"The Legend of Heroes: Trials of Cold Steel 3" im Test: Dieser Rollenspielgigant hat es in sich!

Japan - Als unerfahrener Japano-Rollenspieler hat man in den westlichen Gefilden vermutlich schon einmal von "Final Fantasy" gehört. Ansonsten haben die meisten Vertreter der meist epischen Anime-Abenteuer außerhalb Japans noch immer einen schweren Stand. Ein ähnliches Schicksal erlebt auch die "The Legend of Heroes"-Reihe. Dass trotz tiefer, umfangreicher Geschichte und klugem Kampfsystem auch beim aktuellen Teil keine deutsche Übersetzung implementiert wurde, spricht Bände. Warum Spieler, die auch nur einen Funken für diese Art Spiel übrig haben, unbedingt in die Switch-Portierung des neuen Teils "Trials of Cold Steel 3" reinschnuppern sollten, erfahrt Ihr im Test.

Die Charaktere zeigen sich gewohnt klischeebeladen. Interessant und gut geschrieben sind sie dennoch.
Die Charaktere zeigen sich gewohnt klischeebeladen. Interessant und gut geschrieben sind sie dennoch.  © Kochmedia/NIS America

Eines vorweg: Wer die ersten beiden Teile der Reihe nicht gespielt hat, braucht nicht sofort abzuwinken. Auch Neueinsteiger können mit ein bisschen Geduld in die sehr umfangreiche Welt der Helden eintauchen.

Die Geschichte rund um Protagonist Rean Schwarzer wird sehr gemächlich und fast schon absurd detailliert erzählt. Laut den Entwicklern soll das Abenteuer mehr Wörter haben als alle sieben Harry-Potter-Romane zusammen.

Der Spieler erfährt, wie Schwarzer vom Schüler zum Ausbilder an der Thor-Militär-Akademie wurde, wie es zum Ende des Erebonianischen Bürgerkriegs kam und wie die in Teil drei implementierte Geschichte in das ganze Universum passt. Über ein "Backstory"-Menü lassen sich verschiedene Szenen aus den früheren Teilen nachlesen - dadurch lernt man besonders die zahlreichen Charaktere genau kennen.

Lediglich das etwas spät einsetzende Tutorial könnte Neueinsteigern leichte Probleme bereiten.

Hat man alle Anfangshürden überwunden und nach gefühlt zehn Stunden das erste Städtchen verlassen, entfaltet "The Legend of Heroes" seine größte Stärke: die Geschichte. Unglaublich klug geschriebene Dialoge und wendungsreiche Ereignisse halten den Spieler immer wieder bei der Stange. 

Bis zum Ende hin stellen sich immer wieder neue Fragen - der Spieler bekommt jedoch immer genug Storyhäppchen serviert, um sich letztendlich nicht überfordert zu fühlen. Die letzten Stunden bis hin zum spektakulären Finale werden Euch den Atem rauben!

Rundenbasiertes Kampfsystem bietet taktische Vielfalt

Das Kampfsystem ist durchaus komplex. Auf dem übersichtlichen Bildschirm findet man sich jedoch schnell zurecht.
Das Kampfsystem ist durchaus komplex. Auf dem übersichtlichen Bildschirm findet man sich jedoch schnell zurecht.  © Kochmedia/NIS America

Eine gute Geschichte wäre jedoch nichts ohne ein gutes Kampfsystem. 

Auch hier weiß "The Legend of Heroes" zu überzeugen. Die Gefechte laufen wie in vielen anderen Vertretern rundenbasiert ab. 

Auf dem übersichtlichen Bildschirm ist jederzeit ersichtlich, wer an der Reihe ist und welche Aktionen durchgeführt werden können. 

Neben diversen Magieangriffen, die je nach Position auch extremen Flächenschaden verursachen, sollte besonders auf die Spezialangriffe ein großer Augenmerk gelegt werden, die ebenfalls je nach Ausrüstung und Energiepegel unterschiedlich ausfallen können. 

Das ist allerdings noch längst nicht alles: Wer einmal hinter die Komplexität der Kämpfe blickt, wird feststellen, dass auch Stoßrichtungen, Ausweich- und Trefferwahrscheinlichkeiten sowie Waffen-, Elementar- und Statusanfälligkeiten von Bedeutung sind. 

Die Kämpfe werden durch die Variationen nie langweilig. Wem die Gefechte auf Anhieb zu holprig sind oder wer bei einem Bossgegner doch mal ins Schlucken kommt, kann zwischen einem der fünf Schwierigkeitsgrade jederzeit wechseln. 

Und sonst? "The Legend of Heroes" führt Euch nicht einfach von Kampf zu Kampf oder von einem Storyabschnitt zum nächsten. Unterwegs wird auch mal in gigantischen Mechs gekämpft, Ihr erledigt Nebenaufgaben, die allerdings teilweise zäh und linear ablaufen und steigt nebenher in der militärakademischen Karriereleiter immer weiter auf. Wer es auf die Perfektion seiner Ausrüstung abgesehen hat, kann teils Stunden in den Menüs oder bei der Herstellung bestimmter Quarze verbringen. Der Rest geht Angeln, kocht in der Küche oder spielt Karten.

Die Geschichte besticht immer wieder durch kluge Wendungen. Besonders die letzten Stunden bis hin zum Finale sind absolut fantastisch.
Die Geschichte besticht immer wieder durch kluge Wendungen. Besonders die letzten Stunden bis hin zum Finale sind absolut fantastisch.  © Kochmedia/NIS America

Fazit: "The Legend of Heroes: Trials of Cold Steel 3" ist ein fantastisches Rollenspiel, das auf dem westlichen Markt leider noch viel zu unbekannt ist. Wer kein Problem damit hat, dass die Texte lediglich auf Englisch oder Französisch verfügbar sind, wird schnell tief in die epische und gemächlich erzählte Welt der Charaktere eintauchen. Was Entwickler Nihon Falcom an Umfang in das Abenteuer gepackt hat, sei besonders zu erwähnen. Wer Pause vom Storystrang braucht, beschäftigt sich einfach mit einer der duzenden Nebenaufgaben und kann dabei locker 70 Stunden versenken.

Besitzer einer Playstation 4 kommen bereits im Herbst dieses Jahres in den Genuss des abschließenden vierten Teils der Reihe. Wer das Japano-Rollenspiel nach dem Abschluss von Teil drei auf seiner Switch weiterführen möchte, muss allerdings noch mindestens ein Jahr warten.

Titelfoto: Kochmedia/NIS America

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