Knastdrama: Frau entbindet in ihrer Zelle und muss die Nabelschnur durchbeißen

Ashford - In einem Gefängnis in England hat eine 18-jährige Insassin unter dramatischen Umständen ihr Kind auf die Welt gebracht.

Das in einem englischen Gefängnis geborene Baby überlebte nicht. Möglicherweise, weil seine Mutter keine medizinische Hilfe bei der Geburt bekam. (Symbolbild)
Das in einem englischen Gefängnis geborene Baby überlebte nicht. Möglicherweise, weil seine Mutter keine medizinische Hilfe bei der Geburt bekam. (Symbolbild)  © 123rf.com/halfpoint

Der erst jetzt bekanntgewordene Vorfall ereignete sich bereits im September 2019 im HMP Bronzefield in der Stadt Ashford im County Middlesex. Es ist das größte Frauengefängnis Europas.

Laut einem Bericht von BBC habe die junge Frau wegen entsetzlicher Schmerzen gegen 20.30 Uhr zweimal geklingelt um mitzuteilen, dass sie die Hilfe einer Krankenschwester brauche. Aber niemand kam, um nach der Gefangenen zu sehen.

Eine Stunde später, um 21.30 Uhr, habe eine Gefängniswärterin mit einer Taschenlampe in die Zelle geleuchtet und nach eigenen Angaben nichts Außergewöhnliches gesehen.

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Die Teenagerin gab später zu Protokoll, dass sie durch die Geburtsschmerzen ohnmächtig wurde. Als sie wieder aufwachte, war der Geburtsvorgang bereits eingeleitet. Doch die in der Zelle geborene Tochter atmete nicht.

Ein Pathologe erklärte, es sei nicht sicher, ob es sich um eine Fehlgeburt gehandelt habe oder ob das Neugeborene lebend zur Welt kam und danach verstarb.

Erschütternd: Die 18-Jährige war gezwungen, die Nabelschnur durchzubeißen, fand Daily Mail heraus.

Fehlende medizinische Betreuung

Laut einem Bericht der Ombudsfrau für die Rechte der Gefangenen, Sue McAllister, saß die Frau wegen Raubes im Gefängnis. Sie habe auch eine "schwierige Kindheit" gehabt. Angeblich habe das Gefängnispersonal nicht gewusst, dass sie kurz vor der Geburt stand.

"Frau A. hat über Nacht allein in ihrer Zelle ohne medizinische Hilfe entbunden", sagte McAllister. "Insgesamt entsprach die ihr angebotene Gesundheitsversorgung nicht dem, was sie hätte erwarten können."

Mütter im Gefängnis oft traumatisiert

Die Gefängnisdirektorin, Vicky Robinson, nannte den Vorfall "sehr tragisch und traurig". Laut einem kritischen Untersuchungsbericht hätte die Insassin niemals alleine in ihrer Zelle gebären dürfen. Der Bericht beinhaltet zudem eine Reihe von Mängeln bei der Behandlung der Frau. So habe sie sich geweigert, die üblichen Schwangerschaftsvorsorgeuntersuchungen regelmäßig durchzuführen und sorgte sich, dass ihr das Baby weggenommen würde.

McAllister: "Wir sind der Ansicht, dass alle Schwangerschaften im Gefängnis als risikoreich behandelt werden sollten." Werdende Mütter im Gefängnis hätten nicht selten ein Trauma erlebt und haben deshalb "Angst, sich auf die Entbindungsbetreuung einzulassen."

Der neu ernannte britische Justizminister, Dominic Raab (47) sagte, es seien bereits Verbesserungen vorgenommen worden, um sicherzustellen, dass Frauen in Haft das gleiche Maß an Unterstützung erhalten wie andere Frauen auch.

Titelfoto: Montage: 123rf.com/stokkete, 123rf.com/halfpoint

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