"Trials of Mana" im Test: Nostalgie und Rollenspiel-Action mit Charme

Japan - Als Square Enix 2018 die Neuauflage des bei Rollenspiel-Fans ungemein beliebten "Secret of Mana" auf den Markt brachte, waren die Erwartungen natürlich riesig. Das Abenteuer von Randi, Prim und Popoi endlich in 3D - was sollte da schon schief gehen? Nun, gefühlt alles. Denn das Remake präsentierte sich derart lieblos und fehlerhaft, dass die Spieler im Netz auf die Barrikaden gingen, wurde doch ihr Nostalgie-Erlebnis zu einem Horror-Trip. Zwei Jahre später möchte Square mit dem geistigen Nachfolger "Trials of Mana" seinen Fehler wieder ausbügeln. Ob das gelungen ist, erfahrt Ihr im Test.

Durand ist einer von sechs spielbaren Charakteren. Er hat es sich zur Aufgabe gemacht, der größte Schwertkämpfer der Welt zu werden.
Durand ist einer von sechs spielbaren Charakteren. Er hat es sich zur Aufgabe gemacht, der größte Schwertkämpfer der Welt zu werden.  © Square Enix

Dem westlichen Markt blieb "Trials of Mana" im Gegensatz zu seinem berühmten Vorgänger lange Zeit verborgen. Erst 2019 im Zuge der Veröffentlichung der "Collection of Mana" für die Nintendo Switch kamen Rollenspielfans in den Genuss des Pixelabenteuers, sofern man natürlich auf Retro-Spiele stand. 

Kaum ein Jahr später versucht Square Enix mit der Neuauflage eine breitere Rollenspielergemeinde zum Kauf anzuregen. Nicht wenige dürften aufgrund der verkorksten Umsetzung des Vorgängers mit genügend Skepsis vor dem Verkaufsregal stehen. Verständlich, aber "Trials of Mana" macht tatsächlich vieles besser!

Die Geschichte zeigt sich im typischen Japano-Flair: Der Mana-Baum stirbt, die Welt geht unter, eine böse Macht will das ausnutzen und eine Heldentruppe macht sich auf den Weg, um genau das zu verhindern. 

Dafür benötigen sie nicht nur die Hilfe verschiedener Elementargeister, sondern auch das sagenumwobene Mana-Schwert, was natürlich nicht im nächsten Trödelmarkt zu erwerben ist. 

Dem Spieler stehen zu Beginn sechs Charaktere zur Auswahl, von denen einer zum Protagonisten mit komplett spielbarer Vorgeschichte gekürt wird. Weiterhin dürft Ihr zwei weitere Mitglieder der Truppe hinzufügen, um die Partie zu vervollständigen. Innerhalb der ersten Spielstunden gesellt sich die gesamte Gruppe dann zusammen - über Rückblenden wird erklärt, weshalb sie Euch auf Eurer Reise begleiten. Die fehlenden drei Charaktere begegnen dem Spieler später innerhalb der Story als Nebendarsteller. 

Heißt im Klartext: Solltet Ihr Euch für einen zweiten Durchgang entscheiden, könnt Ihr eine komplett neue Kampftruppe auswählen. Da Ihr deren Fähigkeiten und Hintergründe kaum kennt, ist der Wiederspielwert natürlich hoch.

Viel Action, wenig taktische Substanz

In den Kämpfen geht es durch Button-Mashing ordentlich zur Sache. Die taktische Tiefe hält sich dabei in Grenzen.
In den Kämpfen geht es durch Button-Mashing ordentlich zur Sache. Die taktische Tiefe hält sich dabei in Grenzen.  © Square Enix

"Trials of Mana" ist kein Open-World-Rollenspiel mit großer Entscheidungsfreiheit. Vielmehr werdet Ihr ständig an die Hand genommen. Ein kleiner Stern zeigt Euch stets, wo Ihr als Nächstes hin müsst. Ob Wüstenoase, Vulkan, Schlosslandschaft oder verwinkelte Höhlen: Die Schauplätze sind vielfältig. 

Dennoch werdet Ihr alte Orte immer wieder besuchen müssen. Grafisch reist das Spiel dabei keine Bäume aus, jedoch besticht es immer wieder mit seinem speziellen Charme. 

Wer zum ersten Mal die tanzenden Verkäufer gesehen hat, fragt sich zwangsläufig, ob bei der Entwicklung des Spiels spezielle Substanzen mitgewirkt haben. Das Design der Monster ist ausgefallen und wird Euch immer wieder ein Lächeln ins Gesicht zaubern. Und da wäre ja noch der Kaktusfratz: Die Pflanze mutiert mit der Zeit zu Eurem besten Freund, je nachdem, ob Ihr ihn auch findet. Er versteckt sich überall in den Gebieten - habt Ihr ihn oft genug entdeckt, winken Belohnungen wie mehr Erfahrung und leichtere Flucht aus Kämpfen.

Apropos Kämpfe: Habt Ihr etwas trainiert und neue Fähigkeiten freigeschaltet, geht es teils ordentlich zur Sache. Vorbei sind die "Secret of Mana"-Zeiten, als beim Echtzeitkampfsystem nach einem Schlag gewartet werden musste, bis der nächste Hieb ausgeteilt werden kann. Jetzt werden Gegner anvisiert, mit normalen oder stärkeren Schlägen vermöbelt oder per Spezialfähigkeit malträtiert. Das macht teils mächtig Spaß, auch wenn der eigentliche Anspruch nicht sehr hoch ist.

Ein rot unterlegtes Feld zeigt Euch früh genug an, wo die Angriffe Eurer Gegner landen werden. Das gibt Euch genug Zeit, per Rolle auszuweichen und für den nächsten Schlag neu anzusetzen. Auch die zahlreichen Bosse sind nicht mit sonderlich viel taktischer Tiefe versehen. Je nachdem, aus welchen Mitspielern Eure Partie besteht, kloppt Ihr meist einfach so lange auf den Oberschurken ein, bis er das Zeitliche segnet. 

Da Ihr in "Trials of Mana" zahlreiche Fähigkeiten erwerbt und nach bestimmten Zeiten eure Klasse wechseln könnt, um noch effektivere Angriffe zu lernen, wurde hier viel Potenzial verschenkt, die Auseinandersetzungen mit mehr Tiefe zu versehen.

Fazit zu "Trials of Mana": Lohnt sich der Kauf?

Alle spielbaren Charaktere verfügen über schmerzhafte Spezialangriffe. Prinzessin Resi zeigt einem Boss gleich, dass mit ihr nicht gut Kirschen essen ist.
Alle spielbaren Charaktere verfügen über schmerzhafte Spezialangriffe. Prinzessin Resi zeigt einem Boss gleich, dass mit ihr nicht gut Kirschen essen ist.  © Square Enix

Nach etlichen Spielstunden stellte sich beim Test die Frage ein, ob "Trials of Mana" nun verdammt viel richtig oder verdammt viel falsch macht. Im Grunde hält es sich tatsächlich die Waage.

Geht man in ein neues Gefecht und startet einen perfekt platzierten Rundumschlag, während Eure Begleiter intelligent Zauber und Angriffskombo ausführen, sodass alle vier Kontrahenten sofort von der Bildfläche verschwinden, dann erwischt man sich durchaus schnell mit einem gehässigen Grinsen vor dem Bildschirm. An anderer Stelle wiederum hängen besagte intelligente KI-Begleiter an Bäumen oder in einem Lavastrudel fest, während Ihr von viel zu niedlich aussehenden Fellknäueln versteinert werdet.

Oft bringen Euch dümmliche Szenen wie die Kanonenschnellreise beabsichtigt zum Schmunzeln, während die Inszenierung mancher Charaktere für verständnisloses Kopfschütteln sorgt. 

Ein Beispiel: Prinzessin Resi sucht in ihrem Storystrang nach ihrem Bruder, der zwei bösartigen Zwillingen auf den Leim gegangen ist. Nachdem es in der Folge zur großen Katastrophe kommt und Resi die Spießgesellen stellen kann, entschuldigt sich ihr Bruder weinend für sein Vergehen und freut sich auf die sichere Obhut seiner Schwester. Diese scheint allerdings kurz ihr Gehirn verloren zu haben, lässt ihren Bruder bei den bösen Buben allein, um zu ihrem Vater zu eilen. Die Folge: Der Bruder wird natürlich entführt und Resis Kernaufgabe ist fortan, ihren Bruder zu suchen. Wer bitte lässt sich so etwas einfallen?

Fazit: Square Enix hat mit "Trials of Mana" nach dem Vorgängerdebakel definitiv für Wiedergutmachung gesorgt. Der Nachfolger zeigt sich in vielen Belangen gereifter, schafft einen guten Spagat zwischen Nostalgie und moderner Neuauflage und kann an mancher Stelle durchaus begeistern. Dennoch ist nicht alles gelungen: Den Kämpfen fehlt es leider an einer gewissen Tiefe, die Geschichte ist nicht wirklich fesselnd und hat gerade bei der Inszenierung einige Macken. Trotzdem hatten wir dank der funktionierenden Technik und der witzigen Präsentation mitunter viel Spaß beim Zocken. Am Ende ist es wie so oft Geschmacksache. 

Zu Beginn des Spiels wählt Ihr aus sechs Charakteren aus. Der Wiederspielwert ist hoch, könnt ihr doch beim zweiten Durchgang eine komplett neue Partie auswählen.
Zu Beginn des Spiels wählt Ihr aus sechs Charakteren aus. Der Wiederspielwert ist hoch, könnt ihr doch beim zweiten Durchgang eine komplett neue Partie auswählen.  © Square Enix
Diese kleine Pflanze wird schnell Euer bester Freund: Der Kaktusfratz versteckt sich überall in der Spielwelt. Findet Ihr ihn oft genug, winken tolle Belohnungen.
Diese kleine Pflanze wird schnell Euer bester Freund: Der Kaktusfratz versteckt sich überall in der Spielwelt. Findet Ihr ihn oft genug, winken tolle Belohnungen.  © Square Enix

Wer pompöse Grafik und eine umfangreiche Geschichte braucht, der greift lieber zum kürzlich erschienenen "Final Fantasy VII Remake". Wem ein charmanter Look und etwas Button-Mashing beim Kämpfen reicht, der kann bei "Trials of Mana" für PS4 und Nintendo Switch bedenkenlos zugreifen.

Titelfoto: Square Enix

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