Watch Dogs: Legion im Test: Nicht schon wieder dieselbe Open-World!

Leipzig - Mit "Watch Dogs: Legion" liefert Ubisoft das, worauf Gamer seit Langem gewartet haben: eine offene Welt, in der man - zumindest laut Publisher - jede Figur spielen kann. Obendrauf gibt es die für "Watch Dogs" typische Story aus Verschwörungen und Widerstandskämpfern. Klang zumindest in der Theorie interessant. Warum uns "Watch Dogs: Legion" dennoch ziemlich ernüchtert zurückgelassen hat und wir das Spiel schnell wieder weggelegt haben, erfahrt Ihr im Test.

In "Watch Dogs: Legion" tretet Ihr einmal mehr als Untergrund-Aktivist den Kampf gegen eine böse Geheimorganisation an. Nach Chicago und San Francisco verschlägt es Euch dabei diesmal nach London.
In "Watch Dogs: Legion" tretet Ihr einmal mehr als Untergrund-Aktivist den Kampf gegen eine böse Geheimorganisation an. Nach Chicago und San Francisco verschlägt es Euch dabei diesmal nach London.  © Ubisoft

Vielleicht habe ich in den vergangenen Jahren ein paar Verschwörungstheorien zu viel mitbekommen. Das Gerede vom Kampf für die gerechte Sache, bösen Regierungen und Leuten, die sich am liebsten in Bunkern verstecken würden, um nicht abgehört zu werden, war mir dann doch ziemlich schnell zu viel.

Wovon ich hier Rede? Natürlich von "Watch Dogs: Legion", Ubisofts neuestem Ableger seines Hacker-Open-World-Franchises samt Kampf gegen eine böse Geheimorganisation, die - Achtung, böse Geheimorganisation - mal wieder nichts Gutes im Schilde führt. Nach Chicago und San Franzisco soll dieses Mal London in einen Polizeistaat verwandelt werden. Ein Unterfangen, dass Ihr und Eure Hacker-Freunde von der Aktivisten-Gruppe DedSec natürlich verhindern wollt.

Polizeistaat, Verschwörungen, Untergrund-Aktivismus - klingt alles nach ganz schön ernsthaften Themen, gerade wenn man sich die aktuelle Weltlage anschaut. Kommt "Watch Dogs: Legion" deswegen vielleicht endlich wieder etwas erwachsener daher, als sein Vorgänger, der für sein Hispter-Setting noch jede Menge Kritik einstecken musste?

Sagen wir es mal so: Ubisoft hat es versucht, so ganz scheint der Plan jedoch nicht aufgegangen zu ein. Der Großteil der Figuren besteht noch immer aus wandelnden Klischees. Abgedrehte Frisuren, gepierct so gut es geht und am besten noch das Logo der eigenen Freiheitskämpfer-Truppe auf dem Shirt. 

Um nicht gleich den erstbesten Hipster an der Backe zu haben, entschied ich mich zum Start für Pawel, den ehemaligen Gewerkschaftsführer. Normaler Look, Rohrzange als Waffe, den kann man doch gar nicht verkehrt machen. Dachte ich, bis Pawel zu sprechen begann und ich feststellen musste, dass Ubisoft sogar an die Akzente gedacht hat. Den Anfang von Watchdogs durfte ich also mit Borat bestreiten.

Das "Legion"-System - und seine Problemchen

Ubisoft-typisch wurde die Stadt großartig in Szene gesetzt. Überall ist etwas los, jede Ecke wirkt lebendig und fast jedes Panorama ist ein Augenschmaus. Leider verbirgt sich dahinter einmal mehr die übliche Ubisoft-Open-World aus tausenden sich wiederholenden Mini-Quests. Davon haben wir mittlerweile mehr als genug gesehen.
Ubisoft-typisch wurde die Stadt großartig in Szene gesetzt. Überall ist etwas los, jede Ecke wirkt lebendig und fast jedes Panorama ist ein Augenschmaus. Leider verbirgt sich dahinter einmal mehr die übliche Ubisoft-Open-World aus tausenden sich wiederholenden Mini-Quests. Davon haben wir mittlerweile mehr als genug gesehen.  © Ubisoft

Dank dem "Legion"-System konnte ich immerhin schnell auf Hackerin/Rockerbraut Gabrielle wechseln, die weniger die Kämpferin, dafür aber eher der schlaue Kopf sein sollte. Ich gerate in den ersten Kampf und Gabrielle schießt und prügelt sich durch die Gegner, als wäre sie John Wick höchstpersönlich.

Das Problem am "Legion"-System ist nicht, dass es nicht funktioniert. Ihr könnt wirklich so ziemlich jeden Bürger Londons für euren Kampf rekrutieren. 

Das Problem ist, dass Ubisoft die Welt nicht mit individuellen Figuren gefüllt hat (was bei rund neun Millionen spielbaren Charakteren zugegeben auch ziemlich schwierig wäre), sondern stattdessen vor allem auf Archetypen setzt: Schützen, Nahkämpfer, Hacker. Besondere Fähigkeiten findet Ihr nur selten.

Das wirkt sich wiederum auch auf die Missionen aus, die dadurch so rudimentär wie möglich gehalten werden mussten, damit sie auch mit jeder Figur gespielt werden können. Zwar könnt Ihr hin und wieder auf Drohnen setzen und habt mit diesen auch mächtig viel Spaß. Davon gibt es allerdings viel zu wenige Missionen. Stattdessen setzt "Wach Dogs: Legion" vor allem auf Hacken und Ballern, wie man es schon aus den Vorgängern kennt.

Ein weiterer Kritikpunkt: Aufgrund des Systems muss auch jeder Dialog mit jeder spielbaren Figur funktionieren. Im besten Fall wirken die Aussagen eures Freiheitskämpfers dadurch etwas hölzern, mitunter erscheinen sie jedoch auch so verkehrt, dass ich mich einfach nur noch vor den Kopf gestoßen gefühlt hab. Sprichwort: "Hat er das gerade wirklich gesagt?!"

Die perfekte Ubisoft-Open-World

Und auch vom "Legion"-System haben wir uns etwas mehr erhofft, als das Spiel letztendlich liefert. Klar, man kann wirklich fast jede Figur im virtuellen London spielen. Wirklich interessant sind diese allerdings nicht.
Und auch vom "Legion"-System haben wir uns etwas mehr erhofft, als das Spiel letztendlich liefert. Klar, man kann wirklich fast jede Figur im virtuellen London spielen. Wirklich interessant sind diese allerdings nicht.  © Ubisoft

Es gibt jedoch auch positive Seiten an "Watch Dogs: Legion".

Zwar kann die Grafik nicht mit einem "Ghost of Tsushima" mithalten, dennoch weiß das futuristische London durchaus zu überzeugen. Bei meiner ersten Fahrt durch die Metropole wurde mir glatt mal wieder klar, wie gut Ubisoft offene Spielwelten mittlerweile auf den Bildschirm zaubern kann. Jede Ecke wirkt so lebendig, überall ist etwas los. Dazu werdet Ihr mittlerweile sogar mit Songs von Muse oder auch Lilly Allen aus dem Radio unterhalten. 

Gut, die Aufgaben innerhalb der Welt sind die übliche Ubisoft-Standardkost aus zahlreichen Miniquests, befreibaren Gebieten und freischaltbaren Items. Ubisoft hat dieses Muster mittlerweile jedoch so weit perfektioniert, dass die Qualität einfach stimmt. Es ist eben nur schade, dass sie immer wieder auf dasselbe Schema setzen.

Und letztendlich ist es auch das, was mich bei "Watch Dogs: Legion" nicht lang am Ball bleiben ließ. Das "Legion"-System mag seine Schwächen haben, bietet aber trotzdem eine interessante Sandbox, die es sich definitiv in weiteren Spielen auszuarbeiten lohnt. Die Story mag nicht ganz meine Erwartungen in Sachen Tiefgang erfüllen, aber auch darüber lässt sich hinwegschauen.

Am Ende hatte ich einfach keine Lust, mich durch die x-te Ubisoft-Open-World zu arbeiten. So schön sie auch gestaltet sein mag, davon habe ich mittlerweile einfach genug gesehen.

Fazit:

"Watch Dogs: Legion" hat bei mir einfach nicht gezündet. Okay, das "Legion"-System ist ganz nett und definitiv so spannend, dass ich in zukünftigen Spielen Weiterentwicklungen davon sehen möchte. Aktuell wirkt die jedoch noch nicht so ausgereift, wie ich es mir erhofft habe - und im derzeitigen Stadium definitiv nicht interessant genug, um die bereits x-te Ubisoft-Open-World zu tragen.

Die sieht zwar auch in "Watch Dogs: Legion" wieder ziemlich gut aus und bietet einiges an Sightseeing-Momenten, aber nach über zehn Jahren und unzähligen Fortsetzungen des immer wieder gleichen "Assassin's Creed", "Far Cry", "Ghost Recon" und auch "Watch Dogs" kann ich Botengänge, Dartspiele oder alberne Klamotten einfach nicht mehr sehen. Sorry, Ubisoft, aber es wird Zeit für ein paar Veränderungen.

Titelfoto: Ubisoft

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