Nach Anschlag in Kabul: US-Präsident Biden schwört Rache - "Werdet dafür bezahlen!"

Kabul - Selbstmordattentäter richten in Kabul ein Massaker an. Sie töten viele Afghanen und mindestens 13 US-Soldaten. Den Evakuierungseinsatz will US-Präsident Joe Biden (78) trotzdem fortsetzen - zumindest noch einige Tage. Das Militär warnt bereits vor weiteren Anschlägen.

US-Präsident Joe Biden (78) droht den Taliban mit Vergeltung.
US-Präsident Joe Biden (78) droht den Taliban mit Vergeltung.  © Evan Vucci/AP/dpa

Nach dem verheerenden Anschlag in der Nähe des Flughafens von Kabul hat US-Präsident Joe Biden den dafür verantwortlichen Terroristen mit Vergeltung gedroht.

"Wir werden Euch jagen und Euch dafür bezahlen lassen", sagte Biden am Donnerstag im Weißen Haus.

Er kündigte Einsätze des US-Militärs gegen die für den Anschlag verantwortliche Terrormiliz Islamischer Staat (IS) an - und die Fortsetzung der Evakuierungen aus Afghanistan.

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Die Terroristen könnten die USA nicht dazu bringen, ihre "Mission" zu stoppen, betonte Biden mit Blick auf die verbliebenen Amerikaner im Land. "Wir werden sie finden, und wir werden sie da rausholen."

Bei dem Anschlag waren neben 13 US-Soldaten auch viele Afghanen getötet worden. Unbestätigte Medienberichte und Videos vom Tatort deuten auf Dutzende einheimische Todesopfer hin, hinzu kommen zahllose Verletzte.

Das US-Verteidigungsministerium erklärte, es seien auch 18 Soldaten verwundet worden. Die Verletzten würden in speziell ausgerüsteten Flugzeugen ausgeflogen, hieß es.

Joe Biden kennt die Drahtzieher der Anschläge: "Wir werden nicht vergeben, werden nicht vergessen"

Männer, die bei dem tödlichen Anschlag in der Nähe des Flughafens von Kabul verletzt wurden, liegen in einem Krankenhaus.
Männer, die bei dem tödlichen Anschlag in der Nähe des Flughafens von Kabul verletzt wurden, liegen in einem Krankenhaus.  © Mohammad Asif Khan/AP/dpa

Für die US-Streitkräfte waren es die ersten Soldaten seit Februar vergangenen Jahres, die in Afghanistan gewaltsam ums Leben kamen - und die schwersten Verluste dort seit einem Jahrzehnt.

Biden ordnete an, die US-Flaggen über dem Weißen Haus und an allen öffentlichen Gebäuden bis Montagabend auf halbmast zu setzen, um der Opfer zu gedenken.

Der in Afghanistan aktive Ableger der Terrormiliz IS reklamierte den Anschlag für sich.

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Biden erklärte mit Blick auf die Gruppe, die USA hätten Informationen dazu, wo sich die Drahtzieher der Anschläge aufhalten - und würden auch ohne große Militäreinsätze Möglichkeiten finden, diese zur Rechenschaft zu ziehen, "wo auch immer sie sind".

Seine eindringlichen Worte an die Terroristen: "Wir werden nicht vergeben. Wir werden nicht vergessen."

Die Evakuierungsmission in Kabul wurde trotz der Anschläge weitergeführt. Die US-Luftwaffe und Flugzeuge Verbündeter hätten am Donnerstag ab dem Vormittag bis kurz vor Mitternacht (Ortszeit Kabul) rund 7500 Menschen evakuiert.

Kooperieren die Taliban nach dem 31. August weiter? Und wenn ja, zu welchem Preis?

Ein militärisches Transportflugzeug, ein Airbus A400M der deutschen Luftwaffe, auf dem Flughafen von Taschkent: Die Bundeswehr hat weitere deutsche Staatsbürger und afghanische Ortskräfte aus Kabul evakuiert.
Ein militärisches Transportflugzeug, ein Airbus A400M der deutschen Luftwaffe, auf dem Flughafen von Taschkent: Die Bundeswehr hat weitere deutsche Staatsbürger und afghanische Ortskräfte aus Kabul evakuiert.  © Marc Tessensohn/Bundeswehr/dpa

Die deutsche Luftwaffe flog am Donnerstag alle Bundeswehrsoldaten, Diplomaten und verbliebenen Polizisten aus dem Krisenstaat aus, wie Verteidigungsministerin Annegret Kramp-Karrenbauer (59, CDU) sagte.

Nach Angaben der Ministerin wurden 5347 Menschen aus mindestens 45 Ländern evakuiert, darunter rund 500 Deutsche und mehr als 4000 Afghanen.

Der Evakuierungseinsatz der gut 5000 US-Soldaten in Kabul soll trotz der jüngsten Ereignisse wie geplant am Dienstag kommender Woche enden, wie Biden betonte.

Damit können auch die Verbündeten ihre Staatsbürger und frühere örtliche Mitarbeiter nicht mehr evakuieren. Die Bundesregierung und die USA setzen allerdings darauf, dass die Taliban auch nach dem 31. August weiter kooperieren werden, um Ausreisen zu ermöglichen.

Im Gegenzug dürften sie auf gewisse Hilfen der internationalen Gemeinschaft hoffen, so die Logik. Biden erklärte: "Sie sind keine guten Kerle, die Taliban. Das meine ich überhaupt nicht. Aber sie haben ein klares Interesse."

Bundeskanzlerin Angela Merkel: "Mit Hochdruck dabei, Bedingungen mit den Taliban auszuhandeln"

Bundeskanzlerin Angela Merkel (67, CDU), beantwortet im Bundeskanzleramt bei einer Pressekonferenz Fragen von Journalisten zu der aktuellen Situation in Afghanistan.
Bundeskanzlerin Angela Merkel (67, CDU), beantwortet im Bundeskanzleramt bei einer Pressekonferenz Fragen von Journalisten zu der aktuellen Situation in Afghanistan.  © Wolfgang Kumm/dpa-Pool/dpa

Bundeskanzlerin Angela Merkel (67, CDU) erklärte anlässlich des Endes des deutschen Evakuierungseinsatzes: "Wir sind mit Hochdruck und Nachdruck dabei, eben Bedingungen auszuhandeln mit den Taliban darüber, wie weitere Ausreisen auch möglich sein werden."

Tausende Menschen versuchen weiterhin vor der Gewalt ins Ausland zu fliehen.

Seit mehr als einer Woche versammeln sie sich rund um verschiedene Eingänge des Flughafens, um auf einen Evakuierungsflug zu kommen. Dabei herrschten rund um den Flughafen dramatische Zustände.

Unterdessen brechen immer mehr Afghanen über Land in Richtung Pakistan auf. Täglich überquerten mindestens 10.000 Afghanen die Grenze bei Spin Boldak/Chaman, sagte ein Grenzbeamter.

Zuvor seien es an normalen Tagen etwa 4000 gewesen. Die meisten seien auf dem Weg zu Verwandten in Städten und Regionen unweit der Grenze.

Titelfoto: Evan Vucci/AP/dpa, Mohammad Asif Khan/AP/dpa

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