Corona schuld? Immer mehr Eltern enterben ihre Kinder während der Pandemie

Fuenlabrada - In Spanien enterben immer mehr Eltern ihre Kinder während der Corona-Pandemie. Grund seien sich verschlechternde Beziehungen zu ihren Nachkommen.

Weil sich die eigenen Kinder zu wenig um sie kümmern, ändern viele ältere Spanier ihr Testament - zu Ungunsten der Nachkommen.
Weil sich die eigenen Kinder zu wenig um sie kümmern, ändern viele ältere Spanier ihr Testament - zu Ungunsten der Nachkommen.  © 123rf.com/Katarzyna Białasiewicz

Viele Anwaltskanzleien hätten bereits bestätigt, dass die Zahl der Beratungen, die eigenen Kinder vom letzten Willen auszuschließen, zwischen März und Juli stark zugenommen habe und eine Auswirkung der Covid-19-Pandemie sei.

Der spanische Radiosender Cadena Ser sprach zu dem Phänomen mit Marcelo Cornellá, Präsident der Asociación Cultural de Mayores de Fuenlabrada, einem Kulturverein für ältere Menschen in der Stadt Fuenlabrada.

Demnach werde es noch lange dauern, bis die negativen sozialen Folgen der erzwungenen Isolation genau definiert werden könnten. Wegen des Coronaausbruchs waren die Spanier zwischen Mitte März und Mai im Lockdown. Viele ältere Menschen waren in dieser Zeit alleine und auf sich selbst gestellt.

Sowohl der Radiosender als auch verschiedene Medien wiesen darauf hin, dass die negativen Auswirkungen der langen Quarantäne unter anderem mehr Scheidungen seien (TAG24 berichtete), außerdem nahm die häusliche Gewalt zu und es gingen deutlich mehr Anrufe beim psychologischen Notruf ein.

Nun kämen noch die Enterbungsverfahren für Kinder hinzu.

Vernachlässigung infolge der Quarantäne

An die eigenen Nachkommen vererben oder nicht, diese Frage stellen sich derzeit viele Senioren in Spanien.
An die eigenen Nachkommen vererben oder nicht, diese Frage stellen sich derzeit viele Senioren in Spanien.  © 123rf.com/olegdudko

Die in Madrid ansässige Tageszeitung ABC behauptete sogar, dass die von den Senioren eingeleiteten Enterbungsverfahren ein weiteres "Ergebnis erzwungener sozialer Isolation" seien.

Das bestätigte auch die in Madrid tätige Anwältin Alejandra Garcia: "Nach der Zeit des Zwangsaufenthalts der Spanier zu Hause, gibt es immer mehr Anträge von Menschen im Rentenalter, ihren Kindern das Eigentumsrecht zu entziehen."

Diese Entscheidung sei dadurch verursacht, dass viele Ältere während der Corona-Pandemie nicht die von ihren Kindern erwartete Fürsorge erhielten.

In den spanischen Altenheimen starben bislang über 27.000 Menschen mit dem Coronavirus. Nur etwa ein Prozent der Senioren wurde von seinen Kindern während der Pandemie nach Hause gebracht.

Ein anderer Anwalt aus der Provinz Madrid, Felipe Lopez, bestätigte das Phänomen ebenfalls und wies darauf hin, dass das spanische Recht zwar die Enterbung von Nachkommen zulässt, es jedoch in der Vergangenheit Fälle gab, in denen Kinder nach einer Klage den Willen ihrer Eltern außer Kraft setzen konnten.

In Spanien können Nachkommen tatsächlich enterbt werden, etwa wenn sie sich weigern, einen gebrechlichen Elternteil zu unterstützen, wenn sie ihn beleidigen oder gar misshandeln. Allerdings ist nicht eindeutig, ob seltene Besuche bei den Eltern im Altersheim als Form der Misshandlung gelten. Ebenso wenig, ob die Weigerung, sie aus einer  solchen Einrichtung zu nehmen, dazu zählt.

Titelfoto: 123rf.com/Katarzyna Białasiewicz

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