Maquette im Test: Ein Videospiel für die Generation Escape Room

Leipzig - Mit "Maquette" wirft nun auch das junge Entwicklerstudio Graceful Decay seinen Hut in den Ring der beliebten Walking-Simulatoren. Das Fundament weiß zu überzeugen, obendrauf gibt es sogar noch eine unglaublich spannende Spielidee. Schade, dass unser Eindruck dann doch ziemlich frustrierend ausfiel.

Mit dem Walking-Simulator "Maquette" erschien nun das Debüt des Entwicklerstudios Graceful Decay. Das bietet nicht nur die üblichen Genre-Elemente, sondern bedient sich gleichzeitig noch des Prinzips der Rekursion.
Mit dem Walking-Simulator "Maquette" erschien nun das Debüt des Entwicklerstudios Graceful Decay. Das bietet nicht nur die üblichen Genre-Elemente, sondern bedient sich gleichzeitig noch des Prinzips der Rekursion.  © Graceful Decay/Annapurna Interactive

Walking-Simulatoren haben in den vergangenen Jahren einen besonderen Platz im Herzen der Videospiel-Community eingenommen.

Man nehme eine interessante Story, eine liebevoll gestaltete Spielwelt und eine kleine Prise Rätsel-Spaß, schon hat man ein solides Spiel für all jene, die nach der Arbeit ein wenig abschalten wollen. Titel wie "Firewatch", "The Stanley Parable" oder "Everybody's gone to the Rapture" wurden mit diesem Rezept zu weit mehr als nur kleinen Geheimtipps.

Mit "Maquette" versucht nun auch das noch junge Entwicklerstudio Graceful Decay, auf diesen Zug aufzuspringen. Im Vorfeld konnte immerhin schon einmal Publisher Annapurna Interactive ("What Remains of Edith Finch", "Solar Ash") überzeugt werden, die Veröffentlichung zu übernehmen.

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Verständlich, möchte man sagen, denn die Grundelemente eines Walking-Simulators liefert "Maquette" ohne Frage. Die Spielwelt ist schön gestaltet und bietet definitiv ihre Wow-Momente. Die Story um die Beziehung eines Paares mag nicht unbedingt überraschen, überzeugt jedoch durch seinen persönlichen Touch und in Verbindung mit der Spielwelt.

Vor allem aber die Rätsel waren es, die mich auf "Maquette" aufmerksam werden ließen, denn hier bietet Graceful Decay eine äußerst spannende Idee: Das Spiel mit dem Prinzip der Rekursion, wie sie es selbst beschreiben.

Eine unglaubliche spannende Spielidee...

Von jedem Element in "Maquette" gibt es größere und kleinere Versionen. Zum Teil lassen diese sich sogar durch Perspektivwechsel erschaffen. Das Spiel wendet das Prinzip auf all seine Rätsel an. Hier haben wir beispielsweise einen Schlüssel zur Brücke umfunkioniert.
Von jedem Element in "Maquette" gibt es größere und kleinere Versionen. Zum Teil lassen diese sich sogar durch Perspektivwechsel erschaffen. Das Spiel wendet das Prinzip auf all seine Rätsel an. Hier haben wir beispielsweise einen Schlüssel zur Brücke umfunkioniert.  © Graceful Decay/Annapurna Interactive

Ihr habt bestimmt schon mal in einem Spiegellabyrinth gestanden und plötzlich unzählige Kopien von Euch gesehen, die mit größerem Abstand immer kleiner wurden.

Ähnlich funktioniert es in "Maquette": Von jedem Element, das Ihr in einem Level findet, gibt es unzählige größere und kleinere Versionen. Interagiert Ihr mit einem Element, indem Ihr es beispielsweise wegtragt, geschieht dasselbe auch mit seinen größeren und kleineren Versionen.

Damit jedoch nicht genug, denn auch von den Leveln selbst gibt es wiederum größere und kleinere Versionen. Einige Elemente, wie beispielsweise Schlüssel, können sogar zwischen diesen Level-Versionen hin und her bewegt werden, um sie so für verschiedene Hindernisse neu zu verwenden. Ein Schlüssel kann so nicht nur eine Tür öffnen, sondern beispielsweise auch als Brücke oder Rampe genutzt werden.

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Die Möglichkeiten sind riesig und fordern wirklich Euer räumliches Vorstellungsvermögen.

Wenn es nur nicht so frustrierend wäre

Auch die Spielwelt wurde mit viel Liebe gestaltet und bietet einige beeindruckende Momente. Schade, dass gerade die Rätsel auf Dauer doch sehr frustrieren.
Auch die Spielwelt wurde mit viel Liebe gestaltet und bietet einige beeindruckende Momente. Schade, dass gerade die Rätsel auf Dauer doch sehr frustrieren.  © Graceful Decay/Annapurna Interactive

"Maquette" legt seinen Fokus wirklich auf die Rätsel, schießt damit jedoch leider etwas übers Ziel hinaus.

Das Spiel erklärt seine Regeln nicht, wodurch ich bei meinem Test immer wieder im Dunkeln getappt bin. Klar, zu einem Walking Simulator gehört auch die Erkundung, aber um ehrlich zu sein: Hätte ich Teile des ersten Levels nicht bereits vorab in einem Trailer gesehen, würde ich wohl noch immer darin festhängen. Und hätten Gracful Decay nicht einen Walkthrough mitgeschickt, hätte ich mich definitiv nicht bis ins letzte Level gekämpft.

Hinzu kommen einige Passagen, die ohne Trial and Error meiner Meinung nach nicht lösbar waren. Muss ich dann auch noch auf die teils hakelige Steuerung bauen, ist zumindest bei mir ganz schnell die Frustgrenze erreicht. Tut mir Leid, aber wenn das Spiel schon auf seinen Sprung setzt, warum bekomme ich dann nur so einen kleinen Hopser vorgesetzt!?

Obendrauf gab es zumindest auf der PS4 immer wieder Framerate-Einbrüche, sobald eine neue Sequenz geladen hat. Davon abgesehen macht das Spiel jedoch einen soliden Eindruck.

Fazit:

"Maquette" ist das Spiel für all diejenigen, die vor Corona ihre Wochenenden in Escape Rooms verbracht und dort jeden Hinweis dreimal unter die Lupe genommen haben. Wer das nicht kann und beim Thema Rätsel ohnehin schon zurückschreckt, sollte die Finger davon lassen. Schade, denn das Prinzip der Rekursion, auf dem "Maquette" aufbaut, ist als Spielelement unglaublich spannend und auch die Welt hatte mich an so einigen Stellen wirklich begeistert.

Wer allerdings einen entspannten Walking-Simulator von "Maquette" erwartet, dem kann ich nur davon abraten. Dafür war das Frustpotenzial dann doch zu groß.

Titelfoto: Graceful Decay/Annapurna Interactive

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