"Es geht um uns alle": Till Brönner kämpft mit dringlichem Appell um Kulturbranche in Deutschland

Berlin - Am heutigen Mittwoch berät Angela Merkel (66) mit den Ministerpräsidenten, wie die zweite Corona-Welle gebrochen werden kann. Es drohen neue Knallhart-Maßnahmen. Unter anderem sollen Kinos, Bars, Kneipen oder auch Theater wieder geschlossen werden. 

Trompeter Till Brönner spielt erstmals seit dem Lockdown sein neues Programm "Project 21".
Trompeter Till Brönner spielt erstmals seit dem Lockdown sein neues Programm "Project 21".  © Peter Gercke/dpa-Zentralbild/dpa

Vor allem die Unterhaltungs- bzw. Kulturbranche hat die Pandemie von Anfang an schwer getroffen. Besserung ist im Land der Dichter und Denker nicht in Sicht - im Gegenteil!

Der Musiker und Fotograf Till Brönner (49) hat in einem knapp siebenminütigen Instagram-Video einen Appell an die Politiker gerichtet, die Probleme der Künstler endlich ernst zu nehmen.

"Hier geht es nicht um Selbstverwirklicher, die in ihrer Eitelkeit gekränkt sind. Es geht um uns alle. Und es geht um Geld, viel Geld", erklärt der Familienvater.

Auch wenn Corona beinah eine gesamte Branche lahmgelegt hat, halten sich die vielen Bühnenkünstler weitestgehend zurück, "obwohl ihre Existenz gerade fundamental auf dem Spiel steht." Diese Zurückhaltung halte er für fatal.

Als klar wurde, dass das Coronavirus uns noch eine ganze Weile beschäftigen wird, war auch dem Musiker klar, dass die Politik die Probleme nicht von heute auf morgen lösen kann. "Gib denen ruhig ein bisschen Zeit. Ein Land wie Deutschland wird uns schon nicht hängen lassen. Die haben uns ja auch schließlich alle ausgebildet und uns 'ne Steuernummer verpasst."

Während die meisten Deutschen den Sommer genießen konnten, sah das bei "Musikern, Toninstallateuren, Lichttechnikern, Caterern, Bühnenbauern, Clubbesitzern oder Busfahrern" anders aus. "Ich spreche von hunderten qualifizierten Menschen. Und zusammen sind wir viele." 

Till Brönner übt deutliche Kritik an der Politik aus

Till Brönner versteht die Zurückhaltung der Branche nicht.
Till Brönner versteht die Zurückhaltung der Branche nicht.  © Peter Gercke/dpa-Zentralbild/dpa

Weit über 1,5 Millionen Menschen wurde ab Tag eins der Pandemie der Hahn abgedreht. "Ein Wirtschaftszweig mit einem Gesamtumsatz von über 130 Milliarden Euro. Das ist kein Luxusproblem, das ist ein Kernproblem."

Deutliche Kritik gibt es vor allem in Richtung der Politik: "Wie kann man einzelnen Konzernen Milliarden in den Vorgarten werfen, und der Veranstaltungsbranche Arbeitslosengeld 2 anbieten? Wir Musikkünstler sind weder arbeitslos,  noch hatten wir vor Corona ein Nachfrageproblem. Wie so einige andere Branchen, die in Wahrheit nicht an Corona sondern durch Schläfrigkeit oder Gier in Schieflage geraten sind", so Brönner weiter.

Doch auch an seine Kollegen aus der Veranstaltungs- und Kulturbranche redet er ins Gewissen. Sie sind immer noch zu leise, weil sie keine Gewerkschaft haben, die den Politikern Druck machen kann. "Und genau das rächt sich jetzt."

Bis heute gebe es kein ernsthaftes Hilfsprogramm. "Was hier gerade passiert, verstößt gegen alles, was ich über Deutschland gelernt habe. Liebe Politiker, lasst euch wählen, aber vergesst bitte nicht von wem. Das Land steht kulturell still und die beweglichsten und ehrlichsten tretet ihr gerade mit Füßen." 

Titelfoto: Peter Gercke/dpa-Zentralbild/dpa

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