The Medium schlägt auf der Playstation ein: Darum ist das Mystery-Spiel einen Blick wert!

Polen - Mit "Layers of Fear" und auch "Blair Witch" hat das Bloober Team in der jüngeren Vergangenheit bereits bewiesen, dass sie Gruselspiele drauf haben. In die gleiche Kerbe soll "The Medium" schlagen. Zunächst Xbox-exklusiv, erscheint der Titel nun auch für Sonys Playstation 5. Ob sich ein Kauf lohnt, erfahrt Ihr im Test.

Marianne ist die Hauptfigur aus "The Medium". Die weißen Haare zeigen dabei, dass diese Erscheinung ihre Geisterform ist.
Marianne ist die Hauptfigur aus "The Medium". Die weißen Haare zeigen dabei, dass diese Erscheinung ihre Geisterform ist.  © Bloober Team

Was macht ein gutes Horrorabenteuer aus? Diese Frage ist nur schwer für alle vollumfänglich befriedigend zu beantworten. Manche stehen mehr auf eine schaurige Atmosphäre, andere auf blutiges Gemetzel, und wieder andere brauchen alle drei Minuten einen fiesen Jumpscare.

Letztendlich musste sich das Bloober Team für ihr laut eigenen Angaben ambitioniertestes Projekt für eine Variante entscheiden. Und so ist "The Medium" ein eher ruhiges, dafür aber atmosphärisch sehr dichtes Adventure mit besonderer Ausstrahlung geworden.

Protagonistin Marianne findet sich nach einem Hilferuf im verlassenen NIWA-Ressort in Polen wieder. Wo heute vermutlich niemand mehr Urlaub machen würde, sucht das Medium nach Spuren ihrer eigenen Vergangenheit. Als Medium kann sie sich deshalb bezeichnen, weil unsere Hauptfigur mit einer besonderen Fähigkeit "gesegnet" ist.

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Leider ohne ihre willentliche Kontrolle wird ihr manchmal ein Blick in eine geisterhafte Parallelwelt gewährt. Spielerisch stellt sich das so dar, dass Ihr mit Objekten in beiden Welten agieren könnt, um die jeweils andere zu beeinflussen.

Im Zuge der Hauptgeschichte erlöst Ihr daraufhin so manche verlorene Seele von ihrem Leiden und trefft ein Geistermädchen namens Trauer, die in jedem Fall mehr ist, als sie zu Beginn den Anschein macht. Ach ja, und Ihr flieht in regelmäßigen Abständen vor einem Dämon, der Euch gerne "ausleiern" möchte (das sagt er wirklich so!) - wo wir auch schon bei den negativen Aspekten von "The Medium" wären.

Nervig, hakelig, repetitiv - und trotzdem gut?

Die Schauplätze von "The Medium" stellen definitiv das Highlight des Spiels dar. Allein das NIWA-Ressort ist unglaublich atmosphärisch.
Die Schauplätze von "The Medium" stellen definitiv das Highlight des Spiels dar. Allein das NIWA-Ressort ist unglaublich atmosphärisch.  © Bloober Team

Denn die Sequenzen, die eigentlich für eine dicke Prise Horror sorgen sollen, sind im Grunde genommen nur nervig. Marianne bewegt sich milde gesagt nicht immer unbedingt menschlich. In Kombination mit schnellem Laufen und schwer erkennbaren Fluchtwegen kommt sehr schnell Frust auf.

Wirklich fordernd sind die Passagen zwar nicht. Sie werfen den Spieler aber stetig aus der dichten Atmosphäre, die "The Medium" mit der pointierten Musik und den detaillierten Schauplätzen mühevoll aufgebaut hat.

Denn ähnlich wie bei "Layers of Fear" ist das Spiel dann am stärksten, wenn in leichten, aber repetitiven Rätseln mit Eurer Wahrnehmung getrickst wird und Ihr hin und wieder auch einmal um die Ecke denken müsst.

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Insgesamt kann man trotzdem nicht sagen, dass man in den acht bis zehn Stunden Spielzeit nicht gut unterhalten wird. Die Geschichte ist bis auf das unbefriedigende Ende gut erzählt, manche Orte wirken beinahe fotorealistisch und der Playstation-Controller wurde mit regelmäßigen Vibrationen passend eingebunden.

Doch genau wie bei "Blair Witch", das nur in der letzten Spielstunde zeigen konnte, was es eigentlich leisten kann, hat man einfach auch bei "The Medium" das Gefühl, dass viel mehr drin gewesen wäre. Da zum Ende hin ein potenzieller zweiter Teil zumindest angedeutet wird, dürfen sich die Macher gern die angesprochenen Dinge zu Herzen nehmen.

An bestimmten Stellen wechselt "The Medium" in einen Splitscreen. Jetzt habt Ihr die Kontrolle über Marianne in zwei Welten, die sich durch unterschiedliche Aktionen beeinflussen lassen.
An bestimmten Stellen wechselt "The Medium" in einen Splitscreen. Jetzt habt Ihr die Kontrolle über Marianne in zwei Welten, die sich durch unterschiedliche Aktionen beeinflussen lassen.  © Bloober Team

Fazit zu "The Medium"

Nach knapp neun Stunden Spielzeit saß ich bei den Credits mit einem komischen Gefühl vor dem Fernseher. Die Geschichte, die sich bis zum Schluss spannend stetig aufgebaut hatte, nahm ein abruptes und für mich sehr unbefriedigendes Ende. Bis dahin konnte ich über all die Macken, die "The Medium" hat, eigentlich recht gut hinwegsehen.

Die behäbige Steuerung fällt nur dann schwer ins Gewicht, wenn die seltenen Fluchtsequenzen kommen. Die immer wiederkehrenden Suchaufgaben würden mich vermutlich nur stören, wenn das Spiel doppelt so lang wäre und als Fan von Jumpscares ist es auch nicht schlimm, wenn ein Game eher mit einer dichten Atmosphäre punkten möchte.

Für jeden potenziell ärgerlichen Aspekt lässt sich eigentlich eine Ausrede finden - bis auf die Geschichte, die so ein Spiel nun einmal trägt. Sei es drum: Wer Lust auf ein paar frische Designansätze verpackt in einem Mystery-Thriller hat, der kann dennoch bedenkenlos einen Blick auf "The Medium" werfen. Das Rad neu erfinden tut das Spiel leider aber nicht.

Titelfoto: Bloober Team

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