Bei "Sherlock Holmes: Chapter One" kommen Hobby-Detektive auf ihre Kosten

Leipzig - Bevor Sherlock Holmes als Meisterdetektiv Karriere machen konnte, musste er seinen Spürsinn und seine Kombinierungsgabe erst nach und nach beweisen - zumindest wenn man dem Game "Sherlock Holmes: Chapter One" Glauben schenken darf. Ob es dem Open World-Adventure gelingt, die Anfänge des wohl weltweit bekanntesten fiktiven Ermittlers glaubwürdig darzustellen, zeigt der TAG24-Test.

Sherlock (v.) und sein Begleiter Jon erkunden die bunte Welt Cordonas und gehen dort zahlreichen Rätseln auf den Grund. Abwechslung ist hier garantiert!
Sherlock (v.) und sein Begleiter Jon erkunden die bunte Welt Cordonas und gehen dort zahlreichen Rätseln auf den Grund. Abwechslung ist hier garantiert!  © Frogwares

Das Game stellt sozusagen das Prequel zu den bereits erschienenen "Sherlock Holmes"-Teilen des ukrainischen Entwicklerstudios "Frogwares" dar.

Als Ort des Geschehens wurde für "Chapter One" nicht etwa das altbekannte London, sondern die fiktive Mittelmeerinsel Cordona auserkoren.

Eine weitere Veränderung: An der Seite des 21-jährigen Detektivs befindet sich nicht etwa John Watson, sondern ein neuer Charakter namens "Jon". Was genau es mit ihm auf sich hat, wird erst allmählich im Spielverlauf klar.

Eigentlich wollten Sherlock und sein dauerhaft sarkastischer Begleiter ihrer alten Heimat Cordona lediglich einen kurzen Besuch abstatten - dieser Plan wird ihnen allerdings allzu schnell vereitelt.

Für die beiden Hauptfiguren und damit auch den Spieler gilt es, die Umstände rund um den Tod von Sherlocks Mutter Viola herauszufinden. Dieses Geheimnis stellt die Hauptstory dar und zieht sich bei einer Spielzeit von etwa 15 Stunden wie ein roter Faden durch das Game.

Hat man darauf gerade keine Lust, kann man sich natürlich auch im Rest der Open World austoben. Dort warten zahlreiche Rätsel, Intrigen und Verbrechen auf den Spürsinn des Meisterdetektivs. Cordona kommt hierbei wirklich gut weg und überzeugt mit bunten Farben, abwechslungsreichen Stadtteilen und diversen NPCs.

Sherlock muss an den Ort zurückkehren, an dem er aufwuchs: die Villa seiner Eltern auf der Insel Cordona.
Sherlock muss an den Ort zurückkehren, an dem er aufwuchs: die Villa seiner Eltern auf der Insel Cordona.  © Frogwares

Anspruchsvolle Quests zwar spaßig, aber auch oft frustrierend schwierig

Im Rahmen der Ermittlungen am Tatort können Sherlock und Jon die Fälle nachkonstruieren und so ganz ins vergangene Geschehen eintauchen.
Im Rahmen der Ermittlungen am Tatort können Sherlock und Jon die Fälle nachkonstruieren und so ganz ins vergangene Geschehen eintauchen.  © Frogwares

Dem Spieler werden unterschiedliche Möglichkeiten geboten, die Fälle zu lösen - von Spurenlesen über Labor-Analyse bis hin zur Recherche in Archiven stehen Sherlock jede Menge Ermittlungsansätze zur Verfügung. Zudem kann man sich je nach Umgebung passende Verkleidungen aussuchen.

Eine Sache ist jedoch in allen Situationen wichtig: Kombinationsgabe. "Sherlock Holmes: Chapter One" verkauft seine Spieler nicht für dumm, stattdessen wird auf ihr eigenes logisches Denken gesetzt.

Das stellt eine durchaus erfrischende Abwechslung zu anderen Games dar, die einen förmlich mit Tipps und Tricks überhäufen und so oft keine wirkliche Herausforderung mehr darstellen.

Genau hier liegt dann aber auch das Problem: Selbst im einfachsten Schwierigkeitsgrad sind einige der Aufgaben ohne Hilfestellungen fast unmöglich zu bewältigen, was unweigerlich zu Frustration führt. Hier erwarten die Entwickler teilweise zu viel von der Spielerschaft.

Fazit

"Sherlock Holmes: Chapter One" macht vieles richtig und strotzt nur so vor interessanten Charakteren sowie einer wunderschönen Open World. Besonders die Hauptstory rund um Sherlocks Mutter und das damit verbundene Eintauchen in seine Kindheit und Jugend überzeugen auf ganzer Linie.

Allerdings sollte sich darüber im Klaren sein, dass die Quests es wirklich in sich haben und von den Spielern beim Lösen und Erkunden jede Menge eigenständiges logisches Denken gefordert wird - was auf Dauer durchaus anstrengend sein kann.

Das Game kann also nur funktionieren, wenn man Sherlock und Co. seine volle Aufmerksamkeit schenkt. Halbherziges Zocken wird hier nicht belohnt, stattdessen muss man sich den anspruchsvollen Herausforderungen voll hingeben.

Titelfoto: Frogwares

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