ich hatte mich wirklich auf diese Reise in die Vergangenheit gefreut. Es gibt jedoch zahlreiche Gründe dafür, warum dieser "Rette die Welt"-Trip eine ziemliche Katastrophe ist.

In diesem Final Fantasy ist maximal die Musik magisch

Jedes Dorf schickt Jahr für Jahr eine Karawane los, um den wertvollen Myrrhetau zu sammeln.
Jedes Dorf schickt Jahr für Jahr eine Karawane los, um den wertvollen Myrrhetau zu sammeln.  © Square Enix

Die Geschichte gewinnt damals wie heute keinen Innovationspreis: Der Einschlag eines Meteors hüllte die Welt in giftiges Miasma, das nur mit speziellen Kristallen halbwegs unter Kontrolle gebracht werden konnte. 

Damit die Steinchen allerdings nicht an Wirkkraft verlieren, braucht es seltenen Myrrhetau, der wiederum nur an recht schwer zugänglichen Spots zu finden ist. 

Jedes Jahr aufs Neue werden daher Kristallkarawanen in die Welt geschickt, um ein paar Tropfen der wertvollen Flüssigkeit zu sammeln und somit das Heimatdorf für eine gewisse Zeit zu sichern. 

Der Spieler kann sein Mitglied der Reisegruppe aus vier unterschiedlichen Klassen erstellen. Diese unterscheiden sich nicht nur beim Aussehen, sondern sind zusätzlich entweder Spezialisten in unterschiedlichen Angriffsformen wie Nahkampf oder Magie oder Allrounder. 

Der Kristallkelch ist bei Eurer Suche ein ständiger Begleiter und wird je nachdem, ob man allein oder in der Gruppe voranschreitet, von einem Mogry oder einem Mitglied getragen. Am Ende eines jeden Dungeons wartet ein Boss, nach dessen Ableben einer der begehrten Tropfen in Euren Besitz wandert. Das ist eigentlich schon fast alles, was man inhaltlich über "Final Fantasy Crystal Chronicles" wissen muss. 

Die Remastered-Variante wurde hier und da etwas verschönert, schießt keinem Spieler, egal ob auf Switch oder PS4, vor Freude die Augen raus. Die Musik, die mit gängigen Melodien schon damals ins Ohr ging, ist auch weiterhin das Highlight des Spiels, obwohl einige Stücke mit der Zeit auch etwas auf die Nerven gehen können. 

Für die Neuauflage wurden ein paar zusätzliche Endgame-Dungeons und Bonusinhalte wie neue Waffen integriert, die für Liebhaber des Erstlings sicherlich eine nette Sache sind, jedoch eigentlich nicht ausreichen sollten, um einen erneuten Kauf zu rechtfertigen. Das klingt schon alles ziemlich durchschnittlich? Tja, das waren allerdings erst die positiven Aspekte des Spiels.

Fazit zu "Final Fantasy Crystal Chronicles Remastered": Checkt noch einmal genau Eure Erinnerungen

Nur im Radius des Kelches ist die Gruppe vor den Auswirkungen des Miasma geschützt.
Nur im Radius des Kelches ist die Gruppe vor den Auswirkungen des Miasma geschützt.  © Square Enix

Natürlich braucht es für ein erfolgreiches Multiplayer-Spiel heutzutage keinen zusätzlichen Kabelkauf mehr - wirklich zugänglicher ist das Koop-Abenteuer in der Neuauflage allerdings auch nicht. 

Angenommen, Ihr erstellt eine Gruppe, so kann vor jedem Dungeon ein anderer Spieler via Freundescode zu Eurem Abenteuer stoßen. Das geht übrigens auch, wenn nur einer das Hauptspiel besitzt. 

Nach mehreren fummeligen Einstellungen ist man meist nach fünf Minuten bereit loszuziehen. Nachdem der jeweilige Boss gelegt wurde, wird der Fortschritt allerdings nur beim Host gespeichert. Der Mitspieler wird aus der Gruppe geworfen und muss vor dem nächsten Dungeon erneut integriert werden. 

Es dauerte keine zwei Tage, bis die Netzgemeinde an die Decke ging und die Entwickler aufgefordert wurden, den Multiplayer-Modus komplett zu überarbeiten. Ob das allerdings passieren wird, ist äußerst fraglich.

Weiterhin absolut unverständlich: die Ladezeiten! Egal, ob kurze Sequenz oder das Betreten eines neuen Ortes: Den Ladebildschirm mit einem kleinen Mogry werden Spieler häufiger zu sehen bekommen, als es ihnen lieb ist. Dabei scheinen die Wartezeiten einfach von Anno 2003 übernommen worden zu sein, obwohl das aus technischer Sicht heute absolut überflüssig ist. 

Apropos einfach strikt übernommen: Ja, es ist ein Remastered, aber das Kampfsystem, wenn man es denn so nennen kann, hätte auch eine kleine Runderneuerung vertragen können. Einfach stumpf auf Gegner einschlagen war schon vor 17 Jahren nicht cool, 2020 hat man inzwischen so viele Games gesehen, die es besser machen, dass sich "Final Fantasy Crystal Chronicles" fast schämen müsste. 

Kehrt die Gruppe mit vollem Myrretaugefäß ins Dorf zurück, kann das Fest beginnen.
Kehrt die Gruppe mit vollem Myrretaugefäß ins Dorf zurück, kann das Fest beginnen.  © Square Enix

Fazit: Ich habe mich wirklich sehr auf das Remastered einer tollen Kindheitserinnerung gefreut. Dass "Final Fantasy Crystal Chronicles" dann so lieblos in den Sand gesetzt wurde, schmerzt doppelt. Es wirkt an allen Enden und Ecken so, als hätte man sich bei Square Enix nicht wirklich viel Mühe gemacht, aus der Vorlage, die durchaus Potenzial hat, etwas zu machen. Ständig hat man das Gefühl, alles schon einmal besser gesehen zu haben. Unweigerlich stellt sich dabei immer wieder die Frage, warum man Kritikpunkte, die es schon damals zur Genüge gab, nicht ausgemerzt hat. 

Die Dörfer sind weiterhin leblos und ohne jegliche Substanz. Die Dungeons teils langweilig und nervig. Die Kämpfe eintönig, die Zwischensequenzen überflüssig und langweilig und Kindheitserinnerungen kommen maximal nur dann auf, wenn der Ladebildschirm zu sehen ist und man daran erinnert wird, wie unflüssig die Übergange früher waren. Solisten hatten schon damals relativ wenig Spaß am Spiel - durch den umständlichen Multiplayer-Modus ist das Abenteuer aber auch für Reisegruppen maximal schwer zugänglich.

Alles in allem ist "Final Fantasy Crystal Chronicles Remastered" eine herbe Enttäuschung, die nur eingefleischten Fans wirklich Freude machen könnte. Vielleicht wäre es besser gewesen, die beiden Chronicles-Teile, die für den Nintendo DS erschienen sind, in verbesserter Grafik auf die aktuellen Konsolen zu hieven. Sollte es so kommen, kann man als Spieler allerdings nur hoffen, dass die Entwickler etwas mehr Zeit und Liebe in die Neuauflage investieren.

Titelfoto: Square Enix

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