The Dark Pictures: Little Hope im Test: Das perfekte Spiel zu Halloween?

Little Hope - Die Horror-Experten von Supermassive Games hauen wieder einen raus und entführen Euch, passend zu Halloween, ins beschauliche Little Hope, wo es zahlreiche Geheimnisse zu lüften gibt. Nach "Man of Medan" ist "The Dark Pictures: Little Hope" schon der zweite Teil der Anthology, der die teils gravierenden Fehler des Erstlings verbessern möchte. Ob das gelungen ist, erfahrt Ihr im Test.

Ein Lehrer, vier Studenten: Die neue Gruppe um Schauspieler Will Poulter hat sich im nebligen "Little Hope" verirrt.
Ein Lehrer, vier Studenten: Die neue Gruppe um Schauspieler Will Poulter hat sich im nebligen "Little Hope" verirrt.  © Screenshot: BANDAI NAMCO Entertainment

Endlich wieder Teenie-Trash-Horror! Zugegeben: Nach dem für mich katastrophalen "Man of Medan" hatte ich tatsächlich schon im Vorfeld wenig Hoffnung, dass "Little Hope" wirklich etwas besser machen könnte. 

Immerhin spielt aber einer meiner Lieblingsschauspieler, Will Poulter, die Hauptrolle und die Aufklärung eines uralten Hexenkults klang für mich spannender, als der ausgelutschte "Ghost Ship"-Verschnitt auf der "Man of Medan". 

Also ging es kurz vor Halloween rein ins Geschehen. Nach einer halben Stunde war klar: Es erwarten mich mehrere Episoden Fremdscham pur, gepaart mit teils so harten Logiklücken, dass der eigentliche Horror beim Zuhören der unfassbar hirnlosen Kommentare der Charaktere bestand. 

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Die Inszenierung der Geschichte könnte Klischeebeladener nicht sein und fühlt sich teilweise so an, als habe man "Silent Hill 2", "Scary Movie" und wahllos Wörter aus einem okkulten Buch in einen Topf geworfen und vermischt. 

Detailliert bedeutet das: Eine Gruppe aus fünf Leuten landet durch "Zufall" in einer vernebelten Kleinstadt und wird dort von getöteten Abbildern ihrer Selbst gejagt. Durch kurze Rückblenden in die Vergangenheit sollt Ihr herausfinden, ob eventuell ein kleines, völlig unschuldig dreinblickendes, schwarzhaariges Mädchen hinter all dem Spuk steckt. 

Ich verspürte den Drang, alle Charaktere qualvoll sterben zu lassen

Ein kleines, schwarzhaariges Mädchen in einem Horrorspiel: Ist sie wirklich böse oder doch nur die Unschuld vom Lande?
Ein kleines, schwarzhaariges Mädchen in einem Horrorspiel: Ist sie wirklich böse oder doch nur die Unschuld vom Lande?  © Screenshot: BANDAI NAMCO Entertainment

Ansonsten orientiert sich das Werk klar am Vorgänger und an Urvater "Until Dawn", das damals eigentlich eine ziemlich gute Figur machte. Warum das bei "Little Hope" nicht klappt, hat mehrere Gründe.

Der Storyverlauf hat immer wieder Lücken, ständig hat man das Gefühl, etwas verpasst zu haben, obwohl alle Charaktere noch am Leben sind. Das Schlimme ist: Das ist wohl beabsichtigt, um den Spieler zu animieren, in mehreren Durchläufen, wahlweise auch im Couch-Koop oder Online mit einem Partner, die Geschichte noch einmal neu zu erleben. 

Dadurch fühlt man sich aber an so vielen Stellen völlig vor den Kopf gestossen und als ob man überhaupt nicht gecheckt hat, was eigentlich gerade passiert ist. Im Test ist beispielsweise eine Charakterin gestorben, deren Rettung wir im Vorfeld gar nicht beeinflussen konnten. Eventuell wäre das mit einem Partner anders gewesen - aber was sagt das bitte über die Solo-Erfahrung aus?

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Traurig war ich allerdings nicht, dass einer der Teenies das Zeitliche segnete. Die Charaktere könnten allesamt unsympathischer und belangloser nicht sein, manche Kommentare passen so dermaßen nicht zum Spielgeschehen, dass man sich fragt, ob selbst die Synchronsprecher gerade viel lieber etwas anderes gemacht hätten. 

Entscheidungen haben gefühlt wenig Einfluss

Rückblicke katapultieren Euch immer wieder in die Vergangenheit. Dort ist die Angst vor Hexen sehr groß.
Rückblicke katapultieren Euch immer wieder in die Vergangenheit. Dort ist die Angst vor Hexen sehr groß.  © Screenshot: BANDAI NAMCO Entertainment

Spielerisch erwartet Gamer nicht viel. Ihr trefft Entscheidungen, die oftmals so absurd diffus angeteasert werden, dass Eure Intention eigentlich eine ganz andere war, als das, was der Charakter dann von sich gegeben hat.

Durch Quick-Time-Events (die seit dem zweiten Teil kurz vorher angedeutet werden), haltet Ihr Eure Gruppe (unfreiwillig) am Leben - die kurzen Abschnitte, in denen man sich frei bewegen kann, erschrecken maximal durch unsichtbare Wände und Clipping-Fehler nach jeder zweiten Cutscene. 

Selbst die Jumpscares, die definitiv das Highlight des Spiels darstellen, sind noch vorhersehbarer als beim Vorgänger. Gerade die Sequenzen, in denen Euch ein toter Geist anstarrt und einen Blick in die Vergangenheit gewährt, wiederholen sich zu oft. Somit umgeht "Little Hope" gekonnt die einzige Stärke, die es hatte.

Nach etwa vier Stunden ist der "Spaß" vorbei. In einer kurzen Abschlusssequenz wird angedeutet, wohin willige Spieler der dritte Teil entführen wird. 

Ob man mit "Little Hope" bis dahin allerdings nicht schon jeden verschreckt hat, sich auch noch den nächsten Ausflug zu Gemüte zu führen, bleibt abzuwarten.

Fazit: 

Ihr habt vor, Euch am Halloweenabend mit Freunden und seeeehr viel Alkohol zu betrinken und dabei stumpfsinnigen, belanglosen Charakteren beim virtuellen Sterben zuzusehen? Dann ist "The Dark Pictures: Little Hope" genau das richtige Spiel! Der Fremdscham-Faktor ist an manchen Stellen so unendlich hoch, dass man aus dem Lachen nicht so schnell herauskommt. 

Besonders ärgerlich finde ich bei solchen Spielen immer, wie viel Potenzial weggeschmissen wurde. Mit einer großen Portion mehr Feingefühl und einem Texteschreiber, der nicht offensichtlich unter hartem Drogeneinfluss stand, hätte "Little Hope" eine spannende Horrorerfahrung werden können. Grafisch wirkt der Titel bis auf die Clipping-Fehler sogar richtig gut. Mit Schauspieler Will Poulter hatte man zudem einen großen Fisch an der Angel, der dafür hätte sorgen können, dass man sich tatsächlich Gedanken um die Gruppe macht.

So bleibt am Ende jedoch eine peinliche Fortsetzung, die inhaltlich und spielerisch seinem schlechten Vorgänger "Man of Medan" in nichts nachsteht.

Titelfoto: Screenshot: BANDAI NAMCO Entertainment

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