Krebsdiagnose: Frau beschließt, all ihren Mobbern aus der Schulzeit etwas zu sagen

Deutschland - Eine 26-Jährige erhielt die Diagnose Brustkrebs, ein Jahr später wurden Metastasen in ihrem Gehirn entdeckt. Daraufhin beschloss sie, all den Menschen, die sie je schlecht behandelt hatten, eine Nachricht zu schreiben.

Eine Medizinerin untersucht die Brust einer Patientin (Symbolbild).
Eine Medizinerin untersucht die Brust einer Patientin (Symbolbild).  © Caroline Seidel/dpa

Sie bezeichnet sich als Kämpferin, als jemanden, der nicht aufgeben wird. Die 26 Jahre junge Frau berichtete auf der Plattform Reddit, wie erst schwere Schicksalsschläge zu einem Umdenken bei ihr führten.

"Mir ist klar geworden, dass ich mich nicht um jeden scheren muss, der mich nicht respektiert", schrieb sie unter dem Usernamen Madidom.

Die vergangenen Wochen und Monate hatte sie die Community bereits auf ihrer Reise mitgenommen. Beispielsweise berichtete Madidom von ihrer erfolgreichen Gehirnoperation oder der Reaktion ihrer Familie auf diese.

Schon damals stieß die Ansicht ihrer Mutter bitterböse auf. Denn ihre ersten Worte auf die Nachricht ihrer Tochter, sie habe auch die zweite OP gut überstanden, war, dass sie es nicht mag, in welchem Tonfall sie es gesagt habe. Schließlich reichte es der 26-Jährigen. Sie sagte ihrer Familie alles, was sie in den vergangenen Wochen, ja Jahren als unfair empfunden hatte.

"Vor allem die Tatsache, dass ich um mein gottverdammtes Leben kämpfe und mein Hirntumor nicht einmal ihre Beleidigungen, Kämpfe, Klatsch, Eifersucht und ihr insgesamt giftiges, widerliches Verhalten bremst", berichtete die Userin.

"Muss ich sterben, um Respekt zu verdienen? Bedenkt bitte, dass diese Menschen mich weder emotional noch finanziell unterstützen, sie befinden sich nicht einmal physisch auf demselben Kontinent."

Zum ersten Mal fühlte sie sich befreit. Ihre Familie nahm ihre Wut an, akzeptierte diese. Jene Ding auszusprechen, so berichtete die junge Frau, sei alles, was sie gewollt habe.

Dann nimmt sie Kontakt zu den Mobbern ihrer Schulzeit auf

Ein Teenager sitzt traurig auf dem Boden (Symbolbild).
Ein Teenager sitzt traurig auf dem Boden (Symbolbild).  © primagefactory

Doch dann erinnerte sie sich an all die Menschen, die sie in der Schulzeit schikaniert hatten. Damals lebte sie in Südamerika, mittlerweile wohnt sie in Deutschland.

"Ich war 13, mein Vater war gerade gestorben, und ich suchte nur nach Akzeptanz. Die Männer nutzten das aus", schrieb sie weiter. "Sie waren alle 17 bis 18 Jahre alt. Sie luden mich ein und gaben mir einen Haufen Gras und Alkohol."

Genau äußert sie sich nicht dazu, was damals geschehen ist. Sie nennt die Worte Pädophilie, sexueller Missbrauch, Vergewaltigung, doch anscheinend war es nie zur Anklage gekommen.

Ihre Familie zwang sie sogar, sich bei ihnen zu entschuldigen, dass sie "ihren Namen beschämt hatte". 

In der Schule sollen hauptsächlich Frauen die damalige Teenagerin schikaniert und auf übelste Weise beschimpft haben. Sie fühlte sich wie der größte Abschaum aller Zeiten. 

All die Jahre später sah sie dieselben Frauen zahlreiche feministische Dinge posten. Das machte die 26-Jährige wütend. 

"Also sagte ich: Scheiß drauf, was habe ich zu verlieren? Ich schrieb einem Haufen von ihnen." In ihren privaten Nachrichten sagte sie, sie wünsche, ihre Mobberinnen hätten während ihrer Schulzeit nur aus Unreife und Ignoranz gehandelt und nicht, weil sie tatsächlich schlechte Menschen wären.

"Ich würde gerne glauben, dass sie jetzt einer Frau in Not helfen werden." Die meisten der Damen antworteten und entschuldigten sich. Die Userin verzieh ihnen. Noch nie zuvor, so meinte sie, habe sie solchen Frieden empfunden.

Die Userin hat eine emotionale Bitte

Sie bittet die Community, ebenfalls darüber nachzudenken, wem sie in ihrem Leben eventuell wehgetan haben. Menschen, die wie sie so stark verletzt wurden, sollten ebenfalls dasselbe tun und diesen Personen offene, jedoch nicht beleidigende Worte schreiben.

Die Community reagierten mit langen, unterstützenden und aufmunternden Nachrichten. Es scheint, als wäre die 26-Jährige mit ihrer Stärke und Mut zu einem Vorbild für viele weitere Personen geworden, denen es genauso oder ähnlich geht.

Titelfoto: 123RF/primagefactory

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