Outriders im Test: Am Anfang "Hui!", am Ende... "Na ja"

Leipzig - "Outriders" hatte es bisher wirklich nicht leicht: Als Loot-Shooter im Sci-Fi-Gewand angekündigt musste sich das neue Spiel aus dem Hause Square Enix bereits früh mit den großen Genre-Vertretern vergleichen lassen - und kam dabei wenig gut weg. Nun ist der Titel endlich da und bietet einige durchaus gute Ideen. Warum unser Tester Eric Mittmann dann doch enttäuscht war, erfahrt Ihr im Text.

Mit "Outriders" versuchen Publisher Square Enix und Entwickler "People Can Fly" im Genre der Loot-Shooter Fuß zu fassen. Keine leichte Aufgabe, zumal die Konkurrenz groß ist - und das Spiel nur mäßig überzeugen kann.
Mit "Outriders" versuchen Publisher Square Enix und Entwickler "People Can Fly" im Genre der Loot-Shooter Fuß zu fassen. Keine leichte Aufgabe, zumal die Konkurrenz groß ist - und das Spiel nur mäßig überzeugen kann.  © Square Enix

Ach, "Outriders", du hattest es bisher aber auch nicht einfach. Erst wurdest du mehrfach verschoben, deine Demo kam nur so mäßig gut an und dann waren da auch noch die ständigen Vergleiche mit Loot-Shooter-Platzhirsch "Destiny".

Nun bist du da und ich kann mich endlich intensiver mit dir auseinandersetzen, deine Story erleben, Kampf- und Verbesserungssysteme ausprobieren und mir dein Endgame anschauen. Und ich muss sagen: Da schlägst du dich gar nicht so schlecht - zumindest am Anfang.

In "Outriders" verschlägt es Euch auf den Planeten "Enoch", nachdem die Menschheit die Erde endlich komplett runtergewirtschaftet hat. Das Problem dabei: Die neue Heimat ist Euch nicht besonders wohl gesonnen. Ein mysteriöser Sturm geht um, der Menschen eher das Zeitliche segnen lässt oder sie mit Super-Fähigkeiten ausstattet. Space-Magic, daher auch der "Destiny"-Vergleich.

Vier Klassen stehen Euch nach Eurer unsanften Ankunft jedenfalls zur Verfügung:

  • Der "Devastator" ist ein Nahkampf-Tank, der seine Mitstreiter schützt und Erdbeben verursacht
  • Der "Pyromancer" nutzt Feuer, um seine Gegner auf mittlere Distanz in Asche zu verwandeln.
  • Der "Technomancer" fühlt sich eher auf Entfernung wohl und setzt auf Gagdets wie Säure-Kanonen
  • Der "Trickster" ist ein flinker Assassine, der die Zeit für seine schnellen Angriffe kontrollieren kann.

Jede Klasse fühlt sich ordentlich mächtig an und gerade zu Beginn ist es ratsam, mit Euren Fähigkeiten nicht zu sparen, wenn Eure Wummen noch nicht mithalten können.

Ohne Tüfteln wird's schnell öde

Unser Tester Eric hatte sich für den Trickster als Klasse entschieden. Der kann die Zeit kontrollieren, dadurch Kugeln oder ganze Gegner verlangsamen und sich blitzschnell hinter seine Opfer teleportieren.
Unser Tester Eric hatte sich für den Trickster als Klasse entschieden. Der kann die Zeit kontrollieren, dadurch Kugeln oder ganze Gegner verlangsamen und sich blitzschnell hinter seine Opfer teleportieren.  © Square Enix

Sind die Schießprügel allerdings einmal so weit, könnt Ihr auch damit ordentlich reinhauen. Gerade dank des äußerst liberalen Mod-Systems, bei dem Ihr so ziemlich alles miteinander kombinieren könnt, lassen sich so einige mächtige Ballermänner aufbauen.

Dasselbe gilt übrigens auch für Eure Fähigkeiten: Seid Ihr damit mal nicht zufrieden, könnt Ihr Euren Skill Tree einfach zurücksetzen, ohne Einbusen. "Outriders" lässt Euch unglaubliche Freiheiten und lädt damit wie kaum ein anderer Titel zum Experimentieren ein.

Experimentierfreude ist in "Outriders" auch geboten, ansonsten bemerkt Ihr leider ziemlich schnell, wie eintönig das Spiel eigentlich ist - und damit wären wir auch schon bei den Kritikpunkten.

Das geht bereits bei den Gegnern los, von denen es im Grunde nur zwei Typen gibt: Soldaten, die euch aus der Deckung beharken und Monster, die stumpf auf Euch zu stürmen. Die Vorgehensweise ist dabei immer dieselbe: Ihr bleibt in Bewegung und haltet drauf. Warum "Outriders" ein Deckungssystem bekommen hat, erschloss sich mir auch nach mehreren Spielstunden nicht.

In Bezug auf das Leveldesign wirkte es zumindest eher wie ein Klotz am Bein. Die Arenen sind immer der gleiche Einheitsbrei aus großen und kleinen Deckungsmöglichkeiten. Wirklich in Erinnerung blieb mir nur selten etwas.

Der größte Feind ist mal wieder die Kante

Investiert man jedoch ein paar Stunden in "Outriders" merkt man schnell, dass es abseits der coolen Fähigkeiten nicht allzu viel zu bieten hat, nicht mal im ebenfalls enthaltenen Koop.
Investiert man jedoch ein paar Stunden in "Outriders" merkt man schnell, dass es abseits der coolen Fähigkeiten nicht allzu viel zu bieten hat, nicht mal im ebenfalls enthaltenen Koop.  © Square Enix

Das alles wäre noch zu verkraften, würde das wichtigste in einem Loot-Shooter immerhin überzeugen: Der Loot. Auch hier musste ich jedoch schnell feststellen, dass mir das Gros der Knarren relativ schnell egal war - und die Rüstungen mitunter ziemlich übel aussahen.

Am Ende bin ich meist mit einer Schrotflinte losgezogen, um Probleme so schnell wie möglich zu klären und mich nicht mit dem unsäglichen Handling von Sniper, MG und so manchem Sturmgewehr befassen zu müssen.

Und dürfte ich an dieser Stelle kurz anfragen, warum mein Super-Mensch nicht springen kann? Ich bin das mächtigste Wesen des Universums, muss mich dann aber einer Kante geschlagen geben.

Die Story, von der ich anfangs noch wirklich viel erwartet habe, ist dann leider auch so kläglich umgesetzt, dass sie über all das nicht hinwegtäuschen kann. Die Dialoge sind platt, die Videosequenzen wirken zum Teil zusammengeschustert und so wirklich Fahrt will in all dem Weltuntergangsszenario auch nicht aufkommen.

Die Expeditionen im Anschluss an die Kampagne bieten zwar zumindest noch etwas Endgame-Gefühl, doch auch hier hat sich mir nicht erschlossen, warum ich das jetzt mehrfach spielen sollte.

Fazit:

Nein, "Outriders" hat es wirklich nicht leicht. Schon im Vorfeld seines Releases nicht und letztendlich auch nicht bei mir. Das Spiel bietet ein paar wirklich gute Ideen, gerade in Bezug auf sein Crafting- und Fähigkeitensystem. Damit ich mich damit befassen möchte, braucht es für mich aber auch ein überzeugendes Gameplay und genau da kann "Outriders" auf Dauer nicht liefern.

So folgte auf anfängliche Begeisterung leider doch ziemliche Enttäuschung. Schade, denn Potenzial hat "Outriders" durchaus.

Titelfoto: Square Enix

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