"Windbound" für Switch im Test: Wenn die Puzzleteile nicht zusammenpassen wollen

Leipzig - Mit "Windbound" erschien Ende August das neue Survival-Game aus dem Hause 5 Lives Studios und Deep Silver, das bereits auf den ersten Blick große Vorbilder wie "The Legend of Zelda" und "Journey" erkennen lässt. Hinzu kommen Rogue-like-Elemente, wie man sie zuletzt beispielsweise in "Dead Cells" erlebt hat. Klingt eigentlich nach einer guten Kombination. Leider waren die Fußstapfen, in die das Spiel treten wollte, dann doch etwas zu groß.

In "Windbound" erkundet Ihr eine fremde Welt, lüftet die Geheimnisse einer fremden Kultur und kämpft ums Überleben. Das Spiel hätte das Zeug zum Indie-Hit, wären da nicht einige Schwächen.
In "Windbound" erkundet Ihr eine fremde Welt, lüftet die Geheimnisse einer fremden Kultur und kämpft ums Überleben. Das Spiel hätte das Zeug zum Indie-Hit, wären da nicht einige Schwächen.  © 5 Lives Studios/Deep Silver

Der Einstieg verläuft dabei noch so vielversprechend: Als unvorhergesehen ein riesiges Tentakel-Monster angreift, wird unsere Heldin Kara auf hoher See von ihrem Seefahrer-Stamm getrennt und findet sich plötzlich vor einem mysteriösen Tor wieder, nur um nach dessen Durchschreiten am Strand einer kleinen Südseeinsel aufzuwachen.

Was hat es mit all dem auf sich? Wer ist Kara? Und wie finden wir nun zurück zu ihren Leuten?

Die Antworten auf zumindest einen Teil dieser Fragen liefert "Windbound" ebenso mystisch, wie wir es aus "Journey" gewohnt sind. Ohnehin erinnerte uns die minimalistische Präsentation des Spiels, sowohl in Bezug auf Look als auch Musik, angenehm an den genialen Indie-Titel.

"Windbound" ist jedoch nicht "Journey" (wer hätte das gedacht?) und so erkunden wir nicht nur entspannt eine mysteriöse Welt und erleben eine meditative Reise, sondern wir müssen uns eben auch noch mit den bereits erwähnten Survival- und Rogue-like-Elementen herumschlagen. 

Review zu "Windbound": Rogue-like für die ganz Harten

Das Segeln und Bootsbauen gehört ohne Zweifel zu den größten Stärken von "Windbound". Leider bietet das Spiel abseits eures Kahns nur wenig Tiefe. Hinzu kommen Rogue-Like-Elemente und ein fast unverhältnismäßiger Schwierigkeitsgrad, was für unnötigen Frust sorgt.
Das Segeln und Bootsbauen gehört ohne Zweifel zu den größten Stärken von "Windbound". Leider bietet das Spiel abseits eures Kahns nur wenig Tiefe. Hinzu kommen Rogue-Like-Elemente und ein fast unverhältnismäßiger Schwierigkeitsgrad, was für unnötigen Frust sorgt.  © 5 Lives Studios/Deep Silver

Die klingen auf dem Papier auch nicht so übel: Wir müssen Waffen und Werkzeuge craften, ein Boot bauen um die prozendual generierten Inseln zu erkunden und nebenbei die Ausdauer-Anzeige unserer Heldin im Auge behalten. Fällt die auf Null, geht es an unsere Lebenspunkte, bis wir das Zeitliche segnen.

Eigentlich kein Problem, möchte man nun sagen, wäre der Schwierigkeitsgrad nicht schon auf dem leichteren von zwei Optionen so unangenehm fordernd für ein Spiel dieser Art. Immerhin landeten wir auf der Stufe noch am Anfang des jeweiligen Levels, in dem wir mal wieder zu unvorsichtig waren. Im Survival-Modus (der schwereren Stufe) versetzt einen das Spiel gleich an den Anfang der kompletten Story und man verliert auch noch all die Items, die man bis dahin gesammelt oder eben gecraftet hat.

Nun wäre der Rogue-like-Aspekt ja auch kein Problem, wenn man während der einzelnen Runden immerhin Dinge finden würde, die einen Neustart etwas interessanter, die Kämpfe vielleicht abwechslungsreicher machen und den Fortschritt etwas beschleunigen würden. In "Dead Cells" konnten wir beispielsweise mit jeder Runde neue Waffen und Gegenstände freischalten und erhielten zumindest einen Teil unseres gefundenen Golds, um diese auch nach einem Ableben noch zu kaufen. "Windbound" verzichtet auf all dies. Man beginnt einfach nur bei Null, muss dann wieder alles craften und sich mit den selben Waffen den selben Monstern stellen. 

Auf die hakelige Steuerung der Switch-Version wollen wir an der Stelle gar nicht erst weiter eingehen.

Die gute Seite: "Windbounds" Präsentation

Schade, denn die Präsentation und auch die Tierwelt laden durchaus zum Erkunden ein. Auch - oder sogar gerade - für ein jüngeres Publikum könnte "Windbound" vielversprechend sein. Das Potenzial wurde hier jedoch leider verschenkt.
Schade, denn die Präsentation und auch die Tierwelt laden durchaus zum Erkunden ein. Auch - oder sogar gerade - für ein jüngeres Publikum könnte "Windbound" vielversprechend sein. Das Potenzial wurde hier jedoch leider verschenkt.  © 5 Lives Studios/Deep Silver

Ohnehin fühlt sich "Windbound" an, als hätten die Entwickler zwar die besten Elemente der zu Beginn genannten Vorbilder einfließen lassen. Wirklich zusammenpassen wollen diese Puzzleteile allerdings nicht.

Betrachtet man das Spiel nämlich aus der Rogue-like-Perspektive, so gestalten sich die Kämpfe und der Survival-Aspekt zwar durchaus als fordernd. Man muss jedoch auch feststellen, dass die Story den Aufwand nicht entlohnt und es der Sandbox grundsätzlich an Tiefe fehlt.

Wir wollen die Kritikpunkte jedoch auch einmal außer Acht lassen und zu guter Letzt zumindest noch kurz auf die Grafik eingehen. Der Comic-Stil, wie man ihn aus "Zelda" kennt, erschien uns durchaus passend, war wie gewohnt zeitlos und gelungen. Zwar wirken die Inseln mitunter etwas karg. Heldin Kara und die Monster, auf die sie stößt, machten auf uns jedoch einen sympathischen, gar schon niedlichen Eindruck. 

Gerade bei den wilden Inselbewohnern könnte man fast meinen, "Windbound" sei eher für ein jüngeres Publikum gedacht - wäre da nicht wieder der frustrierende Schwierigkeitsgrad, mit dem sich wohl kein Sechsjähriger rumschlagen würde.

Fazit:

"Windbound" ist ein Spiel, das nur auf dem Papier riesiges Potenzial hat. Die Kombination aus Survival-Elementen, mysteriöser Story und minimalistischer Präsentation hat ohne Frage das Zeug zum Indie-Hit. Leider mussten zumindest wir feststellen, dass die einzelnen Bauteile dieses Kleinods in der Praxis nicht so gut zusammenpassen wollten, wie wir uns das erhofft hatten. Schade, denn wir hätten durchaus gern noch mehr Zeit mit Kara auf hoher See verbracht. 

Titelfoto: 5 Lives Studios/Deep Silver

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