Geflüchteter afghanischer Präsident entschuldigt sich: "Wollte das Volk nicht im Stich lassen"

Kabul - Gut drei Wochen nach seiner überstürzten Flucht aus Afghanistan und der Machtübernahme der militant-islamistischen Taliban hat sich Ex-Präsident Aschraf Ghani (72) beim afghanischen Volk entschuldigt.

Der afghanische Präsident Aschraf Ghani (72) war am 15. August aus Kabul geflohen. Die Vereinigten Arabischen Emirate haben ihm Asyl gewährt.
Der afghanische Präsident Aschraf Ghani (72) war am 15. August aus Kabul geflohen. Die Vereinigten Arabischen Emirate haben ihm Asyl gewährt.  © Rahmatullah Alizadah/XinHua/dpa

"Es war nie meine Absicht, das Volk im Stich zu lassen", teilte er in einer am Mittwoch auf Twitter veröffentlichten Erklärung mit.

Er habe mit seiner Flucht heftige Kämpfe wie während des Bürgerkrieges in den 1990er-Jahren in der Hauptstadt Kabul verhindern wollen.

Ghani wies erneut Vorwürfe zurück, dass er bei seiner Flucht "Millionen Dollar, die dem afghanischen Volk gehören", mitgenommen habe.

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"Diese Beschuldigungen sind vollständig und kategorisch falsch." Er stelle sich jeder unabhängigen Untersuchung.

Der afghanische Botschafter in Tadschikistan etwa hatte Ghani des Diebstahls von 169 Millionen Dollar (144 Millionen Euro) an staatlichen Mitteln beschuldigt.

Ghani war am 15. August überstürzt aus Kabul ins Ausland geflüchtet, nachdem Kämpfer der Taliban nach massiven militärischen Gebietsgewinnen und der Eroberung aller Provinzhauptstädte Kabul umstellt hatten.

Ex-Präsident Aschraf Ghani twittert Stellungnahme samt Entschuldigung

Taliban rückten nach der Flucht von Ghani in Kabul ein

Vertreter der Taliban sagten, es sei nicht ihre Absicht gewesen, die Stadt anzugreifen. Die Flucht Ghanis hatte wohl eine geordnete Machtübergabe verhindert.

Als Ghani und seine wichtigsten politischen Mitstreiter geflohen waren, rückten die Islamisten in der Stadt ein, um, wie sie sagten, kein Sicherheitsvakuum entstehen zu lassen. Viele Afghanen werfen Ghani heute vor, sie an die Taliban ausgeliefert zu haben.

Ghani schrieb in seiner neuen Stellungnahme, er bedaure, dass sein eigenes Kapitel in "ähnlicher Tragödie" endete wie das seiner Vorgänger - "ohne Stabilität und Wohlstand zu gewährleisten".

Er entschuldige sich beim Volk, dass er es nicht anders habe beenden können. Ghani hatte zuvor mitgeteilt, dass er sich in den Vereinigten Arabischen Emiraten aufhalte.

Titelfoto: Rahmatullah Alizadah/XinHua/dpa

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