"The Pathless" im Test: Hat die PS5 bereits ihr Journey bekommen?

Leipzig - Mit "The Pathless" liefern die Entwickler von Giant Squid ein Indie-Action-Adventure für PC, PS4 und natürlich PS5, das statt auf Bombast und jede Menge Action auf Minimalismus und Euren Entdecker-Drang setzt. Dadurch bietet das Spiel eine herrlich erfrischende und ebenso eigenständige Erfahrung, die uns - wenn auch nur anfangs - an ein anderes Meisterwerk der Spielegeschichte erinnern ließ.

In "The Pathless" erkundet Ihr als die letzte Jägerin eine geheimnisvolle Insel. Dabei stets an Eurer Seite: Euer treuer Adler.
In "The Pathless" erkundet Ihr als die letzte Jägerin eine geheimnisvolle Insel. Dabei stets an Eurer Seite: Euer treuer Adler.  © Giant Squid

Unheil hat die Welt in Dunkelheit gehüllt. Die Rede ist von seltsamen Vorkommnissen auf einer geheimnisvollen Insel. auf der die Grenze zwischen dem Reich der Menschen und dem Reich der Geister verschwimmt. Während Mensch und Tier mehr und mehr an Hoffnung verlieren, macht sich die letzte Jägerin auf zur Insel, um das Böse zu besiegen.

So die Hintergrundgeschichte von "The Pathless", einem neuen Action-Adventure der Entwickler Giant Squid, die sich bereits mit dem Unterwasser-Abenteuer "Abzu" einen Namen für außergewöhnliche, künstlerisch anspruchsvolle Spiele-Ideen gemacht haben.

"The Pathless" schlägt nun in eine ähnliche Kerbe. Es finden sich zwar die grundsätzlichen Elemente eines Adventures wieder (als Bogenschützin erkundet ihr die Insel, löst dabei Rätsel und erlebt den einen oder anderen Bosskampf), im Grunde ist der Kern des Spiels damit allerdings auch schon vollumfänglich beschrieben. "The Pathless" verzichtet auf endlose Massen-Kloppereien, ultrakomplexe Level-Systeme und Loot-Spiralen, setzt hingegen auf Minimalismus.

Das mag für manchen auf den ersten Blick etwas inhaltsarm erscheinen, entpuppte sich in unserem Test jedoch als unglaublich erfrischende, fast schon meditative Erfahrung, die uns immer wieder wunderbare Erinnerungen an ein anderes Meisterwerk der Spielegeschichte bescherte: "Journey".

Das wohl genialste Werkzeug der jüngeren Spielegeschichte

Die Bosskämpfe von "The Pathless" lassen Euch gegen riesige, mystische Kreaturen antreten. Die sind so atemberaubend in Szene gesetzt, wie wir es schon lange nicht mehr in einem Spiel erlebt haben.
Die Bosskämpfe von "The Pathless" lassen Euch gegen riesige, mystische Kreaturen antreten. Die sind so atemberaubend in Szene gesetzt, wie wir es schon lange nicht mehr in einem Spiel erlebt haben.  © Giant Squid

Das ebenso meditativ daherkommende Kleinod überzeugte bereits 2012 durch seinen minimalistischen Ansatz und die Idee, den Spieler schlicht und einfach eine Reise erleben zu lassen. Keine Kämpfe, keine langen Erklärungen, kein "Game Over"-Bildschirm.

"The Pathless" bedient sich ebenfalls dieser Elemente, legt seinen Fokus jedoch viel mehr auf das Erkunden der Spielwelt und schafft so seine ganz eigene Erfahrung. Die mysteriöse Insel wurde zwar nicht als offene Map entworfen. Dafür findet Ihr Euch jedoch stets in riesigen Arealen wieder, die ihr frei erkunden könnt.

Der Ablauf ist dabei im Grunde immer gleich: Ihr müsst eine bestimmte Anzahl von Türmen von der Dunkelheit befreien, um so den Boss des jeweiligen Areals anzulocken.

Dazu löst Ihr kleinere Plattform-Rätsel, bei denen Ihr Euch eines der vielleicht genialsten Tools der jüngeren Spielgeschichte bedient: Eures treuen Begleiters, einem kleinen Adler.

Der sieht nicht nur toll aus, er kann auch Zielscheiben für den perfekten Bogenschuss verschieben, Gewichte transportieren, um Türen zu öffnen oder Euch einfach mal auf höhere Ebenen fliegen. Der Kleine übernimmt so viele Aufgaben und wirkt dabei noch so lebendig, dass er uns schon nach kurzer Zeit ans Herz gewachsen ist.

Habt Ihr die Türme befreit, wartet am Ende eines jeden Areals ein atemberaubend in Szene gesetzter Bosskampf, wobei wir an dieser Stelle nicht zu viel verraten wollen.

Im Flow über Stock und Stein und Berg und Tal

Per Adler über die Insel: Schon nach kürzester Zeit könnt Ihr auch das größte Areal auf den Schwingen Eures Gefährten überqueren.
Per Adler über die Insel: Schon nach kürzester Zeit könnt Ihr auch das größte Areal auf den Schwingen Eures Gefährten überqueren.  © Giant Squid

Den meisten Spaß hatten wir in "The Pathless" ohnehin beim Erkunden. Das lag zum einen an der wunderbar minimalistisch entworfenen Spielwelt sowie der ebenso passenden musikalischen Untermalung, vor allem jedoch an einer essenziellen Fähigkeit, die unsere Jägerin mit sich brachte.

Diese hat es nämlich nicht auf Rehe oder Wildschweine abgesehen, sondern auf in der Luft schwebende Kristalle, die überall auf der Insel verteilt sind. Trefft Ihr diese, füllt sich Eure Ausweich-Leiste. Die Bezeichnung innerhalb des Spiels ist etwas irreführend, denn tatsächlich verbirgt sich dahinter vor allem Euer Sprint. Diesen nutzt Ihr, um Euch in Windeseile über die Karte zu bewegen.

Das Ganze geht so flüssig von der Hand, dass wir schon nach kürzester Zeit Schuss an Schuss gereiht und so die eine oder andere Spielmeile zurückgelegt haben.

Später ließ sich die Fähigkeit sogar mit unserem Adler-Freund verbinden, um größere Flüsse oder auch Abgründe zu Überqueren. Wer es jedoch ganz artistisch mag, wird schon bald an den Füßen seines oder ihres Adlers hängend auch das größte Areal überfliegen, dabei einen gekonnten Schuss nach dem anderen setzen und seine oder ihre Füße gar nicht mehr den Boden berühren lassen.

"The Pathless" baut in diesen Momente einen unglaublichen Flow auf, dem man sich in der angenehm kurz gehaltenen Spielzeit nur schwer entziehen kann. Gerade, wenn man das Gelernte dann auch noch in den Bosskämpfen anwendet, entstehen immer wieder Wow-Momente.

Einzig ein paar verfrühte Begegnungen mit besagten Bossen, in denen wir uns immer wieder hilflos gefühlt haben, müssen wir an dieser Stelle doch noch als Kritikpunkt angeben. Davon abgesehen ist "The Pathless" so genial, wie es einfach gehalten ist - und definitiv einen Blick wert.

Fazit:

"The Pathless" ist ein großartiges Kleinod, das sich stellenweise durchaus mit Indie-Meisterwerk "Journey" vergleichen lässt, gleichzeitig jedoch seine ganz eigene Daseinsberechtigung erschafft. Statt einer meditativen Erfahrung steht hier an erster Stelle die Erkundung und das Wecken Eures Entdeckerdrangs. "Journey"-Freunde mögen sich deshalb vielleicht nach etwas mehr Ruhe sehnen und Triple-A-Abenteurer nach mehr Pampam, aber das ändert nichts an der Qualität dieses Spiels.

"The Pathless" ist ein wunderbar gestaltetes Abenteuer voller großer Emotionen und atemberaubender Momente, das wir jedem Spieler nur empfehlen können.

Titelfoto: Giant Squid

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