Mario Kart Live im Test: Kann das wirklich funktionieren?

Leipzig - Allerspätestens seit der Nintendo Wii wissen die meisten Gaming-Liebhaber, dass die Japaner für ungewöhnliche Spielkonzepte stehen. Der neueste Teil der beliebten "Mario Kart"-Reihe bildet dabei keine Ausnahme. Wie sich Rennen fahren im Wohnzimmer anfühlt, erfahrt Ihr im Test.

Auf der Switch steuert Ihr Euer Kart - in Eurem Wohnzimmer flitzt Mario zeitgleich über die Piste.
Auf der Switch steuert Ihr Euer Kart - in Eurem Wohnzimmer flitzt Mario zeitgleich über die Piste.  © Screenshot/Nintendo

"Mario Kart" steht seit vielen Jahren für absoluten Spielspaß! Der Funracer erblickte 1992 das erste Mal das Licht der Welt. Seitdem gab es zahlreiche Veröffentlichungen auf den unterschiedlichsten Nintendo-Plattformen. 

Für die aktuelle Konsolengeneration wurde "Mario Kart 8" von der unbeliebten Wii U portiert - ein eigenständiger Switch-Titel der Reihe fehlte daher leider bislang. Seit kurzer Zeit hat sich das geändert.

Mit "Mario Kart Live: Home Circuit" steht nun ein neuer Titel am Start, der alles andere als eine typische Fortsetzung der Reihe ist.

Schon beim Ankündigungstrailer vor gut zwei Monaten war klar, dass "Live" sich von seinen Vorgängern abheben wird. 

Denn statt einer reinen Bedienung am Bildschirm steuert Ihr ein Kart direkt durch Euer Wohnzimmer. Der Augmented Reality-Ansatz im ersten Trailer sorgte bei vielen Fans für strahlende Gesichter. 

Doch wie stellt sich das Ganze nun tatsächlich dar? Einen Regenbogen-Boulevard in den eigenen vier Wänden nachzubauen wäre vermutlich keine gute Idee. Wir haben uns daher die Rennspiel-Simulation einmal genauer angeschaut.

Ein geniales Konzept

In der Luigi-Version steuert Ihr den Bruder des Klempners. Was die Dekoration der Strecke betrifft, sind der Fantasie keine Grenzen gesetzt.
In der Luigi-Version steuert Ihr den Bruder des Klempners. Was die Dekoration der Strecke betrifft, sind der Fantasie keine Grenzen gesetzt.  © Screenshot/Nintendo

Die Spieler wieder etwas mehr ins echte Leben zu holen, hat Nintendo in der jüngeren Vergangenheit schon öfters versucht. Mit "Labo" wurden die Spieler animiert, die Gaming-Utensilien aus Pappe nachzubauen. 

Diese findet sich auch in "Mario Kart Live" wieder. In einem Set sind vier Tore und zwei Wegweiser aus Pappe enthalten und bilden sozusagen den Grundriss Eurer zukünftigen Bahn. Die Aufsteller sind vorgefertigt und leicht zu entfalten. 

Nachdem die entsprechende Spielesoftware aus dem Store heruntergeladen wurde, wird Euch Schritt für Schritt erklärt, was Ihr tun müsst. Euer reales Kart wird mittels Kamera und QR-Code angemeldet. 

Nachdem ein obligatorisches Führerscheinbild von Euch geschossen wurde, kann es eigentlich auch schon ans Aufbauen gehen.

Die Papp-Tore sind nummeriert: Die Kamera am Kart erkennt die entsprechenden Zahlen. Egal wie Ihr Eure Strecke baut, die Tore müssen nach der festgelegten Reihenfolge passiert werden. Ansonsten kann man bei der Erstellung der Strecke seiner Fantasie freien Lauf lassen!

Egal ob Stuhl, Tisch oder auch Wäscheständer: Mario flitzte bei der Testfahrt gekonnt an zahlreichen Hindernissen vorbei, die wir ihm in den Weg gelegt hatten. Damit das Ganze aber auch reibungslos klappt, wird die erstellte Strecke  erst mit einer Proberunde gescannt. Fortlaufend ist die Bahn zum Beispiel auch für einen Cup nutzbar.

Leider noch zu viele Macken

Je nach Cup passt sich die Spielwelt auf Eurem Bildschirm entsprechend an. Piraten-Mario bewirft seine Kontrahenten gleich mit einer Bombe.
Je nach Cup passt sich die Spielwelt auf Eurem Bildschirm entsprechend an. Piraten-Mario bewirft seine Kontrahenten gleich mit einer Bombe.  © Screenshot/Nintendo

Schon nach wenigen Runden hatten wir viel Spaß beim Testen! Schaut man nur auf das Kart, dreht es dank unserer Bedienung elegant seine Runden durch die Wohnung. Auf dem Bildschirm geht jedoch die wahre Action ab! 

Wie in den anderen Vertretern der Reihe sammeln wir rote Panzer, werfen Bananen auf die Strecke und versuchen Baby Bowser spätestens auf der Zielgeraden einzuholen. Je nach Strecke stellen sich uns zudem zum Beispiel Geister oder Fische in den Weg. Dabei kommt das Gefühl eines "echten Mario Kart" schnell auf. 

Stockt dann aber plötzlich das Kamerabild oder ein Hindernis taucht erst zu spät auf dem Bildschirm auf, während unser Kart im Hintergrund bereits mit einem "Klonk" gegen das Tischbein gefahren ist, kommt schnell Ernüchterung auf. Entfernt sich der Flitzer zu weit von der Switch, kann der Empfang ganz schnell einmal abbrechen. 

Auch Wände oder breitere Hindernisse sorgten für Ruckler. Nintendo empfiehlt, dass Kart und Controller nicht weiter als fünf Meter auseinander sind. Gerade wenn Ihr zu zweit unterwegs seid und eine etwas umfangreichere Strecke gebaut habt, kann es da leider zum frustrierenden Chaos kommen. Eine Sache, an der Nintendo noch unbedingt arbeiten sollte.

Inhaltlich gibt es zahlreiche freischaltbare Sachen wie Karts, Kostüme oder Hupen. Bei der Streckenauswahl sind einige der beliebtesten Bahnen der letzten Jahre vertreten. Nach ein paar Stunden Spielzeit traten bei uns trotzdem Ermüdungserscheinungen auf. Wohnt man nicht gerade in einem Palast und kann mit ein paar spektakulären Streckenvariationen aufweisen, merkt man doch recht schnell, dass die Möglichkeiten begrenzt sind und ein paar Touren auf virtuell vorgegebenen Runden schon ganz geil wären.

Fazit: Nintendo hat es wieder einmal geschafft, mit einem einzigartigen Konzept auf den Markt zu gehen. Das reale Kart per Switch-Fernsteuerung zu kontrollieren und zeitgleich gegen virtuelle Gegner auf dem Bildschirm anzutreten, ist schlichtweg genial. Allerdings hapert es bei dem Konzept noch an ein paar Kinderkrankheiten. Zu große Entfernung (mehr als fünf Meter) zwischen Kart und Switch sorgten schon für Ruckler und Verbindungsabbrüche. Zudem landete das Live-Bild der Kartkamera ein paar Mal etwas später auf dem TV, sodass wir gegen Hindernisse fuhren, ohne sie bereits auf dem Display gesehen zu haben. Eigene Strecken im Wohnzimmer bauen macht viel Spaß - jedoch sind die Möglichkeiten am Ende trotzdem begrenzt und können nie die Vielfalt erreichen, die vorgegebene virtuelle Strecken erzielen können.

Am Ende bleibt zu sagen, dass "Mario Kart Live" unglaublich viel Potenzial hat. Mit einigen Anpassungen und Nachbesserungen könnte der Klempner erneut der King im Kinderzimmer werden. Damit das aber auch für die breite Masse klappt, sollten die Japaner noch etwas am Preis schrauben: 120 Euro Neupreis sind dann doch etwas arg viel.

Titelfoto: Screenshot/Nintendo

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