Höchste Terrorwarnstufe! Mindestens drei Tote und mehrere Verletzte in Nizza

Nizza - Bei einer brutalen Messerattacke in der südfranzösischen Küstenstadt Nizza hat es am Donnerstag mindestens einen Toten und mehrere Verletzte gegeben. 

Handelt es sich bei der Messerattacke um einen Terroranschlag?
Handelt es sich bei der Messerattacke um einen Terroranschlag?  © Valery Hache/AFP/dpa

Der Vorfall habe sich in der Kirche Notre-Dame ereignet, bestätigten Polizeikreise der Deutschen Presse-Agentur am Donnerstag. Der Sender BFMTV sprach sogar von drei Toten aufgrund der Tat.

Die Polizei riet, den Bereich zu meiden. Innenminister Gérald Darmanin bestätigte einen Polizeieinsatz in der Innenstadt von Nizza. Im Ministerium gebe es eine Krisensitzung.

Der Bürgermeister von Nizza, Christian Estrosi, teilte via Twitter mit, es sei ein Tatverdächtiger festgenommen worden. Auch die Polizeikreise bestätigten eine Festnahme. Nach Ansicht von Estrosi könnte es sich entsprechend um eine terroristisch motivierte Attacke handeln.

Die Pariser Anti-Terror-Staatsanwaltschaft hat die Ermittlungen übernommen. Dabei gehe es unter anderem um den Vorwurf des Mordes in Verbindung mit einem terroristischen Vorhaben, bestätigte die Anti-Terror-Staatsanwaltschaft am Donnerstag der Deutschen Presse-Agentur.

Ressortchef Darmanin hatte mehrfach von einer hohen Terrorgefahr im Land gewarnt. Erst vor zwei Wochen war ein Lehrer in einem Vorort von Paris enthauptet worden. Das Verbrechen hatte im ganzen Land Entsetzen ausgelöst. Es waren Zehntausende auf die Straße gegangen, um sich solidarisch zu zeigen.

Update 15.59 Uhr: Angriff in Nizza laut Macron islamistischer Terroranschlag

Die Messerattacke in Nizza mit drei Toten war laut Frankreichs Staatschef Emmanuel Macron ein "islamistischer Terroranschlag". Frankreich sei angegriffen worden, sagte der 42-Jährige am Donnerstag in der südfranzösischen Küstenmetropole. Er kündigte einen verstärkten Schutz von Kirchen und Schulen an. Der schon länger laufende inländische Anti-Terroreinsatz "Sentinelle" des Militärs solle von bisher 3000 auf nun 7000 Soldaten aufgestockt werden. Macron war nach dem Anschlag in Begleitung von Ministern nach Nizza gereist.

Update 15.39 Uhr: Mit Messer bewaffneter Mann in Lyon festgenommen

Ein mit einem Messer bewaffneter Mann ist im Zentrum von Lyon festgenommen worden. Zeugen hatten zuvor die Polizei benachrichtigt, wie Polizeikreise am Donnerstag mitteilten. Der Mann sei den Sicherheitsdiensten bekannt, hieß es weiter. Niemand wurde verletzt. Es gab zunächst keine Hinweise auf einen Zusammenhang mit der tödlichen Attacke in Nizza.

Die Zeitung Le Parisien berichtete außerdem von einer Festnahme in Sartrouville in der Nähe von Paris. Der Mann soll seinem Vater anvertraut haben, nach der Attacke in Nizza einen Anschlag verüben zu wollen, und habe ein Messer dabei gehabt, so die Zeitung weiter. Eine offizielle Bestätigung gab es dafür zunächst nicht.

Polizisten stehen vor dem Ort des Messerangriffs, der Kirche Notre-Dame Nizza.
Polizisten stehen vor dem Ort des Messerangriffs, der Kirche Notre-Dame Nizza.  © Eric Gaillard/Pool Reuters/AP/dpa

Update 15.25 Uhr: Zentralrat der Muslime verurteilt Anschlag in Nizza

Der Zentralrat der Muslime in Deutschland (ZMD) hat die tödliche Messerattacke in Nizza scharf verurteilt. "Wer Mord und Terror über die Menschen bringt, der hat sich an der Menschheit vergangen, der hat sich an Gott vergangen", sagte der ZMD-Vorsitzende Aiman Mazyek am Donnerstag laut Mitteilung. "Wir als Muslime müssen gesamtgesellschaftlich noch entschlossener gegen Terror und Extremismus vorgehen."

Der Bundesverband der Türkisch-Islamischen Union der Anstalt für Religion (Ditib) sprach den Angehörigen der Opfer sein "tiefstes Mitgefühl" aus. Man verurteilte Terroristen "jeglicher Couleur", heißt es in der Mitteilung weiter: "Wir unterscheiden nicht zwischen ihnen, denn es ist die gleiche Quelle: Hass." Terror wolle Terror erzeugen. "Wir müssen dem geschlossen als Gesellschaft entgegenstehen."

Auch der Präsident der Konferenz der Europäischen Rabbiner, Pinchas Goldschmidt, zeigte sich "entsetzt über den barbarischen Angriff in Nizza". Europas Juden beteten für die Opfer und ihre Familie sowie für die Genesung der Verletzten, erklärte Goldschmidt. "Es ist unerlässlich, dass religiöse und gesellschaftliche Persönlichkeiten deutlich machen, dass Mord im Namen der Religion verabscheut wird und solche Angriffe in völligem Widerspruch zu der ausdrücklichen Anerkennung von Toleranz und Mitgefühl durch den Islam stehen."

Update 14.55 Uhr: Messerattacke am französischen Konsulat in Saudi-Arabien

Ein Mann hat am französischen Konsulat in Dschidda in Saudi-Arabien einen Sicherheitsbeamten angegriffen und leicht verletzt. Der Täter sei festgenommen worden, berichtete die staatliche Nachrichtenagentur SPA am Donnerstag. Der Mann sei um die 40 Jahre alt und habe den Wächter mit einem "scharfen Werkzeug" angegriffen, sagte Polizeisprecher Mohammed al-Ghamdi. Die genauen Hintergründe der Tat blieben zunächst unklar.

Die französische Botschaft in Riad sprach in einer Mitteilung von einer "Messerattacke". Der verletzte Wachmann sei bei einer Sicherheitsfirma angestellt, erklärte die Botschaft, ohne dessen Staatsangehörigkeit zu nennen. Saudische Sicherheitskräfte hätten den Täter unmittelbar nach dem Angriff überwältigt. Die Botschaft verurteilte die Attacke scharf. Man habe das Vertrauen in saudische Behörden, die französische Gemeinde im Land zu schützen. Franzosen in Saudi-Arabien wurden zugleich zu "höchster Wachsamkeit" aufgerufen.

Der Angriff folgte kurz auf die blutige Messerattacke Nizza. Saudi-Arabien verurteilte den Angriff in Nizza mit klaren Worten. "Solche extremistischen Taten stehen im Widerspruch zu allen Religionen und allem menschlichen Glauben", teilte das Außenministerium laut SPA mit. Zugleich sei wichtig, solche "Verhaltensweisen" abzulehnen, die zu Hass, Gewalt und Extremismus führen, teilte das Ministerium mit, ohne konkreter zu werden.

Update 14.30 Uhr: Macron nach tödlicher Attacke in Nizza eingetroffen

Frankreichs Präsident Emmanuel Macron ist in Nizza eingetroffen. Er werde unter anderem von Innenminister Gérald Darmanin, Justizminister Éric Dupond-Moretti und dem Anti-Terrorstaatsanwalt Jean-François Ricard begleitet, hieß es am Donnerstag aus Élyséekreisen. Macron wollte vor Ort etwa mit Sicherheitskräften und dem Bürgermeister von Nizza, Christian Estrosi, sprechen.

Emmanuel Macron (3.v.l), Präsident von Frankreich, und Christian Estrosi (4.v.l)), Bürgermeister von Nizza, sprechen nach der Messerattacke mit Polizeibeamten.
Emmanuel Macron (3.v.l), Präsident von Frankreich, und Christian Estrosi (4.v.l)), Bürgermeister von Nizza, sprechen nach der Messerattacke mit Polizeibeamten.  © Eric Gaillard/Pool Reuters/AP/dpa

Update 14.10 Uhr: Lambrecht will mit europäischen Kollegen über Terrorismus beraten

Nach der Gewalttat von Nizza will Bundesjustizministerin Christine Lambrecht (SPD) mit europäischen Kollegen beraten. Auf der Ebene der Sicherheitsbehörden gab es bereits am Donnerstag Kontakte - auch um zu klären, ob womöglich mit Nachahmertaten zu rechnen ist. In sozialen Netzwerken hatten radikale Islamisten in den vergangenen Tagen die Enthauptung des französischen Lehrers Samuel Paty glorifiziert, der im Unterricht Mohammed-Karikaturen thematisiert hatte.

Lambrecht kündigte ein Gespräch mit dem französischen Justizminister Éric Dupond-Moretti, weiteren europäischen Justizministern sowie der Brüsseler EU-Kommission für Freitag an. "Ich bin schockiert über die Nachricht von einem weiteren schrecklichen Verbrechen in Frankreich und verurteile diese Tat aufs Schärfste", erklärte Lambrecht am Donnerstag in Berlin. "All unsere Solidarität und Anteilnahme gilt unseren französischen Freunden."

Lambrecht verwies auf Einschätzungen der französischen Behörden, wonach es sich um eine terroristische Tat handelt. Der Bürgermeister von Nizza, Christian Estrosi gab an, der inzwischen festgenommene Angreifer habe "Allahu akbar" ("Gott ist groß") gerufen. Lambrecht erklärte, wenn sich die Hinweise auf islamistischen Terrorismus bestätigten, sei dies "auch ein Anschlag auf unsere Lebensweise und unsere zentralen Werte". Diese akute Bedrohung müsse mit aller Kraft bekämpft werden. Darüber solle mit den anderen europäischen Ministern gesprochen werden.

Update 13.59 Uhr: Papst Franziskus bekundet Nähe zu den Trauernden

Papst Franziskus hat nach dem Messerangriff in einer Kirche in Nizza seine Nähe und sein Mitgefühl mit den Trauernden bekundet. Das teilte der Vatikan am Donnerstag mit. "Es ist ein Moment des Schmerzes in einer Zeit der Verwirrung. Terrorismus und Gewalt können niemals akzeptiert werden", schrieb Vatikansprecher Matteo Bruni. Das katholische Kirchenoberhaupt sei "informiert und steht der trauernden katholischen Gemeinschaft nahe", hieß es weiter. Franziskus bete für die Opfer und ihre Angehörigen, dass die Gewalt aufhöre.

Update 13.50 Uhr: Premierminister Rutte: Niederlande stehen an der Seite von Frankreich

Nach dem Anschlag von Nizza hat der niederländische Premier Mark Rutte Frankreich die Solidarität im Kampf gegen den Extremismus zugesagt. "Unseren französischen Freunden sagen wir: Sie sind im Kampf gegen den Extremismus nicht allein. Die Niederlande stehen an Ihrer Seite", teilte der Premier am Donnerstag über Twitter mit. Zum zweiten Mal in kurzer Zeit werde Frankreich aufgeschreckt "von einer grausamen Terrortat", erklärte Rutte.

Update 13.20 Uhr: Höchste Terrorwarnstufe in Frankreich ausgerufen

Nach der blutigen Messerattacke mit drei Toten in Nizza sowie weiteren (versuchten) Angriffen gilt in Frankreich inzwischen die höchste Terrorwarnstufe. Es sei die Stufe "Urgence Attentat" des Anti-Terror-Alarmplans "Vigipirate" ausgerufen worden, sagte Premierminister Jean Castex am Donnerstag in der Nationalversammlung in Paris.

Castex sprach von einer "niederträchtigen" und "barbarischen" Attacke und kündigte eine entschlossene Antwort der Regierung an. Am Freitagvormittag solle ein Verteidigungsrat unter Vorsitz von Frankreichs Präsident Emmanuel Macron in Paris tagen, so der Premier.

Christian Estrosi (2.v.r), Bürgermeister von Nizza, spricht mit Polizeibeamten am Ort des Messerangriffs.
Christian Estrosi (2.v.r), Bürgermeister von Nizza, spricht mit Polizeibeamten am Ort des Messerangriffs.  © Christian Estrosi/Twitter/PA Media/dpa

Update 13.10 Uhr: EU-Spitzen solidarisieren sich mit Frankreich

Die Spitzen der EU-Institutionen haben Frankreich ihre Solidarität zugesichert. Ganz Europa sei solidarisch mit dem Land, schrieb EU-Kommissionschefin Ursula von der Leyen am Donnerstag auf Twitter. Man bleibe angesichts der Barbarei und des Fanatismus geschlossen und entschlossen. Sie verurteilte den "abscheulichen und brutalen Angriff".

Auch der Präsident des Europaparlaments, David Sassoli, betonte: "Wir haben die Pflicht, zusammen gegen Gewalt und gegen diejenigen zu stehen, die aufhetzen wollen und Hass verbreiten", schrieb der Italiener auf Twitter. Er sei schockiert und traurig über die Nachrichten aus Nizza. "Dieser Schmerz wird von uns allen in Europa gefühlt."

EU-Ratschef Charles Michel versicherte Frankreich und den Franzosen ebenfalls seine Solidarität. Seine Gedanken seien bei den Opfern der "entsetzlichen Attacke" und ihren Angehörigen. "Ganz Europa ist bei euch", schrieb der Belgier auf Twitter.

Titelfoto: Eric Gaillard/Pool Reuters/AP/dpa

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