Chinesische Firma sammelt weltweit Gendaten von Schwangeren - auch aus Deutschland

Peking - Eine chinesische Firma soll von Millionen Schwangeren auf der gesamten Welt Gendaten sammeln. Besonders brisant: Besagte Firma arbeitet eng mit dem chinesischen Militär sowie der Regierung des kommunistischen Landes zusammen. Die USA und Deutschland schlagen Alarm.

Eine Hebamme untersucht eine schwangere Frau. Mittels eines Bluttestes können Schwangere herausfinden, ob ihr Baby unter Erkrankungen wie dem Down-Syndrom (Trisomie 21) leidet. (Symbolbild)
Eine Hebamme untersucht eine schwangere Frau. Mittels eines Bluttestes können Schwangere herausfinden, ob ihr Baby unter Erkrankungen wie dem Down-Syndrom (Trisomie 21) leidet. (Symbolbild)  © Caroline Seidel/dpa

Die Firma BGI Group ist einer der weltweit größten Anbieter für pränatale Tests für Schwangere. In mehr als 52 Ländern werden diese unter dem Markennamen "NIFTY" verkauft - auch in Deutschland, Großbritannien oder Spanien. Jene Tests ermöglichen es vor der Geburt herauszufinden, ob das ungeborene Kind unter bestimmten Erkrankungen wie beispielsweise dem Down-Syndrom leidet.

Entwickelt wurden die Tests mit dem chinesischen Militär. Wie die Nachrichtenagentur Reuters nun in einem aufsehenerregenden Bericht veröffentlichte, werden die dabei gesammelten genetischen Daten für weitreichende Forschungen in China weiterverwendet.

Sie sollen Aufschluss zu genetischen Eigenschaften von Bevölkerungsgruppen geben, so heißt es in dem Bericht von Reuters, der sich auf die Überprüfung von wissenschaftlichen Papieren und Aussagen verschiedener Unternehmen stützt.

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Bereits im März hatten Berater der US-Regierung vor einer riesigen Gendatenbank in China gewarnt. Diese würde mittels einer künstlichen Intelligenz analysiert werden und könnte dem Land wirtschaftliche sowie militärische Vorteile verschaffen.

Von einer möglichen Dominanz der Pharmaindustrie sowie genetisch verbesserten Soldaten war die Rede.

BGI Group soll angeblich niemals Daten an die Regierung geliefert haben

Zahlreiche Gendaten von Schwangeren werden in China weiterverarbeitet. (Symbolbild)
Zahlreiche Gendaten von Schwangeren werden in China weiterverarbeitet. (Symbolbild)  © Caroline Seidel/dpa

Das Unternehmen BGI Group gab selbst zu, dass sie die gesammelten Blutproben sowie die Gendaten des pränatalen Tests speichern und neu analysieren würden.

Der Test besitzt neben den genetischen Informationen auch persönliche Angaben der Mutter über Land, Größe und Gewicht, doch der Name der Person sei nicht dabei. Mehr als acht Millionen Frauen haben diesen bereits absolviert, wie viele es im Ausland waren, ist nicht bekannt.

Laut BGI würden nur die Standortdaten der Frauen aus China abgespeichert werden.

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Jedoch würden die DNA-Daten aller Frauen, auch die aus dem Ausland, in Chinas staatlich finanzierter Gendatenbank abgespeichert werden, gab das Unternehmen bekannt.

Für einen Verstoß gegen die Datenschutzvereinbarungen fand Reuters keinerlei Beweise. Auf der Webseite der NIFTY-Tests heißt es, dass die gesammelten Daten weitergegeben werden können, wenn sie "direkt relevant für die nationale Sicherheit oder die nationale Verteidigungssicherheit" in China sind.

BGI soll nach eigener Aussage bislang niemals Daten seiner Tests an chinesische Behörden geliefert haben, noch wurde das Unternehmen darum gebeten.

Auch in Deutschland wird Kritik laut

Die BGI Group produziert auch Corona-Tests. (Symbolbild)
Die BGI Group produziert auch Corona-Tests. (Symbolbild)  © Deng Hua/XinHua/dpa

Andere Unternehmen, welche pränatale Tests anbieten, sammeln auch Daten. Jedoch nicht in solch einer Größenordnung, so Wissenschaftler, wie es das BGI tun würde. Zudem arbeitet keines der Unternehmen so eng mit dem Militär zusammen oder wird von der Regierung gestützt.

Auch die Tatsache, dass BGI weltweit Corona-Testkits anbot und eng mit dem chinesischen Militär zusammenarbeitete, sorgte nach einem damaligen Reuters-Bericht für Furore.

Im März sagte ein Gremium der US-Regierung, dass sie Chinas Schritte in Führung der Biotechnologie und künstlichen Intelligenz als Sicherheitsbedrohung sehen würden. Chinas Außenministerium sprach damals von "grundlose Anschuldigungen".

Doch was kann man nun mit diesen Gendaten anstellen? Wie ein Wissenschaftler aus Hongkong laut Reuters sagte, kann man somit genetische Schwachstellen ganzer Bevölkerungsgruppen herausfinden, diese könnten mittels eines Erregers gezielt ausgenutzt werden. Angeblich sollen Individuen sogar anhand eines Teils ihrer DNA identifiziert werden können.

Der Fall sorgte auch in Deutschland für Aufsehen. Der FDP-Politiker Alexander Graf Lambsdorff (54) sagte laut Tagesspiegel zu Reuters, dass er eine gesetzliche Regelung gegen unerlaubten Datenabfluss fordere.

Titelfoto: Caroline Seidel/dpa

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