Zeitmanipulation wunderschön verpackt: Cris Tales im Test!

Crystallis - Läutet Cris Tales endlich das Ende der Sommerloch-Flaute ein? Das ist die große Frage, die sich Rollenspielfans nach den faszinierenden Trailern des Indie-Abenteuers von Publisher Modus Games gefragt haben. Eine Antwort liefert der Test.

Der handgezeichnete Grafikstil ist sehr ausgefallen und mag nicht jedermanns Sache sein. Mir persönlich hat er allerdings wirklich gefallen.
Der handgezeichnete Grafikstil ist sehr ausgefallen und mag nicht jedermanns Sache sein. Mir persönlich hat er allerdings wirklich gefallen.  © Modus Games

Denn spreche ich im Titel von "wunderschöner" Grafik, so ist der Stil eben bereits Geschmacksache. Nicht jedem müssen die handgezeichneten Figuren und Welten so zusagen wie mir.

Dieser Faktor zieht sich wie ein roter Faden auch bei Kampfgeschehen, Story und Präsentation durchs Spiel. Aber der Reihe nach, worum geht es überhaupt?

Eine böse Zeitenkaiserin hat es sich zum Ziel gesetzt, Crystallis und die anderen vier Königreiche der Region unter ihre Kontrolle zu bekommen. Ihr spielt das Waisenkind Crisbell, das vermeintlich zufällig ins Geschehen involviert wird, als Froschbegleiter Matias auftaucht und Euch Eure Kräfte vorstellt.

Denn auch Crisbell kann offenbar mit der Zeit spielen, was "Cris Tales" von vielen anderen Rollenspielen dieser Art abheben lassen soll. So könnt Ihr an bestimmten Orten jederzeit in Vergangenheit und Zukunft reisen, um dort Dinge zu manipulieren oder umzugestalten.

Ein Brief ist in der Vergangenheit vielleicht noch nicht verbrannt und kann in die Gegenwart gebracht werden. Ein Charakter ist in der Zukunft vielleicht gestorben, wenn ihr ihm in der Vergangenheit nicht aus der Patsche geholfen habt.

Auf diese Art und Weise lassen sich besonders die zahlreichen Nebenquests lösen. Viel mehr kommt die Zeitmanipulation aber im Kampf zum Einsatz.

Viel klassischer geht es nicht

Auf der linken Seite sieht man die Vergangenheit. Das Dreieck in der Mitte stellt die Gegenwart dar. Das Raster rechts zeigt, wie sich der Ort in der Zukunft verändert hat.
Auf der linken Seite sieht man die Vergangenheit. Das Dreieck in der Mitte stellt die Gegenwart dar. Das Raster rechts zeigt, wie sich der Ort in der Zukunft verändert hat.  © Modus Games

Dort lassen sich mit Crisbells Fähigkeiten einige nützliche Veränderungen herbeiführen. Ein Beispiel: Ein eisenhartes Schild eines Gegners scheint unüberwindbar. Macht es nass und schickt den Kontrahenten in die Zukunft, schon ist das rostige Abwehrbollwerk nicht mehr so stabil!

Die verschiedenen Möglichkeiten auszuprobieren macht gerade bei den Endbossen Laune, die Euch besonders zu Beginn ordentlich in die Mangel nehmen können. "Profi-Tipp": Trainiert unbedingt, bis Ihr den ersten Heilungszauber lernt.

Zum Glück stehen der Heldin einige Begleiter zur Seite, die die Auseinandersetzungen vereinfachen. Anfangs helfen Euch Elementarmagier Cristopher und Naturfreund Willhelm, später kommen genretypisch noch weitere Mitstreiter hinzu.

Angelehnt ist das ganze Spiel an alte Rollenspielklassiker aus der großen JRPG-Ära. Kein großer Schnick-Schnack bei Ausrüstung und Fähigkeiten, keine übertrieben vollgepackten Szenarios, sondern eine klare Erzähllinie. Zufallskämpfe und Dungeons à la Kanalisation und Mine runden den Sprung in frühere Tage ab.

Wie angesprochen sind eben auch diese Punkte für viele Gamer einfach eine Frage des Geschmacks. Betrachtet man aber die Liebe zum Detail, die in jeder Faser von "Cris Tales" steckt, dann macht dieser Indie-Geheimtipp eine ganze Menge goldrichtig!

Im Kampf bekommt die Zeitmanipulation eine besondere Note. Schickt Eure Kontrahenten in Vergangenheit oder Zukunft, um sie jünger und unerfahrener oder älter und klappriger zu machen.
Im Kampf bekommt die Zeitmanipulation eine besondere Note. Schickt Eure Kontrahenten in Vergangenheit oder Zukunft, um sie jünger und unerfahrener oder älter und klappriger zu machen.  © Modus Games

Fazit zu Cris Tales

Als Fan von Rollenspielen alter Schule wie "Golden Sun" oder "Breath of Fire" gibt mir "Cris Tales" alles, was ich für ein paar Wohlfühlstunden vor der heimischen Konsole brauche. Gerade der Zeitmanipulationsfaktor erinnert an Klassiker wie "Chrono Trigger", bekommt gerade in den Hauptquests aber nie die Tiefe, die möglich gewesen wäre.

In den Kämpfen sieht das teilweise anders aus. Immer wieder war es spannend, welche Veränderungen ich bei den Gegnern herbeiführen kann, wenn ich sie mit Statusleiden in Zukunft oder Vergangenheit schicke. Ein weiterer Kniff: Drückt Ihr im richtigen Moment die geforderte Taste, können Eure Kämpfer doppelt Schaden anrichten oder sogar gegnerische Schläge parieren. Das genaue Timing erfordert allerdings etwas Übung.

Mit über 20 Stunden reiner Story-Spielzeit bekommt man für knapp 40 Euro auf jeden Fall sehr viel für sein Geld. So beendet "Cris Tales" zwar nicht das anhaltende Sommerloch, kann aber zumindest für ein Weilchen exzellent davon ablenken!

Titelfoto: Modus Games

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