24-jähriger Müllsammler wird bei einer Elite-Uni angenommen

Bowie - Nur fünf Prozent aller Bewerber werden an der Elite-Uni Harvard in den USA angenommen. Zu ihnen gehört der 24-jährige Rehan Stanton. Er schaffte den Sprung vom Müllsammler zum Elite-Studenten.

Rehans (l.) Kollegen ermutigten ihn, seine Bildung wieder aufzunehmen.
Rehans (l.) Kollegen ermutigten ihn, seine Bildung wieder aufzunehmen.  © Facebook/rehan.staton

Die Geschichte des 24-jährigen Afro-Amerikaners erscheint wie das Drehbuch eines rührenden Films. 

Trotz Armut, schulischer Probleme und nach einer schweren Verletzung gelang es Rehan, sich niemals unterkriegen zu lassen. 

Nun wurde der junge Mann an der Top-Universität in den USA, die weltweit ein Begriff ist, angenommen.

Seine beeindruckende Geschichte wird von der WashingtonPost erzählt.

Rehan wuchs in Bowie, einer Stadt in Maryland, auf. Bis zu seinem achten Lebensjahr, so sagt er, war eigentlich alles gut gewesen. 

Dann verließ seine Mutter seinen Vater, den Bruder Reggie und ihn, um zurück nach Sri Lanka zu gehen. Ab diesem Zeitpunkt ging alles den Bach runter.

Nachdem sie gegangen war, verschlechterten sich Rehans Noten immer mehr. "Mein Vater verlor irgendwann seine Arbeit und musste daraufhin drei Jobs annehmen, um für uns sorgen zu können. Es ging soweit, dass ich ihn kaum noch zu Gesicht bekam. Ein Großteil meiner Kindheit war sehr einsam."

Obwohl der Vater unermüdlich für seine Söhne arbeitete, litt die dreiköpfige Familie unter finanziellen Schwierigkeiten. Sie hatten oft kein Essen oder Strom im Haus. Support erhielt die Familie nicht. Rehans Lehrer glaubten nicht an seine akademischen Fähigkeiten, er wurde sogar als "behindert" bezeichnet.

Ein Unfall zerstörte seinen Lebenstraum

Der Vater (r.) des jungen Amerikaners ist sichtlich stolz auf ihn.
Der Vater (r.) des jungen Amerikaners ist sichtlich stolz auf ihn.  © GoFundMe/fromhaulingtrashtoharvardlaw

Als Heranwachsender, so Rehan, habe er sich "in allem verloren. Ich hatte kein Sozialleben, das Leben zu Hause war einfach schrecklich und ich hasste die Schule mehr als alles andere."

Doch es gab einen Lichtblick. Rehan war sportlich sehr begabt. Er hatte den Traum, Profiboxer zu werden. Dieser hielt ihm am Leben.

In der zehnten Klasse sollte sich sein Traum jedoch für immer zerstören. Er verletzte sich sein Schultergelenk schwer. Da die Familie keine Krankenversicherung hatte, konnte er nicht zu einem Arzt, der ihm bei der Heilung unterstützt hätte. Unter diesen Umständen war Sport nicht mehr möglich.

Der junge Amerikaner bewarb sich in der zwölften Klasse beim College. Doch zu jenem Zeitpunkt war seine schulische Leistung nicht gut, weshalb er überall abgelehnt wurde.

Das war der Moment, wo Rehan zur Müllabfuhr ging. Doch zu seiner Überraschung waren es die Kollegen dort, die ihn dazu ermutigten, sich wieder beim College zu bewerben. "Sie waren die einzigen Menschen in meinem Leben, die mich aufrichteten und mir sagten, ich könnte jemand sein."

Der Eigentümer des Müllunternehmens, Brent Bates, half ihm, Kontakt mit einem Professor der Bowie State University aufzunehmen. Dank diesem fochten sie seine Ablehnung der Schule erfolgreich an und Rehan durfte bald den langen Aufstieg seines akademischen Lebens beginnen.

Auch sein damals 27-jähriger Bruder Reggie Stanton war an der Bowie State University eingeschrieben. Er brach sein Studium ab, um bei der Müllabfuhr zu arbeiten und seine Familie unterstützen zu können. Rehan ist Reggie dafür unendlich dankbar. "Mein Bruder hat einen Job angenommen, auf den die Leute herabschauen, nur, damit die Menschen zu mir aufschauen können."

Sein Vater erkrankte schwer

Gemeinsam mit seinem Bruder Reggie (r) posiert Rehan mit der Zugangsbestätigung für Harvard.
Gemeinsam mit seinem Bruder Reggie (r) posiert Rehan mit der Zugangsbestätigung für Harvard.  © Facebook/rehan.staton

Obwohl er als Student erfolgreich war, hatte Rehan stark mit persönlichen Problemen zu kämpfen. 

Sein Vater erlitt während seines Studiums einen Schlaganfall

Daraufhin beschloss Rehan, wieder bei der Müllabfuhr zu arbeiten, um die hohen Arztrechnungen zu decken. Nebenbei versuchte er weiterhin, gute Noten zu erhalten, damit er sich an einer juristischen Fakultät bewerben könne.

Nach seinem erfolgreichen Abschluss im Dezember 2018 arbeitete Rehan Vollzeit bei einer nationalen Beratungsfirma. Zugleich bewarb er sich bei zahlreichen Universitäten.

Im März dieses Jahres erhielt er die Zulassungsschreiben. 

Seine Erst-Reaktion wurde von seinen Freunden gefilmt. Er wurde nicht nur in Harvard, sondern auch an vielen weiteren Universitäten aufgenommen. 

Er entschied sich jedoch für die Elite-Uni, die auch sein absoluter Favorit gewesen war.

Auf GoFundMe starteten Freunde und Familie eine Spendenkampagne für Rehan. Zwar erhält er für Harvard ein Stipendium, doch dieses deckt nur einen Bruchteil seiner Kosten ab.

Harvard ist sehr teuer. Ein Jahr kostet dort umgerechnet um die 85.000 Euro. Sein Stipendium deckt nur knapp 58.000 Euro davon ab. Sein erstes Jahr wird aufgrund der Pandemie ein virtuelles Semester sein, doch 2021 wird Rehan nach Cambridge umziehen.

Die Spendenwebseite möchte zudem auch finanzielle Rücklagen aufgrund der Krankheit seines Vaters sichern. Rehan war lange Zeit der Hauptversorger der Familie gewesen. Wenn er abreist, wird das Geld nicht mehr ausreichen, die medizinischen Bedürfnisse seines Dads zu sichern. Dabei soll sich Rehan endlich auf seine Karriere fokussieren.

Die Spendensumme von 75.000 Dollar wurde innerhalb weniger Tage erreicht und sogar übertroffen. Noch immer spenden zahlreiche Menschen für den Mann, der seine Träume immer weiter verfolgt hat. Er wird als "Held" und "Vorbild" bezeichnet. 

Er selbst sagt: "Niemand kann versprechen, dass das Leben fair sein wird, aber wenn man den Preis im Auge behält, wird sich alles zum Guten wenden".

Titelfoto: Facebook/Bildmontage/rehan.staton

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