New World im Test: Ist der riesige Hype um das Amazon-MMO berechtigt?

Leipzig - Einen derartigen Hype hat man in der Gaming-Community wohl schon lange nicht mehr erlebt: Als in der vergangenen Woche endlich das langersehnte Massively Multiplayer Online Game (MMO) "New World" an den Start ging, stürzten sich die Spieler nur so ins Abenteuer. Doch ist all die Aufregung berechtigt? TAG24 hat's getestet.

Dem "New World"-Abenteuer kann man sich entweder als Solo-Gamer oder gemeinsam mit anderen Spielern stellen.
Dem "New World"-Abenteuer kann man sich entweder als Solo-Gamer oder gemeinsam mit anderen Spielern stellen.  © Amazon Game Studios

Am Launch-Tag (28. September) legte das neueste Spiel der Amazon Game Studios mit mehr als 700.000 Nutzern einen bombastischen Start hin.

Doch ebenso groß wie der Hype waren auch die Probleme, die sich auftaten: Die Server waren gnadenlos überlastet, teilweise musste man mit stundenlangen Warteschlangen rechnen.

Um der Frustration der Gamer Einhalt zu gebieten, kündigten die Entwickler inzwischen weitere Server mit höheren Kapazitäten an.

Den bisher von Flops gebeutelten Amazon Game Studios dürfte viel daran liegen, die Spielerschaft zufriedenzustellen: Die Lust auf neue, frische MMORPGs ist riesig, und mit "New World" könnte es ihnen gelingen, sich in der Marktlücke zu etablieren.

Schafft man es, die Warteschlangen zu überwinden, wird man direkt auf die Insel Aeternum befördert, die von einer mysteriösen Verderbnis heimgesucht wird. Menschen werden zu untoten Monstern, der eigene Charakter ist der einzige Auserwählte, der das Grauen stoppen kann - man kennt das Prinzip.

Bis die Welt von der Verderbnis befreit werden kann, liegt allerdings ein weiter Weg vor dem Gamer: Durch Crafting, PvP und Belagerungsschlachten levelt man seine Figur und die Ausrüstung immer weiter auf. Action ist also garantiert - bei alldem gilt jedoch der entspannte Grundsatz: "Alles kann, nichts muss".

Man kann also vollkommen frei entscheiden, an welchen PvP-Kämpfen oder Quests man teilnehmen möchte, stattdessen darf man nach Gusto die Insel erkunden. Dieses Konzept wird jedoch nicht allen Spielern gefallen.

Lebhaftes Game-Design, schwache Quests

Die Städte der Insel Aeternum, in denen alle Spieler zusammentreffen, sind Quellen des Lebens: Die Geräuschkulisse und bunten Farben überzeugen auf ganzer Linie.
Die Städte der Insel Aeternum, in denen alle Spieler zusammentreffen, sind Quellen des Lebens: Die Geräuschkulisse und bunten Farben überzeugen auf ganzer Linie.  © Amazon Game Studios

In den Städten und deren Umgebung wimmelt es nur so von Spielern, die craften, handeln oder Rohmaterialien sammeln. An Lebhaftigkeit sind diese Szenen kaum zu übertreffen, wozu auch das tolle Sound-Design und die bunte Grafik beitragen.

Während der Look und die Open World also durchaus überzeugen, mangelt es "New World" in Sachen Quest-Design und Storybuilding leider sehr an Raffinesse und Kreativität.

Egal, welche Quest man annimmt, den Spieler erwartet unweigerlich eine von drei Szenarien: 1. Bringe ein paar Untote um die Ecke, 2. Durchsuche ein paar Kisten, 3. Sammle ein paar Materialien. Abwechslung? Leider Fehlanzeige.

Dazu kommt, dass man für diese stumpfen Missionen oft viel zu weite Strecken zurücklegen muss - einen Großteil des Games verbringt man also einfach mit Laufen, da es bisher noch dazu keine Mounts für schnellere Fortbewegung gibt. Das kann durchaus öde werden.

Glücklicherweise gibt das "New World"-PvP einiges her, sodass man sich abseits der Quests je nach Lust und Laune innerhalb seiner Fraktion nach oben arbeiten, gemeinsam mit Mitstreitenden um Städte kämpfen oder Dungeons erkunden kann. So wird es einem selbst überlassen, was man aus seinem Spiel macht - einen roten Faden, also eine wirkliche Storyline mit vorgegebenen Handlungen, sucht man jedoch vergeblich.

Gemeinsam mit Mitgliedern seiner Fraktion kann man Belagerungsschlachten durchführen, um die Macht über bestimmte Gebiete zu erlangen.
Gemeinsam mit Mitgliedern seiner Fraktion kann man Belagerungsschlachten durchführen, um die Macht über bestimmte Gebiete zu erlangen.  © Amazon Game Studios

Ein erstes Fazit der TAG24-Redaktion

Ein finales Fazit von "New World" wird angesichts der vielen Features und Open World erst nach mehreren Wochen Spielzeit möglich sein, besonders im Hinblick auf Endgame, Story-Entwicklung und Langlebigkeit.

Dennoch steht bereits jetzt fest: MMO-Fans werden hier dank des simplen Kampf-Systems und den zahlreichen verschiedenen Aufgabengebieten ohne Frage auf ihre Kosten kommen. Das Aufleveln der eigenen Figur bietet dabei einen hohen Suchtfaktor, ebenso wie das Zusammenspiel mit anderen Nutzern und die (wenn auch mühsame) Entdeckung der Insel.

Ein solches freies und selbstständiges Gameplay ist aber nicht für jeden Spieler das richtige: Wer auf der Suche nach einer tiefgründigen Story, anspruchsvollen Denkaufgaben oder wirklicher Tiefe ist, bei dem dürfte "New World" vermutlich bereits nach wenigen Stunden zu Langeweile führen.

Titelfoto: Amazon Game Studios

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